Viel ist noch nicht erreicht: Nächste Woche sollen die Arbeiten an der Treppe fortgesetzt werden, die den künftigen Parkplatz direkt mit dem Fußgängertunnel unter den Gleisen zum Bahnhof verbinden soll. Demnächst ausgeschrieben werden die Arbeiten für den Parkplatz selbst. Der Stadtrat musste am Donnerstag zusätzliches Geld bereitstellen, weil noch einmal umgeplant wurde und andere Dinge teurer werden als erwartet. Allein rund eine halbe Million Euro mehr kostet es, den Platz zu asphaltieren anstatt ihn, wie zunächst geplant, nur zu schottern. 1,3 Millionen Euro netto kosten Parkplatz, Treppe und die Versetzung eines Oberleitungsmastes. Die BahnPark, die den Parkplatz dann betreiben wird, übernimmt 320 000 Euro davon. Die Stadt muss 660 000 Euro mehr einplanen als bisher.

Karl Baiers Geschichte beginn im Jahr 2012, "als wir mit dem Umfeld des Bahnhofs fertig waren". Schon damals habe sich die Stadt Coburg bemüht, dafür zu sorgen, dass rechtzeitig zum ICE-Start 2017 eine Parkmöglichkeit für Bahnkunden am Bahnhof zur Verfügung stehe, sagt der Stadtbauamtsleiter.

Fast eine halbe Stunde lang trägt Baier vor, was wann mit wem von einer der beteiligten Bahn-Tochtergesellschaften besprochen wurde. 2014 teilte die Bahn jedenfalls mit, dass sie die vorgesehene Fläche nördlich des Bahnhofsgebäudes an der Lossaustraße nicht zur Verfügung stellen könne. Einige Monate später bot die Bahn die Fläche an der Adamistraße an, die von der Abfahrt von der B4 zur Callenberger Straße her erreichbar ist.

Allerdings gab es da schon einige Auflagen: Die Oberleitungsmasten mussten so gesichert werden, dass kein Fahrzeug dagegen prallen kann, den früheren Treppenabgang vom Gleis 6 direkt zum Tunnel unter den Gleisen musste die Stadt auf eigene Kosten untersuchen und wiederherstellen lassen.

Dann geschah erst mal nichts; erst 2016 stimmte die Bahn der Erkundung des Treppenabgangs zu. Denn vorher liefen noch eigene Bauarbeiten; damit das Grundstück Adamistraße nicht blockiert würde, stellte die Stadt der Bahn Flächen am Güterbahnhof für die Ablagerung von Material zur Verfügung.

Im September 2016 schien es, als sei ein Durchbruch geschafft: Die Wiederherstellung des Treppenaufgangs auf Stadtkosten ist möglich; die DB BahnPark war bereit, den Parkplatz zu übernehmen. Die Stadt machte den Plan und erteilte (nach entsprechender Absprache mit dem Eisenbahnbundesamt) die Baugenehmigung.

Alles schien gut, bis am 1. März 2017 eine E-Mail eintraf, dass kein Fahrzeugverkehr unter den Oberleitungen stattfinden dürfe. Der Mast müsse versetzt werden. Allein das, so Baier, sollte zunächst 400000 Euro kosten - plus der ebenfalls 400000 Euro für den Parkplatzbau und noch mal 400000 Euro für den Treppenaufgang.

Es gab einen Brief an den DB-Konzernbevollmächtigten für Bayern, Klaus-Dieter Josel, ein Spitzengespräch in Coburg, die Zusage, man werde sich kümmern und im Anschluss wöchentliche Telefonkonferenzen. "In der achten Woche waren wir weiter zurück als in der ersten", seufzt Baier. Beim Thema Mastversetzen gab es immer wieder neue Erkenntnisse. Erst nach einem weiteren Brief an Josel gab es zumindest hier Klarheit: Den Mast zu versetzen würde 110000 Euro kosten. Die Stadt sagte zu, dass sie den Parkplatz auf ihre Kosten bauen würde; die DB BahnPark versprach eine Beteiligung von 250000 Euro für den Platz und 70000 Euro für den Masten. Baier: "Im Oktober 2017 hatten wir endlich eine Baugenehmigung und endlich einen Partner, der den Platz betreibt."

Am 10. Dezember sollte der erste fahrplanmäßige ICE ab Coburg fahren. Doch der Parkplatz ist immer noch nicht fertig, obwohl im November 2017 der Bauauftrag vergeben wurde. Nun hakt es an Freigaben für die Bau-Ausführungspläne seitens der Bahn, zum Beispiel für die Erdung der Treppe vom Parkplatz in die Unterführung. "Seit Februar haben wir darauf gewartet", sagt Baier. Seit 13. April liegt diese Freigabe vor; nächste Woche soll der Treppenbau beginnen. Denn die beauftragte Baufirma hat zwischenzeitlich ihre Arbeiter anderweitig eingesetzt.

Für den Parkplatz fehlt die Freigabe noch, nachdem im Winter umgeplant wurde. Erst war vorgesehen, die Fläche nur mit Schotter zu befestigen; doch nun soll asphaltiert werden. Denn bei Nässe und Schnee sei es dort zu schmutzig, sagt Baier.

Immerhin habe die Bahn nun zugesagt, dass sie die dort lagernden Altmaterialien bis Mitte Mai abtransportieren will. Die Stadt hütete sich, das selbst zu tun - "es ist nicht unser Grundstück, die Sachen gehören uns nicht uns sind möglicherweise kontaminiert", sagt Karl Baier.
"Das versteht kein Mensch", kommentiert Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) diese Geschichte. Er ärgert sich noch über ein paar weitere Dinge: Dass die Bahn die Aufzüge zu den Bahngleisen nicht zum Laufen bringt. Oder dass angekündigt wurde, dass der neue ICE Berlin-Wien ab Dezember über Coburg fährt. Damit entfällt dann eine der drei täglichen Direktverbindungen nach München.