Zwar musste sich Basketball-Bundesligist Medi Bayreuth den Riesen Ludwigsburg im Play-off-Viertelfinale mit 0:3 Siegen geschlagen geben, doch das trübt nicht die starke Leistung, die das Team in dieser Saison zeigte.

"Wir waren im ersten Jahr europäisch unterwegs und sind in der Champions League unter die besten acht gekommen", fängt Trainer Raoul Korner an, die Erfolge aufzuzählen. "Wir waren im Final-Four-Turnier um den BBL-Pokal und haben relativ locker die BBL-Play-offs erreicht. Jetzt müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass wir kein Top4-Team in der Liga sind", sagte der Österreicher, der die Bayreuther in den beiden kommenden Jahren weiter trainieren wird.

"Bis vor zwei Jahren hatten wir ein Glücksgefühl, wenn wir am vorletzten Spieltag wussten, dass wir nicht mehr absteigen können", ordnet Manfred Schöttner, Gründungsmitglied des Stammvereins BBC Bayreuth und aktueller Aufsichtsratsvorsitzender von Medi Bayreuth, das Abschneiden der Bayreuther ein. "Das alles ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine geradezu unglaubliche Entwicklung. Es gibt eine Menge Clubs mit höherem Etat, die in unserer Lage glücklich wären!"


Ein eingespieltes Team

Die Bayreuther profitierten von einem eingespielten Team und einem starken Start in die Hinrunde mit vier Siegen in Folge. Erst am fünften Spieltag gab es die erste Niederlage, im Heimspiel gegen Science City Jena. Die Thüringer waren neben Bayern München und den Riesen Ludwigsburg das dritte Team, gegen das Medi in der Hinrunde sieglos blieb. In der Rückrunde mussten die Bayreuther dann ihrem straffen Programm (58 Pflichtspiele), einem vergleichsweise kleinen Kader sowie mehreren Verletzungsausfällen (Marei, Brooks, Amaize, Cox) Tribut zollen: Es folgten acht Niederlagen, wodurch Meister Brose Bamberg und die Baskets Bonn in der Tabelle an Medi vorbeizogen. Trotzdem beendeten die Bayreuther die Hauptrunde auf Tabellenplatz 6 - und erreichten damit erneut die Qualifikation für die Teilnahme an den Play-offs um die Deutsche Meisterschaft.


Debüt auf europäischer Bühne

Nach mehr als 20 Jahren kehrte mit Medi eine Bayreuther Mannschaft auf die europäische Bühne zurück - und übertraf dabei alle Erwartungen. In einer starken Hauptrundengruppe mit dem späteren Titelgewinner AEK Athen ließen die Bayreuther als Vierter unter anderem den italienischen Meister Umana Reyer Venezia und den slowenischen Rekordmeister Olimpija Ljubljana hinter sich. In den K.o.-Spielen sorgten die Bayreuther Basketballer dann für die große Überraschung, indem sie den türkischen Topverein und Titelmitfavoriten Besiktas Istanbul eliminierten. Erst in der Runde der letzten acht war Endstation. Nach einem 86:81-Hinspielsieg bei Ligakontrahent Ludwigsburg musste sich das Korner-Team in eigener Halle mit 77:89 geschlagen geben und den Schwaben den Vortritt in das Final-Turnier lassen.


Final-Four-Turnier im Pokal

Als Tabellenvierter der Bundesliga-Hinrunde war Medi Bayreuth - wie schon in der Vorsaison - zur Teilnahme an der Qualifikationsrunde um den BBL-Pokal berechtigt. Was ihnen im Januar 2017 noch verwehrt blieb, sollte diesmal klappen: Mit einem 96:74-Kantersieg bei den Skyliners Frankfurt zogen die Bayreuther in die Runde der letzten vier ein. Beim Final-Four-Turnier in Ulm erwischte die Korner-Truppe gegen Alba Berlin einen "rabenschwarzen Tag", wie es der Chefcoach ausdrückte: Medi musste sich nach einer 72:98-Klatsche von den Titelträumen verabschieden. Auch das Spiel um dem dritten Platz gegen Gastgeber Ulm ging mit 79:81 knapp verloren. Dafür wartete in Oberfranken schon der nächste Saisonhöhepunkt.


