Im Betrugsskandal rund um die Handwerkskammer für Oberfranken hat sich die Kammer bei ihrer Aufklärungsarbeit nun eine weitere Tochter vorgenommen. Im Fokus steht laut einer Pressemitteilung der Kammer vom Dienstag nun auch das zweite Tochterunternehmen, die IFGO GmbH in Kulmbach.

Beim 1978 gegründeten Institut für Gewerbeförderung Oberfranken (IFGO) handelt es sich um eine 100-prozentige Tochter der Kammer, die in deren Auftrag Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen im kaufmännischen Bereich und in entsprechender EDV durchführt.

"Die bisherige interne Überprüfung hat ergeben, dass bis ins Jahr 2014 auch an die IFGO GmbH Zahlungen für Repräsentationskosten in Höhe von jährlich 18 000 Euro geleistet wurden", ließ HWK-Vizepräsident Matthias Graßmann mitteilen. Ob diese Sachverhalte juristisch relevant seien, sei derzeit noch offen. Zur Klärung werde der Vorstand diese Auffälligkeiten juristisch untersuchen lassen und auch bei der Staatsanwaltschaft anzeigen.

Unabhängig davon wolle der Vorstand auch für die IF GO neue Strukturen schaffen. Dazu würden beispielsweise der Gesellschaftervertrag und die bestehenden Regelungen für gegenseitige Kostenerstattungen auf den Prüfstand gestellt. Bei der IFGO soll es beispielsweise in Zukunft keinen fest installierten Beirat mehr geben.

6000 Euro pro Jahr für Eggers

Der bisherige Beirat der IFGO sah ähnlich aus wie bei der Tochter GTO, wo die Kammer-Missstände zuerst offenkundig geworden waren. Er bestand aus dem früheren Hauptgeschäftsführer Horst Eggers (Beiratsvorsitzender bis Ende des Jahres 2019), dem früheren HWK-Präsidenten Thomas Zimmer, dem früheren Hauptgeschäftsführer Thomas Koller sowie dem Bayreuther Kreishandwerksmeister Peter Engelbrecht. Bis 2019 hatten die Beiratsmitglieder Vergütungen in Höhe von 3000 Euro pro Jahr (der Beiratsvorsitzende jährlich 6000 Euro) erhalten.

Nun würden diese Aufwandsentschädigungen für die Beiratsmitglieder der IFGO entfallen, teilte die Kammer mit. Unregelmäßigkeiten bei der Tochter GTO, einer Steuerberatungsgesellschaft der Kammer, hatten im Sommer 2019 die jetzige Krise ausgelöst. Hauptgeschäftsführer und Präsident waren daraufhin heuer ausgeschieden.