Die Preisträger des Heimatpreises Oberfranken 2018 heißen Annafest Forchheim, Internationales Samba-Festival Coburg, Hofer Schlappentag, Kronacher Freischießen, Lichterprozession Pottenstein, Limmerdorfer Lindenkirchweih und Wunsiedler Brunnenfest.


Annafest Forcheim


Was: Das Annafest in Forchheim wird jedes Jahr um den Annatag begangen. Mehr als 20 Bierkeller bieten 30 000 Sitzplätze für die Besucher während der elf Feiertage an. Für das Fest wird ein spezielles Annafest(stark)bier der Forchheimer Brauereien und von Brauereien aus dem Umkreis gebraut. Das Fest beginnt am Tag vor dem offiziellen Bieranstich mit einem traditionellen Schlachtschüsselessen. Am ersten Samstag findet der Annafest-Zug vom Rathaus zum Kellerberg statt.

Wo: Forchheimer Kellerberg

Wann: 26. Juli
Namenstag der heiligen Anna (Es beginnt am Freitag vor dem beziehungsweise am 26. Juli und endet am zweiten Montag danach.)


Begründung:
Das Annafest verbindet zwei Traditionslinien: Wallfahrer und Schützen. Es ist ein Paradebeispiel für die große fränkische Volksfesttradition und dient der Erhaltung unserer Festkultur im Freistaat.

Historie:
1516 wurde in dem kleinen Ort Unterweilersbach nahe Forchheim der heiligen Anna eine Kapelle geweiht. Dorthin unternahmen die Forchheimer eine Wallfahrt. Auf dem Rückweg machten die Pilger Rast im Kellerwald, um sich bei den dortigen Bierkellern mit dem gelagerten Bier zu stärken. Die daheimgebliebenen Angehörigen der Pilger zogen ihnen entgegen und brachten Speis und Trank mit. Als der Forchheimer Schützenverein 1840 sein Hauptschießen in den Kellerwald verlegte, entstand das Annafest.
2015 hatte das Fest sein 175. Jubiläum mit einem großen Festumzug am ersten Festsonntag, der zudem direkt auf den Festtag der Heiligen Anna fiel.


Lichterprozession Pottenstein


Was: Jedes Jahr am 5. und 6. Januar begeht die Pfarrgemeinde Pottenstein (Landkreis Bayreuth) ihre ewige Anbetung - zwei Tage des "immerwährenden Gebetes" in der Stadtpfarrkirche St.Bartholomäus. Am 6.Januar um 17 Uhr findet die ewige Anbetung ihren feierlichen Abschluss mit der Lichterprozession und dem Abbrennen der Bergfeuer.

Wo: Stadtpfarrkirche St. Bartholomäus

Wann: 5. und 6. Januar


Begründung:
Die Lichterprozession am Dreikönigstag in Pottenstein ist ein beeindruckender Ausdruck des aktiv gelebten katholischen Christentums. Die Tradition zeugt von einer festen christlichen Verwurzelung und starkem Gemeinschafts- und Heimatgefühl.

Historisches:
Der kirchliche Brauch der ewigen Anbetung, traditionell verbunden mit dem Abbrennen der Bergfeuer lässt sich gesichert bis ins Jahr 1905 zurückdatieren. Damals wurde das Fest der Heiligen Drei Könige und der Tag zuvor für die Ewige Anbetung in Pottenstein festgelegt. Das Fest der Ewigen Anbetung an sich geht allerdings bis auf das Jahr 1759 zurück. In dieser Zeit war Pottenstein noch Ziel zahlreicher Wallfahrten.


Internationales Samba-Festival Coburg


Was: Das internationale Samba-Festival Coburg lockt jährlich 200 000 Besucher nach Coburg. Es ist das größte Samba-Festival außerhalb Brasiliens. Rund 3000 Sambistas sind auf den elf Bühnen an dem Spektakel beteiligt. Am Sonntag findet ein großer Samba-Umzug durch die Innenstadt statt.

Wo: Innenstadt Coburg

Wann: zweites Wochenende im Juli


Begründung:
Herz und Rhythmus verbinden Heimat und brasilianische Lebensart.

Historisches:
Das Internationale Samba-Festival fand heuer zum 28. Mal statt. Es entstand aus einer "Schnapsidee" der Veranstalter Rolf Beyersdorf und Christof Pilarzyk.


Kronacher Freischießen


Was: Das Kronacher Freischießen wird von der Schützengesellschaft Kronach organisiert. Elf Tage lang wird auf dem Schützenplatz gefeiert. Am ersten Tag erfolgt der obligatorische Bieranstich und am ersten Sonntag findet der Auszug der Schützen vom Marktplatz zur Hofwiese statt. Es ist das älteste und größte Volksfest im Frankenwald.

Wo: Kronacher Hofwiese

Wann: Ab dem zweiten Wochenende im August zwei Wochen lang.


Begründung: Das Schützenfest ist eine Mischung aus modernem Sportschießen, Brauchtum und fröhlichem Volksfest. Die weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannte und beliebte Veranstaltung ist nicht nur Treffpunkt für Jung und Alt, sondern stärkt auch die Heimatverbundenheit.

