von unserem Redaktionsmitglied 
Carolin Herrmann

Coburg — Am Wochenende ziehen wir mit dem Jugendclub des Landestheaters nach Wolkenkuckucksheim. Der Spaß dürfte allerdings durchaus abgründig werden.
Die ironische Vorstellung vom "Wolkenkuckucksheim" meint heute eher harmlos einen traumhaften Ort, ein Utopia, ein Schlaraffenland, das im himmlischen Nirdendwo liegt; zu schön, um wahr zu werden. In der Komödie des griechischen Dichters Aristophanes (geboren zwischen 450 und 444, gestorben um 380 v. Chr. in Athen) wird der vom Volk der ehemals glücklich und ohne Habsucht lebenden Vögel geschaffene Staat Wolkenkuckucksheim unter der Anstiftung zweier Menschen zum totalitären Schreckensort. Jetzt werden dort sogar Vögel zu Machtzwecken gebraten.
Die griechischen Komödien und Tragödien führen uns an den Beginn dessen, was wir unter Theater verstehen. Noch nah am rituellen Gottes-Dienst, aus dem sich das Dramatische entwickelt hat, verhandeln sie über längere Passagen hinweg existenzielle Auseinandersetzungen. Die eigentlichen Geschichten, die Zuspitzung und Lösung der Konflikte sind von packender Intensität geblieben, in den uns verbliebenen Stücken dazu oft noch von großer sprachlicher Schönheit und philosophischer Dichte.
Aristophanes ist zudem eine Art Vorläufer der Politsatire. Es ging ihm in aller Grundsätzlichkeit durchaus um konkrete zeitgenössische Personen und Ereignisse, die er der Lächerlichkeit preisgeben wollte, wozu er sich auch drastischer Darstellungen bediente. Gerne persiflierte er dabei auch die Stilmittel anderer Dichter, Euripides etwa. Auch vor Sokrates oder den Sophisten zeigte er keinen Respekt.
Gerade "Die Vögel", erstmals aufgeführt 414 v. Chr., reizte bis heute viele Dichter als Vorlage, Peter Hacks bekanntermaßen. Der Jugendclub des Landestheaters unter Leitung der neuen Theaterpädagogin Luca Pauer und von Peter Molitor, der vor 19 Jahren den Jugendclub gründete und heute Inspizient am Landestheater ist, haben nach der neuen, betont aktuellen Vorlage von Sören Voima gegriffen. Der aus Chemnitz stammende freie Autor wird für seine einfallsreich-freche Darstellung gerühmt.
Bei ihm sind es nun Schönhoff und Schlauberger, die den gesellschaftlichen Zwängen entfliehen und vor allem bequem leben möchten. Sie treffen einen Wiedehopf, der einst ein Mensch war, jetzt aber bei den Vögeln ein wunderbares Leben lebt. Schönhoff und Schlauberger verführen die Vögel dazu, ein Reich über den Wolken zu gründen, um sowohl den Menschen als auch den Göttern gegenüber mächtiger zu werden. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf.

Körperbetontes Theater

Der Jugendclub ist naturgemäß einem ständigen Wandel unterworfen. Von den derzeit 13 Mitgliedern sind etwa die Hälfte neu im Ensemble. Gerade auch ihnen dürfte die Herangehensweise Luca Pauers entgegenkommen, die aus der Workshop-Arbeit mit unterschiedlichsten Menschen kommt. Eben erst hat Luca Pau er den Seniorenclub des Landestheaters mit "Emil und die Detektive" zu einnehmenden performativen Leistungen gebracht.
Körper- und bewegungsbetont soll es jetzt also auch beim Jugendclub werden. "Das körperliche Training stand im Vordergrund", berichtet Luca Pauer aus der Probenzeit."Wir haben uns intensiv damit befasst, wie man Vögel auf der Bühne darstellt." Wobei es ja in diesem Stück darum geht, in den einzelnen Vogelarten unterschiedliche (menschliche) Charaktere und Positionen deutlich werden zu lassen. Bühnenbild und Kostüme haben die Jugendlichen selbst entwickelt. Die Vogelperspektive, vermittelt mit einer von oben filmenden Kamera werde ein besondere Rolle spielen, kündigt Luca Pauer an.

Die Produktion "Die Vögel", Produktion des Jugendclubs des Landestheaters Coburg nach der Komödie von Aristophanes in der Bearbeitung von Soeren Voiman. Inszenierung Luca Pauer, Peter Molitor.

Darsteller: Valentin Fruntke/Kevin Pojani (Schlauberger), Lia Hauschke/Paulina Mertl (Schönhoff), Hannes Gensinger ( Hahn/Prometheus), Rieka Pauer (Wiedehopf/Miss Woods), Anna Kiesewetter (Nachtigall), Yvonne Benthien (Waldrapp/Robert), Volkmar Günther (Schuhschnabel ), Luise Leis (Geier/Reinhardt), Annalena Vorndran (Papagei), Lea Rauscher (Eule), Verena Zielowski (Pfau), Lilli Gensinger (Ganymed/Iris).

Premiere Freitag, 4. Juli, 20 Uhr in der Reithalle. Weitere Vorstellungen am 5.und 6. Juli, jeweils 20 Uhr

Der Autor Aristophanes (geboren zwischen 450 und 444 , gestorben um 380 v. Chr.) gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der griechischen Komödie. Über sein Leben ist wenig bekannt. Er erhielt vermutlich eine Ausbildung zum Dramatiker. Aristophanes verbrachte den größten Teil seines Lebens in Athen. Nach 400 v. Chr. bekleidete er als Prytan ein führendes Amt in der Stadtregierung. Seine Darstellung des Politikers Kleon in "Die Babylonier" 426 v. Chr. brachte ihm eine Klage wegen Beleidigung des Volkes ein, die jedoch ohne Folgen blieb. Für seine Komödien erhielt Aristophanes bei den Lenäen und Dio nysien oftmals hohe Auszeichnungen.