Athletische Fertigkeiten standen auf dem "Einkaufszettel" von Ulf Schabacker, dem neuen Headcoach des BBC Coburg, vor der sommerlichen Transferperiode ganz weit oben. Entsprechend enthusiastisch kommentiert der erfahrene "Trainerfuchs" die Verpflichtung des französischen Guards Kevin Franceschi, die sein Klub in trockene Tücher brachte.
"Kevin ist ein extrem schneller, explosiver und sprungstarker Spieler. Er vereint alle Fähigkeiten, die einen modernen Guard auszeichnen, und kann von Position eins bis drei offensiv wie defensiv alle Spots abdecken."
Der Neuzugang selbst, der zuletzt für CB Myrtia in der spanischen LEB Silver (3. Liga) auf Korbjagd ging, sieht es ähnlich: "Zu Beginn meiner Karriere habe ich hauptsächlich auf dem Flügel gespielt, aber in den letzten Jahren orientiere ich mich mehr und mehr auch in Richtung Spielaufbau."


Aus Pariser Vorstadt Argenteuil

Besagter Karrierebeginn liegt übrigens noch gar nicht so lange zurück: Erst mit 13 wechselte Franceschi vom Fußballfeld auf die Freiplätze der Pariser Vorstadt Argenteuil, zwei Jahre später begann der mittlere von drei Brüdern mit ernsthaftem Vereinsbasketball.
"Damals habe ich angefangen, morgens um Fünf aufzustehen und verbissen an meinem Spiel zu arbeiten, um den Vorsprung der Anderen aufzuholen, die zum Teil schon zehn Jahre dabei waren. Ich war bereits 18, als ich zum ersten Mal einen Dunk hinbekommen habe. Man könnte mich also als lebenden Beweis dafür sehen, dass man sich Athletik eben doch antrainieren kann", lacht der 24-Jährige, der sich inzwischen zu einem spektakulären "Kunstflieger" entwickelt hat.
Schon früh beschäftigte sich Franceschi mit der Möglichkeit, in den Vereinigten Staaten Sport und Studium zu verbinden. Im Jahr 2013 ging es dann ans Weatherford Junior College in die texanische Provinz. "Ein immenser Kulturschock: Alles war größer, der Akzent total ungewohnt. Ich fühlte mich wie im Film, habe mich aber schnell akklimatisiert", erinnert sich Coburgs Neuzugang, der über die Stationen UMKC (NCAA Divsion 1) und Oklahoma Baptist (NCAA Division 2) sowohl zu einem Universitätsabschluss in Marketing und Management als auch zu einer Chance als Basketballprofi kam.
Den USA fühlt sich Franceschi auch heute noch stark verbunden: "Meinen Sommer verbringe ich regelmäßig bei meiner amerikanischen Gastfamilie. Ich mag die Lebensart, die Kultur - trotzdem werde ich drüben wohl immer der "Frenchie" bleiben und fühle mich nach wie vor als Franzose."
Basketballerisch möchte "Air France" die stark unterschiedlichen Spielstile zu einem stimmigen Gesamtpaket vereinen: "Der Basketball in den Staaten ist geprägt von Geschwindigkeit und Intensität. In Europa kommt es mehr darauf an, das Spiel lesen zu können. Meine erste Profisaison in Spanien hat mir enorm dabei geholfen, auf dem Gebiet besser zu werden."


14,8 Punkte im Schnitt

In der Großstadt Murcia lief es zunächst richtig rund für den Rookie: 14,8 Punkte im Schnitt in den ersten sechs Partien deuteten auf einen Saisonverlauf hin, der Franceschi außerhalb der Reichweite des BBC COBURG katapultiert hätte. Ein Trainerwechsel jedoch verringerte die Spielzeit des Guards erheblich, am Ende landete er bei 9,8 Zählern und 2,9 Abprallern:
"Eine wertvolle Erfahrung, denn als Profi kommt man immer wieder in Situationen, die man selbst nicht kontrollieren kann und man muss versuchen, das Beste daraus zu machen."
Mit dieser Einstellung kommt Franceschi auch nach Oberfranken und freut sich vor allem auf die Atmosphäre in der HUK-Coburg Arena: "Ich liebe es mit den Fans zu interagieren, der Kontakt zu Menschen wird mir niemals zu viel. Die Coburger Anhänger scheinen für lautstarken und beständigen Support bekannt zu sein - wir werden uns gut verstehen."
Die Vestestadt kann sich also ab Anfang August auf Höhenflüge von "Air France" freuen. Dann nämlich wird Kevin Franceschi mit der gleichnamigen Fluggesellschaft in Nürnberg einschweben. Die Vorfreude vergrößern kann ein Blick auf die Highlight-Clips des Spielers im Internet auf youtube.

Sanfort verlässt BBC

Die Verpflichtung von Kevin Franceschi bedeutet gleichzeitig, dass Byron Sanford zumindest in der kommenden Saison nicht mehr im Trikot des BBC Coburg auflaufen wird. Der US-Guard fällt in erster Linie der neuen Regelung der 2. Basketball Bundesliga zum Opfer, wonach jedes ProB-Team in sämtlichen Partien nur noch einen Nicht-EU-Ausländer einsetzen darf.
Der BBC bedankt sich beim sympathischen Aufbauspieler für seine starken Leistungen vor allem in der zweiten Saisonhälfte beim Kampf um den Klassenerhalt. Unvergessen bleiben wird seine 40-Punkte-Gala beim Heimsieg gegen den späteren Meister aus Elchingen. Insgesamt kam Sanford, der sich derzeit noch auf Vereinssuche befindet, in Coburg auf 12,0 Punkte, 4,7 Rebounds, 2,3 Assists und 1,3 Ballgewinne pro Begegnung.


Das bisheriger BBC-Aufgebot

Der Spielerkader des BBC Coburg: Eividas Molosciakas, Yasin Turan, Christoph Bauer (alle PG), Kevin Franceschi (SG/PG), Daniel Krause (SG/SF), Matthias Fichtner (SF/PF), Christopher Wolf (PF), Max von der Wippel (C).