Ein wenig finster blickt Richard Wagner an diesem Abend in den großen Saal des Pfarrzentrums St. Augustin. Finster, weil keine einzige Note von ihm auf dem Programm des Stipendiatenkonzerts stand, das der Coburger Ortsverband des Richard-Wagner-Verbands veranstaltete?


Facetten der Romantik

Ein Transparent mit dem markanten Konterfei des sendungsbewussten kleinen Sachsen Richard Wagner begrüßte die Zuhörer bei der Soiree, die in diesem Jahr drei sehr unterschiedlichen Facetten der Romantik zum Klingen brachte.


In Vergessenheit geraten

Neben Franz Liszt und Robert Schumann war dabei auch ein Komponist vertreten, dessen Werke längst weitgehend in Vergessenheit geraten sind: Max von Schillings.


Mit perlender Virtuosität

Die in Coburg lebende Pianistin Kyoko Frank eröffnete den Abend mit mühelos perlender Virtuosität - der letzten der drei Konzert-Etüden von Richard Wagners Schwiegervater Franz Liszt. Ihr Gespür für die vielschichtige musikalische Poesie Robert Schumanns demonstrierte Kyoko Frank dann mit dem Zyklus "Carnaval" aus dem Jahr 1835. Die Pianistin interpretierte diesen Zyklus von 20 Charakterstücken mit energisch zupackender Kraft, aber auch mit fein differenzierten Klangfarben.


"Das Hexenlied"

Ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten stand im zweiten Teil auf dem Programm: das Melodram "Das Hexenlied" von Max von Schillings. Die schaurige Geschichte des im Sterben liegenden Mönches Medardus, der gepeinigt wird von der Erinnerung an eine einst unschuldig als Hexe verbrannte junge Frau - diese Ballade von Ernst von Wildenbruch hatte Schillings 1903 als Melodram sehr effektvoll vertont.


Der Bariton Franz Xaver Schlecht, der in dieser Spielzeit am Landestheater Coburg engagiert ist, war an diesem Abend in ungewohnter Rolle zu erleben - als Sprecher. Mit suggestiver Ausdruckskraft und klug dosiertem Pathos entfaltete er den Text, während Kyoko Frank die illustrierende Klavierbegleitung mit großem Nachdruck und einfühlsamer Klangfantasie spielte.


Liszt als Zugabe

Der endgültige Ausklang nach reichlich Beifall führte an den Beginn des Abends zurück - zu Franz Liszt. Sein unverwüstliches Bravourstück "La Campanella" spielte Kyoko Frank mit funkelnder Virtuosität als Zugabe.





Junge Künstler beim Wagner-Verband

Die junge Pianistin Kyoko Frank erhielt im Alter von vier Jahren Ihren ersten Klavierunterricht von ihrer Mutter. Von 2000 bis 2006 studierte sie in der Klasse von Hidemitsu Hayashi an der "Toho gakuen School of music, Tokio". Seit 2006 setzte sie ihr Studium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien bei Peter Efler fort.


Konzerte in der Region

Kyoko Frank vertiefte ihr Studium in den Bereichen Kammermusik und Korrepetition und ist Preisträgerin verschiedener Wettbewerbe. Im Coburger Raum trat die junge Pianistin beim Open Air im Rosengarten als Solistin von Edvard Griegs Klavierkonzert und in verschiedenen Kammermusikabenden zum Beispiel in Schloss Rosenau in Erscheinung.

Der Bariton Franz Xaver Schlecht ist derzeit Mitglied im Ensemble des Landestheaters Coburg und wird mit Beginn der Spielzeit 2018/19 in das Ensemble der Oper Leipzig wechseln, wo er bereits als Ottokar ("Freischütz") zu hören war und als Papageno ("Zauberflöte") debütierte. Schlecht stammt aus Oberpeiching und begann sein Studium an der Musikhochschule Augsburg. Dieses schloss er an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig ab und absolvierte anschließend ein Aufbaustudium an der Hochschule für Musik Würzburg.

Bereits während des Studiums debütierte Franz Xaver Schlecht an den Stadttheatern Augsburg und Ingolstadt. Weitere Gastengagements führten ihn an das Mainfranken Theater Würzburg, die Staatsoper Berlin, das Theater der Stadt Heidelberg, die Deutsche Oper Berlin und die Oper Leipzig. Schlecht verfügt über ein breites Konzertrepertoire, zu welchem die Passionen Bachs, der "Elias" von Mendelssohn Bartholdy, Orffs "Carmina Burana" sowie Verdis "Requiem" zählen

Hintergrund Die Richard-Wagner-Stipendienstiftung vergibt jährlich rund 250 Stipendien weltweit. Die Stipendiaten besuchen Aufführungen der Bayreuther Festspiele und weitere Veranstaltungen vor Ort. Das Stipendium erhalten junge Künstler, die als Nachwuchs für die Mitwirkung bei den Bayreuther Festspielen in Betracht kommen. Stipendiaten waren zum Beispiel die Dirigenten Christoph Eschenbach, Christian Thielemann und Axel Kober; letzterer war 1992 Stipendiat des Coburger Richard-Wagner-Verbandes.