Anlaufstelle und Schutzwohnungen für gepeinigte Männer: In Bayreuth sollte ursprünglich ein Männerhaus entstehen, daraus ist jetzt eine Anlaufstelle geworden. Rund 20 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt waren 2018 laut Bundeskriminalamt Männer - so auch der 40-Jährige, der seine Erfahrungen in unserem Artikel schildert.

In ganz Bayern gab es bislang nur zwei Hilfseinrichtungen, die betroffenen Männern Schutz und Zuflucht bieten. Neben den zwei existierenden Männerhäusern in Nürnberg und Augsburg plädierte die Stadträtin Ingrid Heinritzi-Martin (CSU) für ein Männerhaus in Bayreuth - jetzt wurden Maßnahmen ergriffen.

Betroffener schildert Leid: "Habe so viele Ohrfeigen bekommen"

Ein Betroffener berichtet, wie er den Misshandlungen seiner Partnerin jahrelang ausgesetzt war. Es begann mit Beleidigungen. Danach habe seine Lebensgefährtin gedroht, ihn vor die Tür zu setzen. Später kamen die Schläge hinzu. Der heute 40-Jährige ertrug die Misshandlungen jahrelang, ohne sich Hilfe zu suchen oder sich zu wehren.  Als er zum Männerhaus nach Nürnberg kam, erzählte er seine Geschichte: "Ich habe so viele Ohrfeigen von der Frau bekommen wie zuvor in meinem ganzen Leben nicht."

Im April 2020 eskalierte die Situation. Die Partnerin des 40-Jährigen ruft die Polizei, Diese hält den Mann zuerst für den Täter. Da er aus Spanien stammt und körperlich breit und groß gebaut ist, verdächtigte die Polizei ihn sofort. "Die Vorurteile sind in der Gesellschaft sehr geprägt", erzählt er. So sei es auch den Polizisten gegangen. Sie hätten ihm erst geglaubt, als er die vielen blauen Flecken auf seinen Armen und die Bissspuren auf der Brust gezeigt und Tonaufnahmen abspielt habe, in denen die Frau ihn beschimpft hatte.

Seine damalige Partnerin schmiss ihn aus der Wohnung. Zeitweise wohnte er bei Freunden und in der Obdachlosenunterkunft. Dann erfuhr er von einer anonymen Schutzwohnung, die der Caritasverband Anfang des Jahres in Nürnberg errichtet hat. Glücklicherweise bekam er einen Platz, obwohl die Nachfrage sehr groß sei, wie der Träger klarstellt.

"Das ist ein Tabuthema - auch unter Männern"

Männerhäuser fordert Matthias Becker, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Jungen- und Männerarbeit in Bayern, schon seit Jahren. "Das hat lange Kopfschütteln ausgelöst", sagte er der dpa. "Das ist ein Tabuthema - auch unter Männern." Denn dass auch Männer in einer Beziehung Opfer von Partnerschaftsgewalt sein können, sei lange Zeit kaum beachtet worden. inFranken.de hatte Matthias Becker bereits im Interview - den Artikel lesen Sie hier.

Das sieht Ingrid Heinritzi-Martin von der CSU-Fraktion Bayreuth ähnlich. Klischeebedingt fällt es betroffenen Männern oftmals schwerer, Hilfe anzunehmen. Deswegen hat sie sich für eine Anlaufstelle in Bayreuth eingesetzt. 

Männer in Not: Anlaufstelle in Bayreuth eingerichtet

Auf den Antrag der Stadträtin hin hat sich in Bayreuth inzwischen etwas getan: Von Gewalt betroffene Männer können sich in Bayreuth an den Sozialen Dienst der Stadt wenden. Die Telefonnummer lautet 0921 25-1378. Seit Oktober besteht zusätzlich die Möglichkeit, Männer in einer "städtischen Verfügungswohnung" unterzubringen. Dort soll für ausreichend Schutz gesorgt sein.

Außerdem können betroffene Männer sich seit Kurzem auch an ein Hilfetelefon wenden, das Bayern und Nordrhein-Westfalen im April gemeinsam eingerichtet haben. Wer Hilfe braucht, kann kostenlos unter der Nummer 0800-123 99 00 anrufen. Weitere Infos gibt es außerdem auf der dazugehörigen Internetseite "Hilfetelefon Gewalt an Männern."

Auch in Bamberg setzt sich die Lokalpolitik für Gewaltopfer ein: So beschlossen die Mitglieder des Kreisausschusses in einer Sitzung einstimmig eine Fortführung der Förderung des Projektes "Notruf bei sexualisierter Gewalt".