Welche Auswirkungen hat die 5. Generation der Mobilfunktechnik (5G) auf den Menschen? Diese Frage sollte im Rahmen einer virtuellen Bürgerversammlung in Bad Rodach geklärt werden.

Hintergrund der Veranstaltung war, dass in den Bereichen Mährenhausen und Grattstadt je ein Funkmast aufgestellt werden soll, um eine deutliche Verbesserung im Bereich des Mobilfunks zu erreichen. Bei Gesprächen zu diesem Thema spürte Bürgermeister Tobias Ehrlicher (SPD) immer wieder Vorbehalte gegenüber der 5G-Technik. Für Ehrlicher war es das erklärte Ziel, eine umfangreiche Aufklärungsarbeit zu leisten. Als Experten zu diesem Thema wurden daher Thomas Kurz (Landesamt für Umwelt) sowie die Vertreter der beiden Funkmastbetreiber Christian Schilling (Vodafone) und Thomas Lichtenberger (Telefonica) zugeschaltet.

Die Quintessenz des Abends lässt sich so zusammenfassen: 5G ist das Gleiche wie die derzeitige 4G-Technik, nur anders. Thomas Kurz machte klar, dass es bei der Auswertung der Emissionen um zwei Parameter gehe: Sendeleistung und Frequenz. Bei der 5G-Technologie ändert sich nach seinen Worten hier nichts. Wenn es um die Gesundheit gehe, stehe demnach die thermische Belastung für den Menschen im Fokus. Thomas Kurz hielt fest: "Auch nach 20 Jahren Forschung gibt es keinerlei Belege darüber, dass die anerkannten gesetzlichen Strahlungsgrenzwerte nicht ausreichend sind."

"Am Fußpunkt eines Mastes passiert gar nichts"

Nachdem sich die Funkwellen eines Sendemastes nicht wie die das Licht einer Glühbirne gleichmäßig in alle Richtungen verteilten, sondern eher mit der Strahlung eines Leuchtturms zu vergleichen seien, entstehe nur in einem Abstand von etwa 20 Metern horizontal und vier bis fünf Metern vertikal ab der Sendeanlage ein "roter Bereich", der für Menschen gesundheitsschädlich werden könne. "Sie können am Fußpunkt eines Mastes vorbeilaufen, da passiert gar nichts", betonte Thomas Kurz. Zusammenfassend stellte er eindeutig fest: " 5G hat auf die Emissionen keine Relevanz."

Es war klar, dass Bürger fragten, wo der Nutzen von 5G liege. Hierzu erläuterte Christian Schilling, es sei die Kunst der Mobilfunktechnik, die zur Verfügung stehenden Frequenzen so zu nutzen, dass mehr Daten schneller auf der gleichen "Welle" übertragen werden können. "Das kann 5G", erklärte Schilling und malte in bunten Farben, was durch die neue Technologie theoretisch alles möglich sei. Thomas Lichtenberger ergänzte: "Wir können bei gleichem Aufwand eine wesentlich bessere Datenübertragung erzeugen."

Handy am Körper strahlt viel mehr

Nachdem die Experten mit ihre Informationen abgeschlossen hatten, kamen die Gäste der etwas anderen Bürgerversammlung zu Wort. Barbara Hager wollte noch einmal über gesundheitliche Auswirkungen sprechen. Auf die Frage, welche Gefahren von einem Funkmast ausgehen, erklärte Thomas Kurz, dass ein Handynutzer, der das Gerät am Körper trägt, einer wesentlich höheren Strahlung ausgesetzt sei als von einem Funkmast.

Auf Nachfrage von Wibke Langguth berichtete Thomas Kurz, dass die Strahlungsgrenzwerte 1996 gesetzlich festgelegt und seither nicht mehr verändert worden seien. "Wenn überhaupt, werden diese nach unten und nicht nach oben verschoben", sagte Kurz.

Und was ist dem CO2-Ausstoß?

Welche Auswirkungen 5G auf den Klimawandel habe, wollte Anna von Butler wissen. Auch hier konnte Thomas Lichtenberger eine eindeutige Entwarnung geben. Einer Studie des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2020 zufolge sorge 5G für eine deutliche Kohlendioxideinsparung, erklärte Lichtenberger. Demnach betrage die rechnerische Treibhausemission pro Stunde Videostreaming bei 5G fünf Gramm CO2e (CO2e ist eine Maßeinheit, die den Effekt aller Treibhausgase aufs Klima vergleichbar machen will). Bei der derzeitigen Technik 4G würden 13 Gramm CO2e ausgestoßen. UMTS (3G) verursache 90 Gramm CO2e.

Braucht man für 5G neue Endgeräte?

"Muss man sich entsprechende Geräte anschaffen, um 5G nutzen zu können?", fragten einige der online Versammelten. Die Mobilfunkbetreiber unterstrichen, dass die Handynutzer keinesfalls gezwungen seien, sich auf Grund der 5G Technik neue Geräte anzuschaffen. "Wenn Bürger noch 2G-Telefone aus den frühen 90er-Jahren haben, können sie diese auch weiterhin nutzen", erklärte Christian Schilling. Simone Wohnig brachte ihre Sorge zum Ausdruck, dass durch die Anschaffung neuer 5G-fähiger Handys viel Elektroschrott anfalle und weitere Ressourcen verbraucht würden. Christian Schilling erläuterte, dass Altgeräte durchaus in größerer Stückzahl recycelt würden.

Deutlich wurde bei der Versammlung, an der über 40 Bürger teilnahmen, dass ohne staatliche Förderungen das Gebiet Mährenhausen, Sülzfeld, Niederndorf, Carlshan und Gauerstadt ein weißer Fleck in puncto Mobilfunk geblieben wäre.

Aus wirtschaftlichen Gründen hatten sämtliche Mobilfunkbetreiber Abstand davon genommen, einen Mast eigenwirtschaftlich zu installieren. So hat sich die Stadt der Sache angenommen. Bürgermeister Ehrlicher rechnet mit Gesamtkosten von etwa 500000 Euro, die mit 90 Prozent gefördert würden. Der Funkmast wird über sieben Jahre an Vodafone vermietet.

Anders in Grattstadt. Hier baut Telefonica den Funkmast in Eigenregie. Beide Betreiber betonten, dass die Masten auch von anderen Netzbetreibern mit genutzt werden könnten. Bis es so weit ist, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Tobias Ehrlicher geht davon aus, dass die Funkmasten Ende 2023 ihren Betrieb aufnehmen können. Das Ziel, das er sich mit der virtuellen Bürgerversammlung gesteckt habe, sei jedenfalls erreicht worden, sagte Ehrlicher Bürgermeister und betonte: "Wir können als Resümee festhalten, dass sich die Bürger in den betroffenen Gebieten keine Sorgen um ihre Gesundheit macht müssen."