Der Schreibtisch von Studiendirektor Rolf Sander sieht schon ordentlich verräumt aus. Die letzten Tage bis zu seiner Verabschiedung, die am Freitag in der Aula des Beruflichen Schulzentrums I in Coburg am Plattenäcker stattfand, hat der stellvertretende Schulleiter trotz vieler Aufgaben, die noch erledigt werden mussten, genossen.
43 Jahre war er im Schuldienst tätig. Endgültig kann er noch nicht von seinem Beruf loslassen: "Ich plane, ein Stück Arbeit in meinen Ruhestand mitzunehmen", sagt der scheidende Studiendirektor, mehr will er noch nicht preisgeben. Nur so viel verrät er: Das Thema Europa, das ihm sehr am Herzen liegt, will er auch außerhalb der Schule nicht aufgeben. "Es ist zwar schön die Verantwortung abgeben zu können, aber die vielen unterschiedlichen Aktionen und der Kontakt zu den jungen Menschen werden mir fehlen", gibt Sander mit Bedauern zu.
Schulische und technische Projekte ins Leben zu rufen und sie umzusetzen, gehörten zu den Kernkompetenzen des Pädagogen. Das weiß auch sein, ebenfalls aus dem Schuldienst scheidender Chef, Anton Staudigl, der immer wieder die Beharrlichkeit und Hartnäckigkeit seines Stellvertreters lobte, mit der er Ideen und Pläne erfolgreich zu Ende führte.
Seit seiner Kindheit hatte Sander einen engen Bezug zu handwerklichen Berufen. Sein Vater war Schmiedemeister in der Heimatgemeinde Mitwitz und der Sohn assistierte ihm oft in der Werkstatt. "Eine reine Bürotätigkeit wäre für mich nichts gewesen. Ich bin mit dem Handwerk aufgewachsen", erinnert sich Sander. Vielleicht wäre er tatsächlich in die beruflichen Fußstapfen des Vaters getreten, hätte ihm nicht ein angeborenes Handicap an der Hüfte diesen Plan verdorben.


Begeisterungsfähig

Doch Sander hat viele Interessen: die Begeisterung für technische Abläufe treibt ihn an. Deshalb studierte er - nach einer verkürzten Lehrzeit als Fernmeldetechniker - in Coburg Elektrotechnik. Nach erfolgreichem Abschluss überlegt er wie er - als frisch gebackener Diplom Ingenieur (FH) - sein technisches Wissen mit Pädagogik verbinden kann. An der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen wurde zur selben Zeit ein neuer Studiengang für Berufsschullehrer mit der Fachrichtung Elektrotechnik (Höheres Lehramt für berufliche Schulen) initiiert. Eine absolute Innovation und Sander sieht seine Chance.
An die Berufsschule in Coburg kam der Pädagoge im Jahr 1978, wo er erst in den "Elektroklassen" eingesetzt war. Wieder meldet sich sein "Technikverstand": Er erkennt frühzeitig die Bedeutung von Computern im Unterricht und in der Verwaltung. Auf sein Bestreben hin wurde der erste PC-Raum an der gewerblichen Berufsschule eingerichtet und die erste EDV - Gesamtverkabelung im Schulgebäude durchgeführt.
Im August 2002 wird er zum ständigen Vertreter des Schulleiters des Beruflichen Schulzentrums I Coburg ernannt. Für ihn eine berufliche Herausforderung im doppelten Sinne, denn im ersten Jahr in seiner neuen Position ist der Stellvertreter mit seinen Aufgabenfeldern größtenteils auf sich alleine gestellt. Als Teamplayer kann er sich dabei auf die Unterstützung seiner Kollegen verlassen.


Es kommt oft anders als gedacht

Ob er später nie daran gedacht habe, sich selbst für die Chefposition anzubieten? Wieder muss Sander lächeln. "Manchmal kommt es einfach anders im Leben, als man sich das vorstellt", resümiert er. Die Absicht sei vorhanden gewesen, die Bewerbung schon geschrieben, aber eine Krebserkrankung habe sein Leben in eine andere Bahn gelenkt. Und das sei auch in Ordnung gewesen, findet er rückblickend. So habe er sich besser um seine Steckenpferde kümmern können: Im Mai 2012 übernimmt er federführend den Aufbau der neu einzurichtenden Fachschule für Maschinenbautechnik. Sander profitierte bei all seinen Projekten auch immer von seinen guten Kontakten zur heimischen Wirtschaft. Viel Energie steckte er in die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene und förderte den Schüleraustausch für Berufsschulen, der im gewerblich-technischen Bereich bis dahin kaum üblich war. Mit der finanziellen Unterstützung des EU-Programms "Lebenslanges Lernen" Leonardo da Vinci (später Erasmus +) wird nun schon seit zehn Jahren Schülern ein Praktikumsaufenthalt mit kulturellem Begleitprogramm ermöglicht. Ein Thema, bei dem der Studiendirektor emotional reagiert: "Für mich ist dieses Projekt ein wichtiger Schritt zur Völkerverständigung."
Genauso berührt ihn die bestehende Flüchtlingsproblematik. 2015 organisierte er mit einem Lehrerteam, die ihn alle freiwillig unterstützten, die Beschulung von jungen Geflüchteten in einer Integrationsklasse.
Mit Rolf Sander verlässt vor allem ein Menschenfreund das Berufliche Schulzentrum in Coburg, der die Verbundenheit zu "seiner" Schule am Plattenäcker immer wieder betont. Jetzt freut er sich auf mehr Zeit mit seiner Familie - die Enkel in München und Regensburg warten schon.