Paris ist das perfekte Pflaster. Diese Atmosphäre - egal ob mit weniger oder vielen Zuschauern, diese Luft und vor allem dieser rote Sand - all das lieben Kevin Krawietz und Andreas Mies. An der Stätte ihres größten Erfolges sind die beiden Doppel-Spezialisten in diesen Tagen eine Macht. Auch das an Nummer 9 gesetzte Duo Nikola Mektic (Kroatien) und Wesley Koolhof (Niederlande) stoppte am Donnerstag den Siegeszug des besten deutschen Doppels nicht. Der Witzmannsberger steht mit seinem Kölner Partner nach einem erneut sehr souveränen 6:3 und 7:5-Sieg wieder im Finale von Roland Garros.

"KraMies" treffen am Samstagnachmittag auf das brasilianisch-kroatische Duo Bruno Soares und Mate Pavic, das zuvor überraschend das an Nummer Eins gesetzte kolumbianische Top-Paar Cabal / Farah ebenfalls in nur zwei Sätzen aus dem Wettbewerb warf. Coburg darf also weiter die Daumen drücken - der große Traum von der Titelverteidigung lebt.

Der 1. Satz

Mehr als zehn Minuten dauerte gleich das erste Aufschlagspiel von Wesley Koolhof. Den achten Breakball nutzte Kevin Krawietz mit seinem stärksten Schlag: Einem knallharten Rückhand-Return. Der Witzmannsberger benötigte anschließend für sein Service gerade einmal knapp zwei Minuten: Es stand 2:0 - ein optimaler Start in dieses Halbfinale.

Das zweite Mammutspiel - nämlich über acht Minuten - beendete Aufschläger Andreas Mies mit einem sensationellen Volley-Stopp zum 3:1. Krawietz gratulierte mit einem breiten Grinsen übers ganze Gesicht. Auf Mies, der zuvor mit einem Ass einen von drei Breakbällen abwehrte, war nicht nur in dieser frühen Phase Verlass - der Kölner machte sein bisher bestes Spiel beim wichtigsten Sandplatz-Turnier der Welt.

Der Spaß kam nicht zu kurz

Den Titelverteidigern war bei aller Konzentration der Spaß oft anzumerken. Sie kommunizierten nahezu nach jedem Ballwechsel. Immer wieder wurde abgeklatscht und die Taktik besprochen. Auffallend: Mies antizipierte perfekt, stand goldrichtig zum Ball und lief zur Topform auf. Variantenreich transportierten die leicht favorisierten Deutschen bei stärker werdendem Wind ihr frühes Break bis zum 5:3.

Dann war wieder der beim Aufschlag unsicher wirkende Holländer an der Reihe, der kaum erste Aufschläge ins Feld brachte. Die logische Folge: Nach 43 Minuten verwandelten die Deutschen ihren ersten Satzball zum 6:3. Es war der erste Satzverlust der beiden während des Turniers. Und der zweite sollte folgen!

Der 2. Satz

Jetzt war den Deutschen schwer beizukommen. Weder Krawietz noch Mies zeigte irgendeine eine Schwäche. Ganz im Gegenteil: Der 28-Jährige aus der Vestestadt war auch im zweiten Durchgang der beste Aufschläger, hatte zu keinem Zeitpunkt Mühe sein Service zu behaupten. Auch deshalb, weil Mies perfekt die Winkel verkürzte, immer wieder ganz nah ans Netz rutschte und wie eine Ball-Maschine dem Holländer und Kroaten die Volleys um die Ohren schmetterte.

Aber auch das gegnerische Duo blieb nichts schuldig, zeigte, dass es zu Recht im Halbfinale stand. Bis zur 6:5-Führung der Deutschen hatte kein Spieler großartige Probleme beim Aufschlag. Doch der Druck wurde von Minute zu Minute größer. Jetzt schlug der Kroate Nikola Mektic gegen den Matchverlust auf und er hielt der nervlichen Belastung nicht stand.

Deutlich, nämlich zu Null, verlor der erfahrene Doppel-Spezialist sein Spiel. Danach kannte die Freude bei den Titelverteidigern keine Grenzen. Sie strahlten um die Wette, umarmten sich herzlich. Kevin Krawietz streckte die Arme in die Höhe, lächelte seinem Vater Rudolf und seiner Freundin Judit immer wieder zu. Das fränkisch/rheinische Duo hat tatsächlich wieder das Finale erreicht. Am Samstag wollen sie ihr zweites großes Paris-Abenteuer mit dem zweiten Grand-Slam-Sieg vergolden.