Dass Eltern die Möglichkeit eingeräumt wird, anhand eines Bluttropfens in einer Petrischale über Leben und Tod eines Fötus zu entscheiden, ist für die Geschäftsführerin des Vereins "Hilfe für das behinderte Kind", Karolin Netschiporenko, nur schwer erträglich. Sie bezweifelt auch, dass die Entscheidung, den sogenannten Praena-Test zuzulassen, tatsächlich rechtens ist. Aber darum gehe es dem Coburger Verein auch nicht. "Wir wollen den Eltern eher klar machen, welche Bedeutung ihr Entschluss hat. Dass sie lebenslang daran zu knabbern haben, wenn sie sich gegen ihr Kind entscheiden." Deshalb plädieren die Mitglieder des Vereins dafür, auch Down-Syndrom-Kindern eine Chance zu geben.

Darüber hinaus sollten Menschen mit Trisomie 21, wie das Down-Syndrom auch genannt wird, nicht ins Abseits gestellt werden. Das könne aber passieren, wenn in der Gesellschaft die Meinung vorherrsche, sie müssten nicht auf der Welt sein, wenn ihre Eltern nur die richtige Entscheidung getroffen hätten. Außerdem: "Eine Behinderung kann uns irgendwann alle treffen", sagt Karolin Netschiporenko. Doch weil an der Freigabe für den Bluttest erst einmal nicht zu rütteln ist, geht der Coburger Verein einen anderen Weg: Er appelliert an Eltern, sich für ihr Kind zu entscheiden, auch wenn es mit dem Down-Syndrom auf die Welt kommt. Und um dem Appell Nachdruck zu verleihen, wurde ein Flyer erstellt. Dort gibt es Fotos von Kindern mit Down-Syndrom und ihren Familien. Eltern, Geschwister und andere Verwandte sagen, warum sie gerade diese Kinder so mögen und nicht auf sie verzichten wollen.

Flyer gegen Rasterfahndung


Unter der Überschrift "Rasterfahndung - was würde fehlen?" sprechen sich die Vereinsmitglieder für eine Vielfalt in der Gesellschaft aus. Bettina Schmidt aus dem Itzgrund sagt über ihre Tochter Katja: "Bei ihrer Geburt haben wir schon gesagt: Sie ist ein Geschenk Gottes in einer besonderen Verpackung." Monika und Volker Hahn aus Neershof haben ihr Kind verloren. Der Vater erinnert sich heute: "Unser Sohn Tobias ist vor einem halben Jahr ganz plötzlich verstorben. Wir spüren täglich 1000 Sachen, die uns fehlen." Julia Stammberger aus Seidmannsdorf mag ihre Schwester Sarah sehr. Sie habe sogar Einfluss auf die Wahl des Berufes gehabt: "Sarah betet für mich - das finde ich total lieb von ihr. Außerdem habe ich durch sie mein Interesse an Kindern entdeckt und entschied mich für die Ausbildung zur Erzieherin."

Ein reicheres Leben


Über ihr Patenkind Holger sagt Gerlinde Deutsch aus Neustadt: "Er hat mein Leben so sehr bereichert. Durch ihn weiß ich, dass unsere Leistungsgesellschaft ohne Menschen mit Down-Syndrom sehr viel ärmer wäre: ärmer an Hilfsbereitschaft, Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Fröhlichkeit und Liebe." Sabine Büschel aus Grub am Forst macht es kurz: "Hergeben möchte ich Leonie nicht mehr. Sie gehört zu uns und fertig!" Ulrike Salkowski aus Coburg verdankt ihrem Sohn Finn interessante Begegnungen: "Finn begrüßt jeden Menschen, der ihm begegnet. Dadurch habe ich schon viele Gespräche geführt, die ohne ihn niemals zustande gekommen wären." Michelle Jurimas Oma Ingrid Schäfer findet: "Wir wurden für Michelle auserkoren, der liebe Gott hat das so bestimmt."

Karolin Netschiporenko räumt ein, dass es im Ermessen jeder Mutter liegt, ob sie einen Bluttest machen lässt. "Es gibt Eltern, die vorher nichts wissen wollen. Andere entscheiden sich für diese Information, weil sie vorbereitet sein wollen", sagt sie. Das bestätigt Klaus Wanjura, dessen Schwester Romy mit Down-Syndrom zur Welt kam: "Meine Freundin und ich haben uns bei unserem Kind gegen eine Fruchtwasseruntersuchung entschieden, weil es eben Romy gibt und mit ihr alles so gut läuft."

Mehr dazu gibt es unter www.behindertenhilfe-coburg.de.