Seit Mitte 2016 bietet der Klinikverbund Regiomed in Kroatien die Möglichkeit eines Medizinstudiums an. Am 15. Juli 2020 endet die Bewerbungsfrist für das nächste Medizinstudium in Split (Kroatien) und in Oberfranken beziehungsweise Südthüringen. Wie kann man sich dieses Studium über Ländergrenzen hinweg vorstellen? Antworten auf diese Frage geben mehrere Beteiligte.

Was genau verbirgt sich denn hinter dem Begriff "Medical School Regiomed"?

Dorothea Thieme (Leiterin der Medical School Regiomed): Die Medical School Regiomed - oder kurz MSR - ist eine Kooperation zwischen der Regiomed-Kliniken GmbH und der medizinischen Fakultät der Universität Split (USSM) in Kroatien. Das Studium läuft unter der Gesamtverantwortung der Universität Split, das heißt unsere Studierenden sind während der ganzen Studiendauer dort immatrikuliert, und auch der Abschluss wird durch die Universität Split verliehen. Für das Studium fallen Beiträge in Höhe von 12000 Euro jährlich an, die an die Universität Split entrichtet werden.

Welche Vorteile sehen Sie in dieser Kooperation?

Prof. Johannes Brachmann (Geschäftsführer der MSR): Unsere Studierenden erhalten eine hervorragende Ausbildung und können während ihrer Studienzeit gleich zwei unterschiedliche europäische Gesundheitssysteme kennenlernen. Besonders hervorheben möchte ich die kleinen Studiengruppen, die eine persönliche Betreuung durch die Dozenten und auch einen intensiven Austausch untereinander ermöglichen. Sowohl in Split als auch hier bei uns stehen moderne und gut ausgestattete Räumlichkeiten und technische Möglichkeiten zur Verfügung. Ein Vorteil für unsere Studierenden ist, dass sie ihre Facharztausbildung an einer der Regiomed-Kliniken zugesichert bekommen. Last but not least ist ein Auslandsstudium sicher für jeden jungen Menschen eine tolle Erfahrung fürs Leben - noch dazu in einer so herrlichen Stadt wie Split.

Wie läuft das Studium genau ab?

Priv.-Doz. Georg Breuer (Akademischer Leiter der MSR): Die ersten drei Jahre sind unsere Studierenden in Split, wo sie gemeinsam mit etwa 35 weiteren internationalen Studenten in den medizinischen Grundlagen unterrichtet werden. Der Unterricht erfolgt - anders als in anderen Universitäten - in Blöcken: Die Studierenden beschäftigen sich jeweils mehrere Wochen mit nur einem Fach und schließen dieses danach direkt mit einer Prüfung ab. Zum vierten Studienjahr wechseln die MSR-Studenten dann zurück nach Oberfranken/Südthüringen und vertiefen hier ihre theoretischen und praktischen Kenntnisse. An unseren MSR-Standorten in Coburg und Lichtenfels finden die Vorlesungen und Seminare wie in Split in englischer Sprache statt, die praktischen Übungen am Patientenbett erfolgen in deutscher Sprache. Aufgrund der Corona-Pandemie mussten unsere "Rückkehrer" ihren praktischen Einsatz in der Inneren Medizin leider unterbrechen. Stattdessen wurden sie auf unseren intensivmedizinischen Bereichen für einen möglichen Ernstfall vorbereitet oder unterstützen das Lichtenfelser Landratsamt. Für den Unterricht nutzen wir derzeit digitale Lernformen, so dass die Ausbildung dennoch lückenlos fortgeführt wird.

Was für einen Abschluss haben die Studenten am Ende in der Tasche? Und wird dieser in Deutschland überhaupt anerkannt?

Johannes Brachmann: Sofern unsere Studierenden alle Studienleistungen erfolgreich absolviert und auch alle Prüfungen bestanden haben, bekommen sie durch die Universität Split den kroatischen Abschluss "Doktor/Doktorica Medicine" bzw. "Medical Doctor, MD" verliehen. Dieser Abschluss ist EU-weit anerkannt. In Deutschland muss dann lediglich die Approbation, also die Erlaubnis zur Ausübung des ärztlichen Berufes, beantragt werden. Für Oberfranken ist hierfür zum Beispiel die Regierung von Oberbayern zuständig, für Südthüringen das Thüringer Landesverwaltungsamt. Dies ist aber lediglich eine Formalie.

Soweit die Theorie - aber wie stellt sich das Studium aus Sicht einer Studentin dar? Wie sind Sie dazu gekommen und vor allem: Haben Sie sich das Ganze so vorgestellt?

Mariella Zuber (MSR-Studentin): Mein Vater leitet eine eigene Landarztpraxis im Itzgrund, somit bin ich quasi schon von Kindesbeinen an in den Arztberuf hineingewachsen. Durch den Numerus clausus ist es aber sehr schwer, ohne jahrelange Wartezeit einen Studienplatz in Deutschland zu bekommen. Darum habe ich nach einem anderen Weg gesucht und dabei von dem tollen Projekt "Medical School Regiomed" erfahren. Dadurch dass die Jahrgänge klein gehalten sind, gibt es unter den Studenten ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das man so an großen Universitäten mit Hunderten von Studenten vergeblich sucht. Nun sind meine ersten drei Studienjahre fast vorbei und ich werde Split mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen. Es war eine wundervolle Zeit, die ich nie vergessen werde. Dennoch freue ich mich schon sehr auf die klinische Weiterbildung an den Regiomed-Kliniken und darauf, endlich mein theoretisches Wissen in der Praxis anwenden zu können.

Und wie lebt es sich in Split?

Dorothea Thieme: Die Lebensqualität in Split ist sehr hoch. Dazu tragen vor allem das mediterrane Klima, die Nähe zum Meer und vielen Stränden, aber auch das quirlige Stadt- und Nachtleben bei. In der Regel suchen sich unsere Studierenden dort eigene Wohnungen oder finden sich zu einer WG zusammen. Bis jetzt waren alle unsere Studierenden sehr begeistert von der Stadt und den gastfreundlichen Menschen dort.

Am 15. Juli endet die Bewerbungsfrist für den neuen Studienjahrgang. Wie läuft nach einer Bewerbung das Auswahlprozedere ab?

Dorothea Thieme: Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, dass das Auswahlverfahren für das Studienprogramm komplett bei Regiomed liegt. Daher bevorzugen wir natürlich Bewerber aus unserer Region, die heimatnah studieren möchten. Hinzu kommen Kandidaten aus anderen Regionen, die perspektivisch als Ärztin/Arzt im ländlichen Raum arbeiten möchten. Nach Einreichen der schriftlichen Unterlagen wie Zeugnisse, Lebenslauf und Motivationsschreiben durchlaufen die besten 60 Bewerber unsere Auswahltage vor Ort bei Regiomed. Hier werden sie sowohl in Gruppenübungen als auch in Einzelinterviews durch ein Auswahlgremium bewertet. Den besten 30 Bewerbern aus diesen Auswahltagen bieten wir einen Studienplatz an der MSR an. Übrigens sind mit "die Besten" nicht unbedingt diejenigen Bewerber mit den besten Schulnoten gemeint. Wir betrachten insbesondere auch medizinische Vorerfahrungen wie zum Beispiel eine abgeschlossene Ausbildung im medizinischen Bereich, ehrenamtliches oder soziales Engagement sowie die persönliche Eignung und Motivation der Kandidaten. Uns ist es wichtig, teamfähige, engagierte und sozial kompetente zukünftige Ärztinnen und Ärzte für die Region zu gewinnen.

Die Fragen stellte Melanie Gottschild.