Die Badesaison 2020 findet ohne das neue Naturbad "Autilus" in Autenhausen statt. Das Bad könnte zwar voraussichtlich ab 6. August in Betrieb gehen und auch ein Bademeister wurde inzwischen gefunden. Doch waren sich die Seßlacher Stadträte bei ihrer Sitzung am Dienstagabend in der Turnhalle der Grund- und Mittelschule einig, dass der Aufwand angesichts der strengen Corona-bedingten Hygieneauflagen für nur drei bis vier Badewochen zu groß wäre. "Es dürften nur vier Leute gleichzeitig ins Becken. Wollen wir das?", fragte Bürgermeister Maximilian Neeb (FW) in die Runde.

"Einiges bewegt"

Am Vorabend hatten sich Mitglieder des Gremiums vor Ort ein Bild gemacht und mit den ehrenamtlichen Kräften vom Förderverein Freizeitanlage Autenhausen gesprochen. "Der Aufwand steht in keinem Verhältnis", fasste es Carsten Höllein (SPD) zusammen. Ein Start mit starken Einschränkungen statt einer euphorisch bejubelten Eröffnung - das konnten sich auch seine Stadtratskollegen nicht vorstellen. Und dieser Beginn würde auch dem erfolgreichen Projekt nicht gerecht, hieß es weiter. Neeb lobte: "Es wurde einiges dort bewegt in den letzten Jahren, alle ziehen an einem Strang." Nach allen Abwägungen - Hygienevorgaben, Fertigstellung, Inbetriebnahme und ausstehender Abschluss der Rettungsschwimmerausbildung - stimmten alle Anwesenden folgendem Ablauf zu: Das Bad soll 2020 komplett baulich fertiggestellt sowie im Probetrieb getestet werden und dann zum 1. Mai 2021 öffnen. Diese Entscheidung fiel im Einvernehmen mit dem Vorstand des Fördervereins.

Abgesegnet wurden auch die neuen vom Tourismus-Ausschuss vorberatenen Eintrittspreise für das Freibad. Kinder unter sechs Jahren sind frei, von sechs bis 16 Jahren zahlen sie 1,50 Euro (Zehnerkarte 12,50 Euro, Jahreskarte 35 Euro). Für Erwachsene beträgt der Eintritt 3 Euro (Zehnerkarte 25 Euro, Jahreskarte 70 Euro) und für Familien (zwei Erwachsene plus Kinder unter 16 Jahren) 8,50 Euro (Jahreskarte 120 Euro).

Ein Fehlbetrag von 71200 Euro

Eingangs beschäftigten viele finanzielle Themen die Stadträte. Zunächst berichtete Kämmerer Fabian Leppert über den Verlauf des Haushaltsjahres. Im Verwaltungshaushalt erwartet er Mindereinnahmen in Höhe von 39000 Euro. Um diesen Betrag würde sich die Zuführung zum Vermögenshaushalt reduzieren. Jener droht - wenn die anderen Ansätze passen -, einen Fehlbetrag von 71200 Euro aufzuweisen.

"Die zu erwartenden Mindereinnahmen und Mehrausgaben können voraussichtlich nicht vollständig durch Mehreinnahmen und Minderausgaben ausgeglichen werden", prognostizierte Leppert. Als "größte Unbekannte" bezeichnete der Kämmerer die Entwicklung der Gewerbesteuer - auch Corona-bedingt - sowie die angekündigten, aber noch nicht bezifferten Kompensationszahlungen von Bund und Land. Für Mitte August seien hier Gespräche geplant, informierte MdL Martin Mittag (CSU).

Leppert hoffte, konkrete Zahlen für den Nachtragshaushalt einplanen zu können. Während vor allem bei der Baumaßnahme am Hattersdorfer Tor wohl "mit erheblichen Mehrkosten" zu rechnen sei, könnten andere Baumaßnahmen 2020 noch nicht angegangen werden und so den laufenden Haushalt entlasten. Der Kämmerer hielt es damit für möglich, eine Neuverschuldung zu vermeiden.