In Coburg werden offenbar immer mehr Menschen mit russischen Wurzeln aufgrund des Ukraine-Kriegs Opfer von Hass und Beleidigungen. "Ich bin wirklich erschüttert über die Anfeindungen gegenüber Bürgerinnen und Bürger russischer Herkunft", erklärt Coburgs Oberbürgermeister Dominik Sauerteig am Mittwoch (30. März 2022) in einer Pressemitteilung. "Immer häufiger melden sich bei mir Menschen, die mir ihr Leid klagen. Sogar Kinder werden in der Schule und auf der Straße beschimpft." Läden mit russischen Waren würden beschmiert. "Das ist vollkommen inakzeptabel!"

Erst am vergangenen Wochenende ließen unbekannte Täter ihren Russland-Hass an einer "Mix Markt"-Filiale aus. Sie randalierten auf dem Firmengelände und hinterließen politische Graffitis, die sich gegen Russlands Militärangriff auf die Ukraine beziehen. Die auf osteuropäische Produkte spezialisierte Supermarktkette ist insbesondere bei Russlanddeutschen beliebt. Das Unternehmen hatte kurz nach Kriegsbeginn Wladimir Putins Einmarsch in die Ukraine als "völkerrechtswidrigen Angriffskrieg" verurteilt und angekündigt, das Sortiment russischer Waren entsprechend zu "bereinigen".

Nach Anfeindungen gegenüber Russen: Coburgs OB ruft zu friedlichem Zusammenleben auf

Coburgs Oberbürgermeister reagiert auf die Anfeindungen gegenüber russischen Mitbürgern nun mit einem eindringlichen Appell. "Wir sind alle Coburger! Wir machen keinen Unterschied, woher die Bürgerinnen und Bürger unserer schönen Stadt kommen", konstatiert Sauerteig. Es mache auch keinen Unterschied, welchen Pass sie hätten. "Wichtig ist, dass sie hier bei uns in Frieden leben wollen. Keiner der hier lebenden Menschen mit russischer Herkunft kann etwas dafür, dass die russische Führung das russische Militär in einen rechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, ganze Städte in Schutt und Asche legt und die Menschen in der Ukraine in eine humanitäre Katastrophe stürzt."

Auch Russen und Armenier seien vor dem Krieg aus der Ukraine nach Coburg geflüchtet, berichtet das Stadtoberhaupt. "Natürlich finden auch diese Menschen hier bei uns eine neue Heimat - übergangsweise oder dauerhaft." Dies geschehe unabhängig ihres Passes. Sauerteig zufolge sollte in Coburg jeder Schutz finden, der vor Krieg und Verfolgung flüchtet. 

Mit einem eindringlichen Appell wendet sich der Oberbürgermeister abschließend an alle Bewohner der Stadt: "Lassen Sie uns hier in Coburg friedlich zusammenleben, egal, woher wir kommen oder welchen Pass man haben mag." Anfeindungen oder Angriffe auf Menschen mit russischer oder anderer Herkunft würden in Coburg nicht toleriert. "Menschen, die das tun, stellen sich außerhalb unserer Gemeinschaft."

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