Historischer Derbysieg

Mehr als zwei Jahrzehnte mussten Bayreuths Basketball-Fans auf diesen Moment warten, am 16. Spieltag der Bundesliga-Hauptrunde war es dann im 75. Oberfrankenderby so weit: Mit 85:75 (38:36) beendeten die Bayreuther in der in dieser Saison insgesamt viermal mit 3.300 Zuschauern ausverkauften Oberfrankenhalle ihre Durststrecke gegen den zuvor meist übermächtigen Nachbarrivalen und amtierenden Meister Brose Bamberg.

"Derby-Helden" auf Bayreuther Seite waren drei Guards: Routinier John Cox kam im ersten Viertel bei einem zweistelligen Bayreuther Rückstand auf das Parkett, schickte binnen gut vier Minuten 14 fehlerfreie Punkte durch die Bamberger Reuse und leitete damit die Wende ein. Gabe York versenkte sechs Dreier und avancierte mit 23 Punkten zum Topscorer der Partie. Und Nationalspieler Bastian Doreth überzeugte einmal mehr sowohl als Antreiber als auch als Verteidiger und verzückte die Fans nach Spielende mit einer emotionalen Neujahrsansprache und seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung bis Sommer 2021.


Vier Bayreuther beim Allstar-Day

Vier Bayreuther nahmen am Allstar-Day der Bundesliga teil. Korner betreute zum zweiten Mal in Folge die Auswahl der besten, derzeit in der Bundesliga spielenden Ausländer und hatte mit Assem Marei und Nate Linhart zwei Akteure aus dem Bayreuther Kader an seiner Seite. Beim mit 132:145 unterlegenen Team National komplettierte Andreas Seiferth das Bayreuther Quartett.


Angstgegner Ludwigsburg

Die Riesen Ludwigsburg waren für Medi Bayreuth in dieser Saison eine Nummer zu groß. Im ersten Aufeinandertreffen am 13. Spieltag der Bundesliga-Hauptrunde setzte es für die Bayreuther eine deftige 47:78-Pleite. In den Viertelfinals der Champions League errangen die Bayreuther ihren einzigen Sieg gegen die Schwaben, der jedoch wertlos war, weil die Ludwigsburger das Rückspiel deutlicher gewannen und damit auch den direkten Vergleich zu ihren Gunsten drehten. Von den letzten fünf Spielen der Saison fanden gleich vier gegen die Riesen statt (einmal Hauptrunde, dreimal Play-offs) - und in allen Partien hatten die aggressiv agierenden Schwaben das bessere Ende für sich.


Kein großer personeller Umbruch

Ein kompletter Umbruch wird Medi Bayreuth auch in der kommenden Saison erspart bleiben. Mit Andreas Seiferth, Robin Amaize, Steve Wachalski und Kapitän Bastian Doreth steht bereits ein Gerüst aus deutschen Spielern unter Vertrag. Dazu kommt die Vertragsverlängerung von De'Mon Brooks. Er geht nun in die dritte Spielzeit im Bayreuther Trikot.
"Den deutschen Kern unseres Teams haben wir bereits, aber dann den wahrscheinlich über die gesamte Saison gesehen konstantesten Spieler auch noch zu halten, der in jeder Partie mit einer unfassbaren Energie aufs Feld marschiert, das ist einfach nur fantastisch!", freute sich Trainer Korner. "De'Mon ist ein ganz wichtiger und elementarer Stein dieses Teams, der sportlich und auch menschlich exzellent zu uns passt. Ich bin der Überzeugung, dass er nächste Saison nochmals einen Schritt nach vorne machen kann, und das klingt dann doch schon fast ein wenig wie eine Drohung für alle seine künftigen Gegenspieler."


Die Topwerte

Keiner nahm mehr Würfe (178:432) als US-Guard Gabe York, der dabei als Topscorer durchschnittlich 14,2 Punkte mit etwa 40-prozentiger Trefferquote erzielte - in der Champions League sogar 16,9 Punkte (46 Prozent).
Bester Rebounder war der Ägypter Assem Marei, der sich im Schnitt pro Spiel 6,5 Abpraller griff und zudem 11,6 Punkte pro Partie machte. Dreimal glückte Marei, der sowohl den besten Effizienzwert (15) als auch die beste Plus-Minus-Bilanz (+3,8) im Medi-Team verzeichnete, ein Double-Double - zweistellige Werte sowohl bei Punkten als auch bei Rebounds.
Bester Vorbereiter war US-Spielmacher James Robinson (3,5 Assists/Spiel), knapp gefolgt von Taktgeber Nate Linhart (3,4).