Hollywood hätte es nicht besser inszenieren können: Ein 21-Jähriger aus der Gemeinde Ahorntal im Landkreis Bayreuth hat am Mittwoch, 18. März 2026, mit einer schauspielerischen Meisterleistung einen Betrüger überführt. Als ihn ein Schockanruf erreichte, bei dem ein vermeintlicher Staatsanwalt behauptete, ein Familienangehöriger habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht und nur eine sofortige Kaution könne die Haft abwenden, durchschaute der junge Mann die perfide Masche sofort.

Anstatt einfach aufzulegen, entschied er sich für einen mutigen Plan: Er spielte scheinbar mit – und zwar so überzeugend, dass die Staatsanwaltschaft Bayreuth und das Polizeipräsidium Oberfranken später von einer "oscarreifen Darstellung" sprechen sollten.

Bayreuth: 21-Jähriger täuscht Betrüger mit oscarreifer Show

Wie aus der gemeinsamen Presseerklärung hervorgeht, die die Staatsanwaltschaft Bayreuth und die Polizei Oberfranken am Donnerstag, 19. März, veröffentlichten, sei es dem 21-jährigen Ahorntaler gelungen, mit einer beeindruckenden schauspielerischen Leistung einen Betrüger zu überführen. Demnach habe der junge Mann am Mittwoch einen Schockanruf erhalten, bei dem ein vermeintlicher Staatsanwalt vorgab, ein Familienangehöriger habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht. Zur Abwendung einer Haft sei nun eine Kaution erforderlich, so die Masche der Täter. 


Unsere Top-Nachrichten des Tages für deinen schnellen Überblick am Abend.

Nichts verpassen mit dem Top-Themen-Newsletter täglich um 18 Uhr

Mit deiner Registrierung nimmst du die Datenschutzerklärung zur Kenntnis


Der aufmerksame junge Mann erkannte die Betrugsmasche sofort. Anstatt aufzulegen, ging er gezielt auf den Anrufer ein, verständigte aber parallel die Polizei. Über mehrere Stunden hielt er den Kontakt zu den Tätern aufrecht, "wobei er sich als ältere Frau ausgab und seine Stimme entsprechend verstellte", wie es in der Presseerklärung wörtlich heißt. 

Zeitgleich bereiteten sich Einsatzkräfte der Kriminalpolizei Bayreuth und Zivilkräfte der Zentralen Einsatzdienste Bayreuth auf eine mögliche Festnahme vor und unterstützten den 21-Jährigen bei der weiteren Gesprächsführung, so Staatsanwaltschaft und Polizei.

Verkleidung mit Küchenschürze und Kopftuch

Die Täter vereinbarten eine Übergabe von Geld und Wertgegenständen. Misstrauisch geworden, forderten sie, dass die vermeintliche Seniorin persönlich vor die Tür tritt. Der 21-Jährige verkleidete sich daraufhin kurzerhand. Er band sich eine Küchenschürze und ein Kopftuch um und bereitete einen Stoffbeutel ohne Wertgegenstände vor.

Die Festnahme gelang schließlich "nach oscarreifer Darbietung", wie die Staatsanwaltschaft Bayreuth und das Polizeipräsidium Oberfranken in ihrer gemeinsamen Presseerklärung formulieren. Am Nachmittag erschien tatsächlich ein 32-jähriger Mann am Anwesen, nahm den Beutel entgegen und konnte unmittelbar durch die Einsatzkräfte widerstandslos festgenommen werden, berichten die Behörden.

Nach bisherigen Erkenntnissen war er mit einem weißen VW Tiguan mit Münchner Zulassung angereist und hatte das Fahrzeug in Tatortnähe abgestellt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bayreuth wurde der Beschuldigte am Donnerstag einem Ermittlungsrichter vorgeführt. Dieser erließ Untersuchungshaftbefehl wegen des dringenden Verdachts des bandenmäßigen Betrugs.

Zwei vollendete Betrugsfälle am selben Tag

Trotz dieses Erfolgs kam es am selben Tag im Raum Bayreuth zu zwei vollendeten Betrugsdelikten, teilen die Staatsanwaltschaft und Polizei weiter mit. In Bayreuth wurde im Stadtteil Saas eine Seniorin von einem Unbekannten telefonisch kontaktiert, der vorgab, ein Bankmitarbeiter stehe mit Betrügern in Verbindung. Die Frau hob daraufhin 10.000 Euro von ihrem Konto ab und deponierte das Geld, wie angewiesen, in einem gelben Plastikbeutel in der Rosestraße im Bereich des dortigen Elektrohäuschens.  Die Abholung erfolgte zwischen 10.50 Uhr und 13.00 Uhr. Zu einem persönlichen Kontakt mit dem Geldabholer kam es nicht, berichten die Staatsanwaltschaft Bayreuth und das Polizeipräsidium Oberfranken.

