Was der alles kann und macht und weltweit schon getan hat und wofür er alles ausgezeichnet wurde, kann man hier gar nicht aufzählen. Matthias Schriefl ist ein Grenzgänger, zwischen Jazz, Folk, Weltmusik und was ihm sonst noch so in die Quere kommt, und solch ein Typ interessiert die künstlerische Leiterin von Leise am Markt, Antoinetta Bafas, auf jeden Fall. Die musikalische Hochbegabung Matthias Striefl gastierte am Mittwochabend mit einer ihrer vielen Ensembles, "Schreefpunk", in Coburg und machte sich musikalisch wie sprachlich wie in seinem Auftreten lustig über einfach alles.
Gewandet in einem bunt gewürfelten Anzug nahm der verquere Allgäuer allerdings eines ernst in höchstem Maße: die Präzision und Klarheit seiner Töne, ob nun dem Alphorn oder seinen anderen Blechblasinstrumenten entlockt, egal wie schnell er sie hervorbringen, wie lang er sie tönen lassen will oder ob er zwei Instrumente gleichzeitig bläst. Der Mensch ist einfach staunenswert. Neben der Trompete und dem Alphorn spielt er Flügelhorn, Euphonium, Baritonhorn, Tuba und Sousaphon. Singen tut er auch, allgäuerisch, auch jodeln und klangexperimentieren sowieso.


Keineswegs nur Mätzchen

Doch wenn Matthias Schriefl auch den Clown gibt, in der Pause mit seinen beiden Kumpanen auf die Herrngasse hinauszieht und der Polizei tatütata hinterher bläst, es geht ihm nicht um technische Kunststückchen. Die beherrscht er sowieso in Vielfalt und Lässigkeit. Es geht ihm um den Wohlklang der Musik, um Stimmung, Rhythmus, neue Hörerfahrung, Erfassung der Welt auf musikalischem Wege.
Auch wenn das komisch klingt, sein mit gespieltem Schrecken angekündigter "Schreefpunk" ist selbstverständlich herrlich verrückt, wird oftmals aber geradezu liebevoll und sanft verbreitet, erzählt verträumte Geschichten, kehrt im Coburger Konzert immer wieder zurück in die majestätische Ruhe der Alpen, ganz ernst jetzt.


So ein Alphorn

Die Trompete in den höchsten Jazz-Jubel zu jagen, klar, kann er, tut er. Das eigentlich ja nicht wirklich wendige Alphorn zur munteren Posaune werden zu lassen, gelingt ihm (fast) perfekt.
Alex Eckert, schlagend, virtuos zupfend und sonstwie erfreuend an Gitarre und Ukulele und Alex Morsey mit seinem auf vielfältig gewitzte Weise bespielten Bass tanzen und springen und singen begeistert und begeisternd mit Matthias Schriefl. - Was für ein spaßiger und dabei musikalisch gleichzeitig loslösender und wohltuender Abend. Dass es so etwas gibt...

Matthias Schriefl, geboren 1981, stammt aus einer musikalischen Familie und wuchs auf in Maria-Rain im Oberallgäu. Als Elfjähriger wurde er Bundessieger bei Jugend musiziert; im Alter von 15 Jahren war er das jeweils jüngste Mitglied im Landesjugendjazzorchester Bayern und im Bundesjazzorchester. Mit 17 wurde er mit seiner Band "Sidewinders" Bundessieger bei "Jugend Jazzt" und konnte seine erste CD aufnehmen. Während der Schulzeit war Schriefl Jungstudent am Richard-Strauss-Konservatorium in München und studierte anschließend von 2000 bis 2005 an der Hochschule für Musik Köln bei dem Trompeter Andy Haderer. Als Socrates-Stipendiat ging er außerdem ein Jahr nach Amsterdam. Bereits in seiner Studienzeit spielte er mit Peter Herbolzheimers Rhythm Combination & Brass und der WDR-, hr- und NDR-Bigband.
 Schriefls erfolgreichstes Projekt ist die Band "Shreefpunk", deren CD-Produktionen, beim ACT-Label erschienen, international große Beachtung erhielten.
Von 2007 bis 2009 tourte er, teilweise im Auftrag des Goetheinstituts, durch 15 Länder Europas sowie durch Mexiko, Australien und sieben Länder Westafrikas. Weitere eigene Bandprojekte sind der Mutantenstadl, Schmittmenge Meier, das European TV Brass Trio und verschiedene Duo-Projekte.
 Zu seinen zahlreichen namhaften Auszeichnungen gehört der Preis der Deutschen Schallplattenkritik und 2016 der Ruth-Sonderpreis beim Rudolstadt-Festival. wp