Kai Holland, der Leiter des Coburger Ordnungsamts, hatte sich am Donnerstag sehr bedeckt gehalten. Mit Verweis auf ein "laufendes Verfahren" gab er zur bewaffneten Reichsbürgerin Kerstin P. aus dem Coburger Stadtteil Löbelstein keine weiteren Auskünfte. Aufgrund des großen öffentlichen Interesses, den der Fall seit Tagen verursacht, kündigte er aber an: "Wenn wir ein Ergebnis haben, werden wir dies mitteilen." Mit "Ergebnis" meinte Holland, dass Kerstin P. die Waffen abgenommen werden.

Am Freitag, kurz vor 12 Uhr, wurde dann tatsächlich etwas mitgeteilt. Es handelte sich zwar nur um einen einzigen Satz, aber der dürfte bei vielen Menschen in der Stadt für Erleichterung sorgen: "Das Ordnungsamt kann im Zuge des laufenden waffenrechtlichen Verfahrens bezüglich einer in Coburg lebenden Reichsbürgerin mitteilen, dass die Waffen mittlerweile sicher bei der Waffenbehörde verwahrt werden."

War ein SEK dabei?

Nicht bekannt ist, ob sich die 56-jährige Kerstin P. kooperativ verhielt oder ob sie auf irgendeine Weise Widerstand leistete. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberfranken in Bayreuth sagte auf Anfrage des Coburger Tageblatts lediglich, dass die Maßnahme bereits am Donnerstag erfolgt sei, aber erst am Freitag publik gemacht wurde. Die Frage, ob bei dem Einsatz in Löbelstein auch ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei beteiligt war, wurde von dem Sprecher verneint.

Gegen Kerstin P. war nicht zuletzt deshalb ein waffenrechtliche Verfahren eingeleitet worden, weil sie Anfang Februar in Coburg ein großes Treffen von Reichsbürgern aus ganz Deutschland organisiert hatte. Das Treffen, für das sie sich mit Hilfe des dortigen Hausmeisters Zutritt zum Festsaal der Coburger Waldorfschule verschafft hatte, war letztlich aufgeflogen. Der besagte Hausmeister verlor daraufhin seinen Job und Kerstin P. jetzt ihre Waffen.

Unter anderem war Kerstin P. im Besitz eines schweren Revolvers vom Typ ".44 Magnum". Wer einen entsprechenden Waffenschein besitzt, darf zwar auch einen solchen Revolver besitzen. Doch wenn eine Person als "unzuverlässig" eingestuft wird, kann ihr die Waffe entzogen werden. Und seit den tödlichen Schüssen, die ein Reichsbürger im Oktober 2016 auf einen Polizisten in Georgensgmünd abgefeuert hat, gelten sogenannte Reichsbürger grundsätzlich als unzuverlässig.

Die Alarmglocken schrillten

Bei der für Kerstin P. zuständigen Waffenbehörde, dem Coburger Ordnungsamt, schrillten nach der Aktion in der Waldorfschule die Alarmglocken. Ein waffenrechtliches Verfahren gegen Kerstin P. wurde eingeleitet und nun zu einem Ende gebracht.

Kerstin P. hatte sich bis Freitagnachmittag zu den neuen Entwicklungen noch nicht geäußert - zumindest nicht auf ihrem offiziellen Kanal beim Messengerdienst "Telegram. Und das, obwohl Kerstin P. dort sehr mitteilungsbedürftig ist. Bis zu 50 Nachrichten teilt und veröffentlicht sie am Tag. Zuletzt hatte sie in einem Beitrag auch über das Coburger Tageblatt gespottet, weil sie um eine Stellungnahme zum dem Fall gebeten wurde. Kerstin P. verzichtete auf eine Stellungnahme. Zugleich wirft sie aber praktisch allen Medien vor, grundsätzlich falsch zu berichten.

Das Thema Corona und die Kritik an den staatlichen Maßnahmen ist bei Kerstin P. aktuell jedoch etwas in den Hintergrund gerückt. Stattdessen feiert Kerstin P. derzeit das Vorgehen von Russlands Präsident Putin in der Ukraine. Vermutlich beschäftigte sie sich auch am Donnerstag mit solch kruden Verschwörungen, als plötzlich eine Abordnung des Ordnungsamts bei ihr vor der Tür stand.