Historisches:
Die Schützengesellschaft Kronach ist mit ihrer erstmaligen Erwähnung 1444 eine der ältesten Deutschlands. 1497 wurden die ersten Schießstände auf der Hofwiese errichtet. Die älteste Klippe an der Schützenkette ist aus dem Jahr 1565. 1588 fand das erste Freischießen in Kronach statt. Die älteste erhaltene Schießscheibe ist auf den 24. August 1702 datiert und befindet sich wie viele andere Schießscheiben auch, im Besitz der Schützengesellschaft Kronach.
Seit 1830 werden Feuerwerke abgebrannt. Seit gut 130 Jahren sind die Konzerte einer Militärkapelle die große Attraktion. Feste Bierhütten gibt es seit 1910 (die jetzigen seit 1971 und 1972), 1934 wurde das neue Schützenhaus feierlich eingeweiht. 2018 feiert Kronach mit dem 430. Freischießen seine fünfte Jahreszeit - dem Oktoberfest des Frankenwaldes.


Limmersdorfer Lindenkirchweih

Was: Etwa 350 Jahre ist die Tanzlinde im Thurnauer Ortsteil Limmersdorf (Landkreis Kulmbach) alt. Sie ist der Mittelpunkt und Schauplatz des Höhepunktes der Limmersdorfer Lindenkirchweih. Vier "Platzpaare" (ledige Burschen und Damen aus dem Dorf) holen sich im Rahmen des Festzuges gegenseitig von zu Hause ab.
Dabei wird zum Tanz aufgespielt, früher im "Ern" (Hausflur), heute vor den Häusern, und der oder die Abzuholende erhält ein Blumensträußchen angeheftet, womit die festliche Tracht vollständig ist. Danach führen die Platzpaare sowohl unter der Tanzlinde als auch auf der Linde einen Tanz auf.

Wo
: Lindenplatz Limmersdorf

Wann
: Tage um Bartholomä (24. August)

Begründung:
Die Lindenkirchweih ist der gesellschaftliche Höhepunkt des dörflichen Lebens. Sie ist bereits als Kulturgut im bayerischen und bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes eingetragen.

Historisches:
Seit mindestens 1729 gibt es in Limmersdorf vielleicht das typischste fränkische Kirchweihfest. Im Mittelpunkt steht die 16 Meter hohe Tanzlinde am Lindenplatz, in deren Krone in etwa vier Metern Höhe zur Kirchweih getanzt wird.


Hofer Schlappentag


Was: Punkt acht Uhr geht"s los. Nach dem musikalischen Weckruf am Morgen des Schlappentages versammeln sich die Handwerkerzünfte und Schützen am Schießhäuschen, um zum Rathaus zu ziehen. Dort erfolgt der Empfang durch Oberbürgermeister und Schützenkommissar. Ab der Ankunft des Festzuges am Schießhäuschen wird das eigens für diesen Tag eingebraute "Schlappenbier" zum Ausschank gebracht. Bei Schlappenbier, Hofer Bratwürsten und musikalischer Umrahmung entwickelt sich an den Festplätzen ein geselliges Treiben und der "Nationalfeiertag" geht in seinen gemütlichen Teil über.

Wo
: Schießhäuschen in Innenstadt

Wann
: Montag nach Pfingsten

Begründung
: Der Hofer Schlappentag ist eines der ältesten Volksfeste Oberfrankens, Hofern "Nationalfeiertag" sowie das älteste Zunft-, Bier- und Schützenfest Deutschlands. Die Privilegierte Scheiben-Schützen-Gesellschaft von 1432 Hof e. V. führt als Nachfolgerin der Hofer Schützenkompanie den Schlappentag seit über 580 Jahren durch.

Historisches
: Der Schlappentag geht auf die Zerstörung der Stadt Hof durch die Hussiten im Jahr 1430 zurück. Zu der Zeit war eine Bürgerwehr gegründet worden, die hauptsächlich aus Handwerkern bestand. Sie sollten regelmäßig Schießübungen absolvieren - kamen ihrer Pflicht aber nur widerwillig nach. Auf den letzten Drücker waren sie am Montag nach Trinitatis direkt aus der Werkstatt in ihren Holzschlappen zum Schießhäuschen gerannt.


Wunsiedler Brunnenfest

Was: Wunsiedel ist die "Stadt der Brunnen". Am Wochenende vor Johanni (24. Juni) werden über 30 Brunnen festlich mit Blumen geschmückt. Und das seit 1833. Sänger und Musikanten ziehen bei Einbruch der Dunkelheit von Brunnen zu Brunnen und singen ein Ständchen.

Wo
: Brunnen in der Innenstadt Wunsiedels

Wann:
Wochenende vor Johanni (24. Juni)

Begründung
: Die Brunnengemeinschaften sind ein beeindruckender Ausdruck von generationsübergreifenden Gemeinschaftssinn, Traditionsbewusstsein und Heimatverbundenheit. Das Fest ist im bayerischen und bundesweite Verzeichnis für das immaterielle Kulturerbe gelistet.

Historisches
: Als die Burg Wunsiedel erbaut wurde, grub man einen Zisternenbrunnen. Über dem wurde die "Veste" gebaut, ein großer viereckiger Turm. 1326 wurde unterhalb der Burg eine Stadt gegründet, die man über den wasserreichen Berghang der Stadt versorgte. Mehrere starke Quellen wurden in Brunnenstuben zusammengefasst und das Wasser über einen Verteiler an der Stadtmauer in hölzernen Röhren in die Stadt geleitet. Es gab sogar eigene Röhrmeister, die für die Brunnen verantwortlich waren.