In der Eckersdorfer Sophienstraße wurde ein Ehepaar Opfer einer ähnlichen Masche. Unter dem Vorwand, dass Falschgeld im Umlauf sei, forderte eine vermeintliche Staatsanwältin, Bargeld der Geschädigten auf Echtheit überprüfen zu müssen, schildern die Behörden das Vorgehen der Betrüger. Die Betroffenen hinterlegten einen niedrigen fünfstelligen Betrag am Gartenzaun ihres Anwesens in einem beigefarbenen Stoffbeutel. Zudem erhielten sie die Anweisung, vor der Abholung die Rollläden zu schließen.

Die Tat ereignete sich zwischen 13.00 Uhr und 14.00 Uhr, auch hier sind derzeit keine Hinweise zum Geldabholer bekannt.

Kriminalpolizei bittet um Zeugenhinweise - Schockanrufe in Oberfranken nehmen zu

Die Kriminalpolizei Bayreuth prüft derzeit mögliche Zusammenhänge zwischen den Fällen und bittet um Zeugenhinweise, so die Staatsanwaltschaft und Polizei. Insbesondere könnte der in Ahorntal festgestellte weiße VW Tiguan mit Münchner Zulassung auch für die Fälle in Bayreuth und Eckersdorf von Bedeutung sein. Zeugen, die am Mittwoch, 18. März 2026, im Bereich Bayreuth oder Eckersdorf verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 0921/506-0 zu melden.

Die Betrugsmasche mit Schockanrufen hat in Oberfranken zuletzt mehrere Opfer gefordert. Allein am Mittwoch, 18. März 2026, registrierte die oberfränkische Polizei insgesamt 22 Fälle des sogenannten Callcenterbetrugs, einer Betrugsmasche, gegen die die fränkische Polizei verstärkt vorgeht. Im Landkreis Forchheim wurde kürzlich eine 81-jährige Seniorin um ein Kilogramm Gold im Wert von rund 132.000 Euro gebracht. Unbekannte Täter hatten der Frau am Telefon vorgegaukelt, ein naher Angehöriger liege im Krankenhaus und benötige dringend Geld für eine Behandlung. Auch im Landkreis Wunsiedel wurde eine Seniorin am Hauptbahnhof Hof Opfer eines Schockanrufs. Eine vermeintliche Krankenhausärztin behauptete, eine nahe Angehörige sei mit einer schweren, akuten Erkrankung im Krankenhaus und für eine neue Behandlungsmethode werde dringend Geld benötigt. 

Polizei und Staatsanwaltschaft weisen erneut eindringlich darauf hin: Am Telefon sollte man nie Auskünfte über Vermögensverhältnisse erteilen. Zudem sollte niemals Bargeld oder Wertgegenstände an unbekannte Personen übergeben werden. Im Fall eines verdächtigen Anrufs sollte das Gespräch beendet und die Polizei unter der Notrufnummer 110 verständigt werden. Die Polizei Oberfranken hat jüngst ein eindringliches Video zur Prävention von Callcenterbetrug veröffentlicht, das echte Telefonmitschnitte von Betrügern enthält.

Besonders perfide wird der Betrug, wenn Kriminelle künstliche Intelligenz einsetzen, um Stimmen von Verwandten täuschend echt zu klonen. Für das sogenannte "Voice Cloning" benötigen die Betrüger nur wenige Sekunden Audio-Material, das sie beispielsweise aus Videos in sozialen Medien gewinnen können. Experten empfehlen daher, mit Familie und Freunden ein Codewort zu vereinbaren, das im Zweifelsfall abgefragt werden kann, um die Identität des Anrufers zu überprüfen.

Auch bei sogenannten "stummen Anrufen" ist höchste Vorsicht geboten. Wer sich am Telefon mit seinem Namen statt mit einem einfachen Hallo meldet, kann in eine gefährliche Falle tappen. Selbst kurze Sprachfetzen können aufgezeichnet und für weitere Betrugsmaschen genutzt werden, etwa um die Stimme des Opfers künstlich zu imitieren oder eine Zustimmung zu Vertragsabschlüssen vorzutäuschen. Experten raten daher, sich am Telefon grundsätzlich nur mit einem Grußwort zu melden und bei stummen Anrufern sofort aufzulegen.