Ein junges Mädchen hat am Sonntag beim Spaziergang mit ihrer Mutter in einem Waldstück bei Weidhausen einen tierischen Fund gemacht - und mit ihrem aufmerksamen Verhalten einer Kornnatter vermutlich das Leben gerettet.

Das Mädchen entdeckte auf dem Waldboden das etwa 90 Zentimeter lange Tier, das einen geschwächten und stark dehydrierten Eindruck machte. Angela Sporniak, Vorsitzende des Coburger Tierschutzvereins, berichtet, das Mädchen habe direkt seiner Mutter gesagt, dass die Schlange wohl Hilfe benötige und sie jemanden anrufen müssten.

Mutter und Tochter verständigten die Feuerwehr Weidhausen, die wiederum den Schlangenexperten Christian Kirchner alarmierte. "Wie lange die etwa fünf oder sechs Jahre alte Schlange schon im Wald war, ist schwer zu sagen. Die Kornnatter hätte eine weitere Nacht wahrscheinlich aber nicht mehr überlebt", glaubt der Experte. "Man kann also sagen, dass die Kornnatter einen Schutzengel in Person des Mädchens hatte."

Die "große Schwester" der heimischen Ringelnatter kann ausgewachsen bis zu 1,40 Meter lang werden. Trotz ihrer auffälligen rot-gelben Musterung sei die Kornnatter für den Menschen ungefährlich. "Sie kann zwar beißen, gilt aber nicht als aggressiv." Der Experte geht davon aus, dass jemand das Tier ausgesetzt haben muss. Kornnattern sind ein wärmeres Klima als in Deutschland gewohnt, kommen eigentlich eher im nordamerikanischen Raum.

Schlangenliebhaber können Kornnattern jedoch in örtlichen Tierhandlungen kaufen. Dass die Schlange ausgebüxt ist, glaubt der 50-Jährige nicht. Das passiere eigentlich nur, wenn die Schlange noch kleiner ist und sich durch schmale Schlitze des Terrariums zwängt. Dass das 90 Zentimeter große Exemplar aus Terrarium und Wohnung abgehauen und in den Wald gekrochen ist, glaubt Christian Kirchner nicht.

Inzwischen ist die Kornnatter bei Familie Kirchner zuhause, wo sie aufgepäppelt wird. "Das Wichtigste ist jetzt Wärme und vor allem Feuchtigkeit." Bei kuschligen 28 Grad darf sich die Kornnatter im Terrarium bei den Kirchners erholen, der Moosboden wird mehrmals am Tag mit lauwarmen Wasser eingesprüht, das die Schlange unter anderem über die Haut aufnehmen kann.

Erst in zwei Wochen, schätzt Christian Kirchner, könne man der Schlange wieder feste Nahrung in Form einer kleinen Maus anbieten. Aktuell könne sie feste Nahrung nicht verdauen - die Maus würde laut dem Experten in ihrem Magen verwesen, was zum Tod der Schlange führen würde.

Was passiert mit der Kornnatter, wenn sie wieder bei Kräften ist? "Entweder wir vermitteln sie in gute Hände - oder wir behalten sie selbst."