Für Karin Diekmann (Sopran) ist das Singen im Chor nicht irgendein Hobby. Seit der Schulzeit gehört es für sie zu ihrem Leben. Das Singen in der Chorgemeinschaft ist für sie Bereicherung und Stütze zugleich. "Die Wochen und Monate seit dem Lockdown waren für mich schrecklich", erzählt sie. Auch wenn es Übungsvideos und aufmunternde Worte per E-Mail oder Whatsapp gegeben habe, habe ihr der persönliche Kontakt gefehlt, sagt sie. Trotzdem habe sie mit Hilfe des Internets daheim im "stillen Kämmerlein" gesungen.

Gerade Chöre und Musikgruppen sind durch die Corona-Pandemie arg gebeutelt. Langsam fahren sie ihre Aktivitäten wieder hoch und versuchen, mit innovativen Ideen ihrem Hobby weiter nachzugehen und auch ohne die Möglichkeit, öffentlich aufzutreten, auf sich aufmerksam zu machen. Die Chormitglieder "feinklang" des Sängerkranzes Grub am Forst haben beispielsweise während der zwangsbedingten Pause trotzdem gesungen - und zwar auf eine ganz besondere Art. Mit Video-Clips wurde es möglich, dass jede Sängerin und jeder Sänger während der Heimchorprobe neue Lieder einüben konnte. Es ist sogar ein gemeinsame Chorvideo "Baba Wethu" entstanden. Dieses ist über die Vereinshomepage (saengerkranz-grub.de) online abrufbar.

Schon kurz vor dem eigentlichen Lockdown hatte sich der Vorstand des Sängerkranzes darauf verständigt, die Chorproben vorerst auszusetzen. "Wir waren uns einig, unseren Chorleiter nicht hängenzulassen und ihn weiter zu bezahlen. Das war auch der Wunsch von vielen Chormitgliedern", führt Vorsitzender Daniel Huxoll an. Ihm sei es in dieser Zeit besonders wichtig gewesen, mit den Sängerinnen und Sängern in Kontakt zu bleiben. Weil nicht alle Aktiven über das gleiche Medium erreichbar sind, aber keiner außen vor gelassen werden sollte, wurde der Kontakt über verschiedene Kanäle aufrechterhalten. So bestand die Möglichkeit, sich während der eigentlichen Singstunden via Online-Meeting auszutauschen. Der Chorleiter nutzte diese Online-Konferenz auch für kleine fachliche Workshops.

Stücke kamen per Video

"Leider funktionierte das gemeinsame Singen nicht gut", bedauert Christian Vollrath (Tenor). Aus technischen Gründen sei es zu großem zeitlichem Versatz gekommen. Markus Häßler hatte dann schließlich die Idee, die zu probenden Stücke per Youtube für jede einzelne Stimme online zu stellen. Hierfür dirigierte und spielte er auf dem Klavier die jeweiligen Stimmen.

"Der Sängerkranz Grub am Forst hat mich als Chorleiter sehr unterstützt", betont Markus Häßler. Schon nach Pfingsten wurden stimmtechnische Einzelproben abgehalten. Damit konnten die Aktiven Lieder daheim einstudieren. Diese Möglichkeit wurde von vielen genutzt. Trotzdem ist es manchen nicht leicht gefallen, ohne die Perspektive, wann das Geübte gemeinsam mit anderen gesungen werden kann, über den Laptop zu proben.

Eine neue Idee musste her. Aus einzelnen Aufnahmen, die von den Aktiven zu Hause gesungen wurden, schnitt Markus Häßler den Chorgesang zusammen. So entstand als neues Projekt das Chorvideo. Damit bot die besondere Zeit auch die Möglichkeit, etwas Neues auszuprobieren. "Ich persönlich habe die Idee, einzelne Stimmen aufzunehmen und daraus ein Chorlied zu basteln, für mich selbst auch aufgegriffen", verrät Christian Vollrath.

Als ab der zweiten Juni-Hälfte wieder gesungen werden durfte, wurde ein Hygienekonzept erstellt. "Der Fränkische Sängerbund hat hier hervorragende Vorarbeit geleistet und entsprechende Muster zur Verfügung gestellt", lobt Huxoll die Verbandsarbeit. Er findet, dass die Vorstandsarbeit anders, aber nicht weniger als in den Vorjahren sei. Die ersten gemeinsamen Proben erfolgten im Freien, dann im evangelischen Gemeindehaus, allerdings nur die jeweiligen Stimmen, weil das Haus für das Gebot, Abstand zu halten, nicht ausreichend Platz für den gesamten Chor bietet.

Schnell kam der Wunsch auf, wieder mit allen zusammen zu proben. Deshalb wurden die letzten Wochen von der Suche nach einem alternativen Probenraum dominiert. Dieser wurde schließlich im Saal der Gastwirtschaft "Goldene Rose" gefunden. Dort wird am Montag, 7. September, die erste gemeinsame Probe abgehalten.

Der Kontakt fehlte sehr

Auch für Roswitha Müller ist Singen ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Sie geht ihrem Hobby Chor seit 20 Jahren nach. Das gemeinsame Erarbeiten von Chorsätzen, das schrittweise Zusammenklingen der verschiedenen Stimmen und das Gemeinschaftserlebnis in der Gruppe faszinieren sie immer wieder. Die Videos, die der Chorleiter den Aktiven zum Proben zur Verfügung gestellt hat, hätten sich wunderbar zum Einüben geeignet, meint Müller. Weil ihr in der Altstimmlage der Zusammenklang mit den anderen Stimmen beim "alleine Proben" gefehlt habe, habe sie öfter mit Youtube-Videos geübt und sich so das Chorfeeling nach Hause geholt.

Das Video Projekt "Baba Wethu" war für die stellvertretende Vorsitzende eine echte Herausforderung. "Mit Knopf im Ohr sich selber beim Singen aufzunehmen, war schon sehr gewöhnungsbedürftig", erzählt Müller. Ihrer Meinung nach ist das Resultat jedoch gut gelungen.