Als ich um 9.15 Uhr in den Park-and-Ride-Parkplatz Kronacher Straße einbiege, ist der größte Pendler-Andrang schon vorbei. Die Parkreihen sind dennoch nur gut zur Hälfte gefüllt, ich bekomme ohne Probleme einen Parkplatz.

Am Ticket-Automaten kann ich mir dann einen kostenlosen Park- und den dazugehörigen Fahrschein ziehen. Zur Bushaltestelle laufe ich quer über den Parkplatz - und stelle fest, dass ich den Bus um 9.14 Uhr knapp verpasst habe. Für meinen Test macht das nichts, der nächste Bus fährt 15 Minuten später. Wenn ich das Angebot aber regelmäßiger und für meinen Weg zur Arbeit nutzen möchte, sollte ich den Fahrplan noch etwas besser auf dem Schirm haben - um weniger Zeit zu verlieren.

An der Bushaltestelle warten gleich fünf weitere Pendler mit mir. Als wir um 9.29 Uhr losfahren, sitzen dann 14 Bamberg-Besucher im kostenlosen Bus. Unter ihnen auch Helga Staudigel, die einen Termin in der Innenstadt hat. "Für mich bietet sich das an, ich muss keinen Parkplatz in der Innenstadt suchen und im Parkhaus wird's ab der zweiten Stunde schnell teuer." Staudigel findet das P+R-Angebot super und hofft, dass es so bleibt. An diesem Vormittag fahren vor allem Auswärtige mit, die in der Stadt einkaufen möchten, darunter ein Paar aus Scheßlitz. "Ich nutze das auch sonst, wenn ich zur Arbeit fahre. Kurz nach sieben wird es aber ganz schön voll", sagt der Mann. Wie alle Mitfahrer trägt er den vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz. "Eine gute Sache, die Parkplätze in der Innenstadt sind rar", sagt seine Frau. "Die ganzen Autos im Parkhaus sind schon nicht mehr in der Stadt unterwegs, man tut auch für die Umwelt was."

Ihr Mann weiß auch, dass der Bus für die Strecke von der Kronacher Straße zum ZOB "in Spitzenzeiten" nur zehn Minuten braucht. Bei dieser morgendlichen Fahrt und auch bei der Rückfahrt um 17.55 Uhr messe ich aber 14 Minuten. Wenn ich alle Wegstrecken meines üblichen Arbeitsweges zusammennehme, brauche ich sonst an einem Durchschnittstag 25 Minuten mit dem Auto und zwei Minuten zu Fuß. Würde ich den P+R-Parkplatz nutzen und immer genau den Bus erwischen, käme ich auf 15 Minuten Autofahrt, 14 Minuten Busfahrt und drei Minuten Fußweg vom ZOB zum Wilhelmsplatz. Unterm Strich wären das für mich zwar sieben Minuten länger (an guten Tagen auch drei), dafür könnte ich während der Busfahrt noch E-Mails bearbeiten, lesen - oder einfach mal die Augen schließen.

"Noch Luft nach oben"

Wie wurde nun das kostenlose Angebot bisher angenommen, das es seit März in Bamberg gibt? "Anfangs war die Besucherzahl im Wochenvergleich noch um bis zu 80 Prozent angestiegen. Doch seit dem Corona-Shutdown sind die Zahlen nicht mehr mit dem Vorjahr vergleichbar", sagt Jan Giersberg, Pressesprecher der Stadtwerke Bamberg. Und so war man vom "Full House" auf den Park-and-Ride-Parkplätzen am Heinrichsdamm (800 Stellplätze) und in der Kronacher Straße (400 Plätze) meist weit entfernt. "Wir haben im Moment an beiden Anlagen noch Luft nach oben", sagt Giersberg. Aber nun zieht die Nachfrage wieder spürbar an. So wurden im Juni in der Kronacher Straße 2892 und am Heinrichsdamm 11 833 Parkvorgänge gezählt - mehr als doppelt so viele wie noch im April.

Dass trotz des kostenlosen Angebots die Vorjahreszahlen noch nicht erreicht werden konnten, liege wohl ausschließlich an Corona. Viele Leute hätten aus Angst vor einer Ansteckung eine Zeitlang aufs Busfahren verzichtet. Doch diese Angst sei durch gute Aufklärungsarbeit immer mehr Menschen genommen worden. "Wir haben leicht zunehmende Fahrgastzahlen und auf den Park-and-Ride-Linien stark überdurchschnittliches Wachstum. Von der Tendenz her passt das", sagt der Stadtwerke-Sprecher. Auf jeden Fall sei bereits viel Autoverkehr aus der Innenstadt verlagert worden - was ja das Ziel von Park and Ride sei.

Auch das Konzept habe grundsätzlich gut funktioniert. Vereinzelt sei von Kunden nachgefragt worden, weshalb denn auch für die kostenlose Busfahrt Tickets ausgedruckt werden müssen. "Rein technisch gibt es keine andere Möglichkeit, um einem Missbrauch des Angebots vorzubeugen", sagt dazu Jan Giersberg.

Wie es künftig mit dem kostenlosen Park-and-Ride-Angebot in Bamberg weitergeht, wird der Stadtwerke-Aufsichtsrat im Herbst beraten. Bis dahin bleibt es nicht zuletzt spannend, wie sich die Zahl der Parkvorgänge in den kommenden Monaten entwickelt. 480 000 Euro, die das Angebot im Jahr kostet, sind in Zeiten coronabedingter Haushaltsengpässe kein Pappenstiel. Aber es gebe bereits Gegenfinanzierungsmaßnahmen der Stadtwerke - so wurde mittlerweile die innerstädtische Ringbuslinie "mangels Nachfrage, unabhängig von Corona" wieder eingestellt.

KOMMENTAR von Stefan Fößel

Ein wirksames Instrument

Natürlich steht auch ein Park-and-Ride-Bus an der roten Ampel. Aber wenn jeder dieser Busse 15 oder 20 Autos aus der Innenstadt fernhält, kann das die Blechlawine durchaus ein wenig verkürzen.

Freilich müsste das kostenlose Angebot von noch mehr Pendlern und Ausflüglern genutzt werden, damit es auch langfristig eine Zukunft hat. 480 000 Euro im Jahr sind eine stolze Summe und doch gut investiertes Geld, wenn sie für spürbaren Raumgewinn auf Bambergs engen Straßen sorgen. Die Ausweitung von Park-and-Ride-Angeboten kann in der aufgeheizten Verkehrsdiskussion ein wirksames Instrument sein, dem Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger gleichermaßen zustimmen können. Sicher wird mancher argumentieren, dass die Städter, die das kostenlose Angebot kaum nutzen, hier die Zeche für die Einpendler aus der Region zahlen sollen. Doch wird sich im Gegenzug kaum einer beschweren, wenn dafür Parksuchverkehr von zum Teil Ortsunkundigen wegfällt.