Eine Frau, jung, brünett, tot; angeblich erstickt bei Sexspielen mit dem Freund. Spaziergänger entdecken die Leiche in einem Steinbruch nahe Löbau (Kreis Görlitz) - nackt und nach Mafiamanier bis zur Körperhälfte einbetoniert in einem Fass. Die Tote: eine gewisse Yvonne Menzel, gestorben am 20. August 2009.

Was das alles mit dem Fall der Peggy K. aus Lichtenberg zu tun hat? Yvonne Menzel ist Peggy K.! Das behauptet Hans-Werner Lange. Der Regensburger, einst Banker, jetzt Journalist und Autor, ist seit dem Verschwinden der Neunjährigen vor fast genau zwölf Jahren in das Mysterium Peggy eingetaucht. Das hat einen handfesten persönlichen Grund, wie er bekundet: "Man hat versucht, mich als Verdächtigen hinzustellen. Und der, der das versucht hat, steht bei mir auf der Liste der Verdächtigen im Fall Peggy selber ganz oben."

Ein mysteriöser Einbruch

Lange berichtet im Internet unter www.justizversagen.de von einem versuchten Einbruch in seinem Regensburger Büro. "Fünf Tage, nachdem Peggy verschwand, hat jemand ein Fenster aufgehebelt, aber nichts entwendet, sondern was hinterlegt: eine Jacke, blau, für Kinder." Der verhinderte Eindringling flüchtet. "Er kam nicht rein, das Fenster war gesichert." Lange, der vorher als Bankvorstand in Sachsen arbeitete, mutmaßt, dass ihn der Einbrecher belasten wollte. "Er hatte mich wegen einer anderen Angelegenheit auf dem Kieker." Die Angelegenheit bezieht sich auf das Auto des mutmaßlichen Einbrechers: ein seltenes rotes Mercedes-Cabrio, tschechisches Kennzeichen. In exakt diesen Wagen soll Peggy an jenem 7. Mai 2001, dem Tag ihres Verschwindens, eingestiegen sein. Das sagen auch Lichtenberger Bürger aus, die nicht an einen Mörder Ulvi K. glauben. "Es gibt zwei Jungs, die beschwören das. Und ich kann beweisen, dass der, der bei mir einbrechen wollte, dieses Auto fuhr. Und er weiß, dass ich das weiß."

Vor dem Hintergrund schloss Lange damals sofort darauf, dass die Jacke in seinem Keller mit Peggy zu tun haben müsse. "Ich habe die Jacke nicht angefasst und der Polizei übergeben mit dem Hinweis auf meine Vermutung. Es sind ja womöglich DNA-Spuren nachweisbar. Und wenn ja, wäre es doch interessant zu erfahren, wie der Mann an das Kleidungsstück kommt, oder?", fragt Lange. Die Ermittler hätten die Jacke zwar asserviert, aber nichts unternommen. Sie gilt mittlerweile als verschollen. Ob es ein Testergebnis gibt? "Keine Ahnung."

Kein Ergebnis bringen auch Langes Versuche, bei der Staatsanwaltschaft in Görlitz einen Gen-Abgleich zwischen Peggy und besagter Yvonne Menzel anzustreben. Ein TV-Beitrag stellt für den Journalisten die Beziehung beider Personen her. "Der MDR hatte im August 2009 über den obskuren Todesfall in Löbau berichtet. Ich habe Yvonnes Foto gesehen, das strahlende Blau im Blick der getöteten Frau. Mir sprang sofort die Ähnlichkeit zu Peggy ins Auge, die damals auch um die 18 Jahre alt gewesen wäre."

Der Regensburger recherchiert und zieht das Fazit: Peggy wurde 2001 verschleppt und verkauft. "Ich vermute an eine hochrangige Justizperson im Osten". Ina Jung, Journalistin beim Bayerischen Rundfunk und Regisseurin, hat sich für ihren preisgekrönten Fernsehfilm "Das unsichtbare Mädchen" bei Langes These bedient - bis hin zum Tod des Mädchens im Steinbruch. Im Film heißt Peggy übrigens Sina und geht in einem Bordell im Osten anschaffen.

Ina Jung hat nun mit einem Buch nachgelegt und präsentiert selber einen Täter. Einen anderen zwar als Hans-Werner Lange, aber beide sind sich einig: "Ulvi K. war es definitiv nicht."