Sechs Besitzer von historischen Gebäuden in Coburg können sich über Urkunden und Medaillen für die "vorbildliche Sanierung" ihrer Immobilien freuen. Der Bau- und Umweltsenat folgte am Mittwoch einstimmig den Vorschlägen der Bauverwaltung und würdigte so die Anstrengungen und Kosten, die für die Verschönerung des Stadtbildes sorgen. Einige der Häuser und Gebäude hat schon der Verein Stadtbild Coburg ausgezeichnet und so die Fassadensanierungen mit Zuschüssen belohnt.

Urkunden gibt es für die Häuser in der Seidmannsdorfer Straße 22, den Hexenturm (Ernstplatz 12) und das Eckhaus in der Pfarrgasse 1 gegenüber dem Gymnasium Casimirianum. Medaillen vergab der Senat an das Altstadthaus in der Oberen Salvatorgasse 1, das Wohnhaus in der Alexandrinenstraße 2 und für die Komplettsanierung der katholischen Kirche St. Augustin.


Etwas versteckt

Hinter Bäumen nahezu versteckt ist die Villa aus dem Jahr 1907 in der Seidmannsdorfer Straße 22. Fassade, Dach und Sockel der zweigeschossigen Villa mit Satteldach und Ziergiebel sind in der Vergangenheit aufwendig saniert worden. Weiter hat das reich verzierte Gebäude einen Obergeschosserker und Eckturm im geometrischen Jugendstil. Auffällig ist das monumentale Gartenportal.

Bekannt ist der Hexenturm am Ernstplatz 12. Der runde Turm mit seinen drei Geschossen wurde um 1200 aus Sandsteinquadern errichtet und 1610 zum Hexengefängnis umgebaut. Das ist eine der ganz dunklen Seiten in der Coburger Geschichte. In den nachfolgenden Jahrhunderten erfuhr der Hexenturm 1862 einen Umbau zum neugotischen Stil, auch später waren die Bauleute immer wieder tätig. Die Bronzefigur "Heimkehr" vor dem Gebäude von Ferdinand Lepcke stammt aus dem Jahr 1908.


Spätmittelalterlicher Kern

Fassade, Dach und Fenster des Hauses Pfarrgasse 1 sind von den Besitzern saniert worden. Im Kern stammt das spätmittelalterliche Gebäude aus dem 16./17.Jahrhundert, das Fachwerkobergeschoss ragt in die Gasse hinein.

Nahezu als Ruine zeigte sich das Haus in der Oberen Salvatorgasse 1: Die Statik dieses typischen Handwerkerhauses war vor der Sanierung kaum mehr gegeben, der Verfall schon weit fortgeschritten. Nun aber entstanden zwei klitzekleine Wohnungen mit niedrigen Raumhöhen und steilen engen Treppen. Dafür aber mit ganz eigenem Charakter und großem Wohlfühl-Gefühl. Bei der Besichtigung teilte sich der Bausenat in Zweiergrüppchen auf - mehr ließ der Platz nicht zu. Für die Liebe und den immensen Aufwand für ein historisches Haus vergab der Bausenat eine Sanierungsmedaille.


Historisierender Jugendstil

Die Villa in der Alexandrinenstraße 2 wurde 1903 von Otto Leheis gebaut. Das Obergeschoss ist als Fachwerk ausgeführt, Erkertürmchen markieren den historisierenden Jugendstil. Aktuell präsentiert sich die Villa mit großzügigen sanierten Wohnungen sowie renovierter Fassade. Der Besitzer erhält dafür eine Sanierungsmedaille.


Tragisches Ende

Bauunternehmer Otto Leheis ging 1892 nach Coburg, wo er ein Architekturbüro und Baugeschäft eröffnete, das er mit einem Steinbruch in Weißenbrunn am Forst sowie 1902 mit einem Säge- und Hobelwerk ergänzte. Er machte sich in dieser Zeit rasch einen Namen als Immobilienspekulant, da er etwa 30 Wohnhäuser meistens auf eigene Rechnung errichtete, um sie nach der Fertigstellung gewinnbringend zu verkaufen. Er errichtete in der Alexandrinen- und Marienstraße nebeneinander Bauten. 1903 schuf er das Sonnenhaus in der Alexandrinenstraße 4, das einzige Bauwerk Coburgs, das in der floralen beziehungsweise vegetabilen Jugendstilrichtung gestaltet wurde. Trotz seiner genialen Planfertigkeiten versagte Leheis als Kaufmann. 1907 verließ er mittellos Coburg. 1921 fand man den völlig verarmten Leheis tot am Wüstendittersdorfer Bahnhaltepunkt.
Auch die komplett sanierte katholische Kirche St. Augustin ist der Stadt eine Sanierungsmedaille wert. Fünf Jahre lang, von 1855 bis 1860, betrug die Bauzeit. Im Zuge der Sanierung entstand eine neue moderne Kapelle, deren Wand sich öffnen lässt, so dass Gottesdienste auf dem Platz neben der Kirche gefeiert werden können.
Die Urkunden und Medaillen werden bei einer kommenden Veranstaltung des Vereins Stadtbild Coburg im Hexenturm an die Eigentümer der Gebäude überreicht.