Wer die Treppen in den zweiten Stock der Ehrenburg erklimmt, wandelt auf den Spuren von vielen wichtigen Persönlichkeiten der letzten Jahrhunderte. Heute schreiten jedoch nicht mehr Monarchen, sondern vor allem warm bekleidete Besucher durch die imposanten Räume des Schlosses und bewundern die geschichtsträchtigen Gemälde, Säle und Möbel.

Ab nächster Woche Samstag, 14. März, können Besucher neben der klassischen Besichtigung außerdem an der neuen Themenführung "Coburg in Europa" teilnehmen und erfahren, welche dynastischen Verbindungen das Haus Sachsen-Coburg hatte.

Die Führungen übernimmt Franziska Bartl von der Bayerischen Schlösserverwaltung. "Die allgemeinen Standardführungen sind nicht so tiefgehend", erklärt sie, "hier können wir auf bestimmte Themen eingehen." Die Themenveranstaltungen im letzten Jahr widmeten sich natürlich Albert und Victoria, doch jetzt wird ein genauerer Blick auf die dynastischen Beziehungsgeflechte geworfen - die natürlich auch stark mit dem damaligen Heiratsmarkt zusammenhingen.

Aber selbstverständlich geht es nicht nur um Liebesgeschichten, sondern auch um politische Entwicklungen - und Skandale. Coburg habe schließlich in den letzten Jahrhunderten eine wichtige Rolle in Europa gespielt und viele internationale Vernetzungen gehabt, erklärt die Schlossführerin.

Kronprinz Rudolf von Österreich-Ungarn - Sohn von Kaiser Franz Joseph I. und Elisabeth - war beispielsweise eng befreundet mit Prinz Philipp von Sachsen-Coburg und Gotha. Doch 1889 nahm sich Rudolf bei einem Doppelselbstmord gemeinsam mit seiner Freundin das Leben. Philipp fand ihn, musste jedoch Stillschweigen über die sogenannte "Mayerling-Affäre" bewahren. "So wurde ein Coburger Prinz zum Geheimnisträger des Habsburger Hauses", erklärt Bartl.

Franziska Bartl kennt viele solcher Geschichten, liest aus Briefen und Tagebucheinträgen von Zeitzeugen vor und zeigt Fotos, Zeichnungen und Zeitungsartikel. Sie selbst ist besonders fasziniert von der Verbindung zu Russland und interessiert sich für die Zarenfamilie Romanov, die ebenfalls eine Rolle in der Führung spielen wird.

Doch die neue Auswahl der Themen basiert natürlich nicht nur auf persönlichem Interesse: "Vieles wird in den Standardführungen nachgefragt", erklärt sie, "die Besucher wollen mehr über die Hintergründe erfahren und das bieten wir ihnen hier."

Premiere ist am 14. März

Termine Die neue Führung "Coburg in Europa. Die dynastischen Verbindungen des Hauses Sachsen-Coburg" findet statt am Samstag, 14. März, Samstag 13. Juni, Freitag 18. September, jeweils um 18 Uhr und am Samstag 24. Oktober um 16 Uhr.

Teilnahme Die Teilnahme kostet 2 Euro zusätzlich zum regulären Eintritt in die Ehrenburg. Treffpunkt ist an der Kasse.

Anmeldung Ein Anmeldung ist erforderlich und dienstags bis sonntags telefonisch unter 09561 808832 möglich oder per E-Mail an schlossbetriebsdienst@bsv-bayern.de. Es können maximal 30 Personen pro Gruppe teilnehmen. Am Samstag 14. März um 18 Uhr findet die "Coburg in Europa"-Führung das erste Mal statt.