Ein Sicherheitsdienst schirmt die Firma ab, Kunden bleiben draußen, Mitarbeiter halten Abstand - doch die Produktion der luxuriösen Reisemobile bei Morelo in Schlüsselfeld läuft. "Bisher ohne größere Einschränkungen", berichtet Geschäftsführer Reinhard Löhner, der jedoch zunehmend mit wegbrechenden Lieferketten zu kämpfen hat.

Er führt eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen in der Region Bamberg. Nach dem Beginn in einer Blechhalle ist Morelo in nur neun Jahren auf aktuell 350 Mitarbeiter gewachsen. Und jetzt? "Es kommt jetzt ganz krass drauf an, was nach dem 19. April passiert. Wenn es zufriedenstellend zu Ende geht, dann würde ich sagen, wir merken nichts bis Ende des Jahres. Aber jede weitere Woche bedeutet Totalverlust", antwortet Löhner, der sein Unternehmen grundsätzlich gewappnet sieht.

Ist der gesamte Wirtschaftsstandort Bamberg auch gewappnet?

Der Pessimist kann sagen: Die heimische Ökonomie ist ein Risikopatient. Der Optimist kann sagen: Die körperliche Verfassung war zum Ausbruch der Virus-Krise durchtrainiert und fit. Für beide Sichtweisen finden sich Argumente.

Als böses Omen könnte gelten, dass der Wirtschaftsstandort Bamberg in den Monaten vor Corona bereits mehrfach von Hiobsbotschaften erschüttert worden ist. Michelin, Brose, Bosch: Die großen Autobauer haben negative Schlagzeilen diktiert, indem sie Stellenabbau angekündigt haben. Die Abhängigkeit von der ohnehin schwächelnden Autoindustrie macht Bamberg deshalb zum Risikopatienten.

Doch es gab auch frohe Botschaften: "Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten allein im Landkreis Bamberg erreichte 2019 mit 40 135 einen historischen Höchststand", berichteten die Industrie- und Handelskammer sowie das Landratsamt.

Und auch in der wachsenden Schwarmstadt Bamberg war der Arbeitsmarkt in den letzten Jahren von einem deutlichen Wachstum bei den Arbeitsplätzen geprägt. Im September 2013 wurde die Marke der 50 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten erreicht, zwei Jahre später bereits die Marke der 53 000 und stand Ende 2019 bei über 55 000.

"Damit sind am Arbeitsort Stadt Bamberg so viele Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt wie in keiner anderen oberfränkischen Stadt und keinem Landkreis", skizziert die Stadt selbstbewusst den eigenen Wirtschaftsstandort. Und der Landkreis scheut den Vergleich nicht: Zusammen mit dem Landkreis Forchheim, ebenfalls mit einem Plus von 36,9 Prozent, verzeichnet der Landkreis Bamberg den höchsten Zuwachs in zehn Jahren.

95 000 Arbeitsplätze in Stadt und Landkreis, wohlbemerkt vor der Realisierung des Stellenabbaus der Autobauer - und vor Corona. Heißt das, die Fallhöhe ist enorm? Oder heißt das, der Standort strotzt vor Kraft?

Eine Analyse des Jobaufschwungs zeigt, dass der Maschinenbau ein starkes Zugpferd ist. "Nach absoluten Zahlen ist der Metall- und Elektrobereich mit über 400 neuen Stellen am stärksten gewachsen", berichtet das Landratsamt für 2019, gefolgt von der Logistik und dem Handel. Eine Umfrage des deutschen Maschinenbauverbands VDMA zeigt derzeit, dass 96 Prozent seiner Mitgliedsfirmen für 2020 mit Umsatzrückgängen rechnen, die sie im Verlauf des Jahres nicht mehr kompensieren können. "Personalabbau - auch von Teilen der Stammbelegschaft - ist für zwölf Prozent der Unternehmen bereits Thema", erläutert VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers.

Laut Deutschem Gewerkschaftsbund haben in Stadt und Landkreis Bamberg zum Stichtag 25. März 111 Betriebe Kurzarbeit angezeigt. Betroffen sind 1971 Beschäftigte. Die tatsächliche Zahl liege noch darüber und werde rapide wachsen.

Kurzarbeit wertet man in der Arbeitsagentur als hoffnungsvolles Zeichen. "Wenn Betriebe in Kurzarbeit gehen, rechnen die damit, dass es wieder gut weitergeht. Damit sie, wenn die Wirtschaft wieder anspringt, schnell wieder einsteigen können und dafür auch das Personal haben", erklärt Sprecher Matthias Klar. In der Agentur gilt die Kurzarbeit also als deutlicher "Indikator dafür, dass die Wirtschaft recht zuversichtlich ist, sonst hätten wir die Entlassungswellen." Fachkräftemangel prägte die vergangenen Jahre - Firmen lassen gute Mitarbeiter nur ungern ziehen und von der Konkurrenz wegschnappen. Klar zieht einen Vergleich zu der Finanzkrise 2008: "Auch damals sind die Kurzarbeiterzahlen in die Höhe geschnellt, und die Entlassungswellen haben nicht wie befürchtet stattgefunden." In zehn guten Jahren konnten Strukturen gesund wachsen.

Bei Morelo in Schlüsselfeld, einem der Zugpferde für das Wachstum in der Region, ging es bisher bei der Mitarbeiterzahl stets steil nach oben. Wie groß wird nun die Corona-Delle ausfallen? Geschäftsführer Löhner wartet auf den 19. April: "Mit jeder weiteren Woche wird Schaden angerichtet."