Plötzlich wird es etwas lauter in der Kfz-Zulassungsstelle des Bamberger Landratsamts. Einer Frau wird am Schalter die Zulassung ihres Neuwagens verweigert. Der Grund: offene Steuerschulden. Alle anderen Besucher der Behörde hören unfreiwillig mit und bekommen einen Einblick in das Privatleben der Frau. Die Schilderung dieser Szene erreiche die Redaktion in Form eines Leserbriefs. Die Kritik: Ein solcher Umgang mit sensiblen Daten in einer Behörde sei nicht akzeptabel.
Der Datenschutz ist aktuell in aller Munde. Oft im Zusammenhang mit der Digitalisierung, doch es gibt eben auch solche Situationen, wie die beschriebene. Sei es beim Arzt oder in der Apotheke, in der Bank oder beim Finanzamt, im Rathaus oder im Landratsamt - in öffentlichen Einrichtungen werden zwangsläufig intime oder zumindest private Themen besprochen. Dabei ist man aber selten wirklich nur zu zweit.


Ungestörte Beratung auf Wunsch

Besonders heikel ist das Thema Gesundheit. Apotheker Hartmut Held, der vier Apotheken in Stadt und Landkreis Bamberg betreibt, berichtet von strengen Vorgaben: "Seit einigen Jahren muss jede Apotheke einen separaten Beratungsraum haben", sagt Held. "Das ist im Apothekengesetz so geregelt." Dort kann Kunden mit sehr privaten Problemen in Ruhe geholfen werden, ohne dass der nächste Kunde in der Schlange mithört. Danach gefragt werde aber selten: "Das passiert vielleicht einmal im Monat." Meist merke man, wenn ein Kunde Beratung zu einem sensiblen Thema braucht: "Sie stellen sich dann meistens an einen unbesetzten Beratungstisch etwas abseits, oder senken die Stimme und fragen: ,Können wir mal dort rüber gehen?'"
Doch auch für die normalen Beratungstische gibt es Vorgaben: "Es ist geregelt, wie weit die Tische auseinander stehen müssten", sagt Held. "Es gibt auch eine Abnahme vom Pharmazierat. Da wird geschaut, ob alles eingehalten wurde." In räumlich eingeschränkten Apotheken werde häufig auch mit Raumtrennern gearbeitet. Darüber hinaus würden Diskretionszonen eingerichtet, damit der Nachfolger in der Schlange nicht zu weit aufrückt. "In manchen Apotheken hängen auch Lautsprecher über der Kasse und spielen Hintergrundmusik, damit die anderen Kunden nichts mitkriegen."


Finanzen ein sensibles Thema

Im Finanzsektor wird ähnlich viel wert auf Diskretion gelegt. "An unseren Geldautomaten sind Sichtschutzblenden angebracht. Je nach Standort über die komplette Höhe des Geldautomaten oder am PIN-Pad. An unserer Geschäftsstelle Rathaus in Bamberg sind zum Beispiel auch Sichtschutzwände aus Milchglas zwischen den Geräten installiert", teilt die Pressestelle der Sparkasse Bamberg mit.
An den Beratungspults seien die Mitarbeiter angehalten, stets auf ausreichenden Abstand des nächsten Kunden zu achten. Die Beratungszimmer bestünden mindestens teilweise aus Milchglas. Bargeldtransfers fänden in abgetrennten Räumen statt. "Um die Sicherheitsstandards und die Diskretion zu gewährleisten, werden unsere Filialen und Beratungs-Center regelmäßig begangen und begutachtet. Unsere Mitarbeiter werden regelmäßig für die Themen Datenschutz, Sicherheit und Diskretion sensibilisiert."
Auf die sogenannten "Diskretionslinien" am Boden trifft man auch an anderer Stelle. So greifen beispielsweise viele Postfilialen darauf zurück. "Es gibt da allerdings keine Vorschrift", sagt Alexander Böhm, Pressesprecher der Deutschen Post für Oberfranken. "Gerade im ländlichen Bereich sind unsere Filialen ja oft bei Einzelhändlern untergebracht. Da ist bei manchen gar nicht der Platz dafür da." Anders sei es bei den Postbank-Finanzcentern, wie in der Bamberger Ludwigstraße gegenüber des Bahnhofs. "Dort werden auch andere Geschäfte getätigt und besprochen, wie Versicherungen oder Bausparverträge, die nicht unbedingt der Hintermann hören muss."
Was sagt das Landratsamt zu den Situation in der Zulassungsstelle, wo der Hintermann keine andere Wahl hatte, als mitzuhören? Generell sei es so, "dass die Verwaltungsräume des Landratsamtes weitestgehend so gestaltet sind, dass der Publikumsverkehr ohne Beeinträchtigung des Datenschutzes abgewickelt werden kann", teilt die Pressestelle mit. "Im Hinblick auf die räumlichen Bedingungen in der Zulassungsstelle ist festzustellen, dass es zur Zeit der baulichen Errichtung seinerzeit Standard war, derartige Räume möglichst offen und transparent zu gestalten, um den wartenden Kunden eine angenehme Atmosphäre zu bieten." Das sei nicht mehr zeitgemäß, weshalb bauliche Veränderungen in absehbarer Zeit Abhilfe schaffen sollen.
"Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in der derzeitigen Übergangsphase bemüht, sensible Sachverhalte mit den Antragsstellern in separaten Räumen zu besprechen."