Schlechte Nachrichten für Hirschaid, Hallstadt, Memmelsdorf und Scheßlitz. Alle vier Gemeinden hatten sich Hoffnungen gemacht, dass der diskutierte Neubau für das sanierungsbedürftige Dientzenhofer-Gymnasium (DG) auf ihrem Gebiet entstehen könnte. Auch Landkreischef Johann Kalb (CSU) hatte die Verlagerungsidee vorangetrieben. Es müsse möglich sein, die Schulen zu den Schülern zu bringen, begründete er seine Initiative in Anspielung auf die hohe Zahl von Landkreis-Gymnasiasten. Dennoch scheint sich der Umzug des DG mit seinen derzeit 100 Lehrkräften als Illusion zu erweisen.

Das Gutachten, das der Zweckverband Gymnasien Stadt und Landkreis Bamberg 2017 beauftragt hatte, soll in der Sitzung des Zweckverbands am 2. Mai diskutiert werden. Schon in dieser Woche sickerten aber erste Erkenntnisse durch. Diesen Informationen zufolge hat die Untersuchung ein für den Landkreis negatives Ergebnis: Das Problem der vier Gemeinden ist ihre im Vergleich zu Bamberg geringe Zentralität. Auch wenn man die günstige Geburtenentwicklung der letzten Jahre zu Grunde legt, werde keiner der genannten Schulstandorte die nötige Schülerzahl aufweisen, die der Freistaat zwingend für die Neuerrichtung staatlicher Gymnasien vorschreibt, bei einem neunstufigen Gymnasium mindestens 675 Schüler.

Die Prognose des Augsburger Gutachters zeigt: Während die Simulation am alten Standort des DG ab 2025 eine Schülerzahl von rund 1000 ergibt, lägen die Zahlen bei den vier Landkreisstandorten für den gleichen Zeitraum zwischen 435 (Scheßlitz) und 570 (Hirschaid). Die Gutachter sehen die Voraussetzungen, die das Kultusministerium formuliert habe, als nicht erfüllt an.

Landrat Johann Kalb, in diesem Jahr stellvertretender Vorsitzender des Zweckverbands, wollte das Ergebnis vor der Diskussion im Zweckverband nicht kommentieren. Er stehe dazu, dass es richtig gewesen sei, vor einer Entscheidung über eine zweistellige Millionensumme die nötigen Grundlagen zu ermitteln. Auch nach der Untersuchung ist für Kalb der Neubau des Dientzenhofer-Gymnasiums nicht vom Tisch. Es soll geprüft werden, ob dies auch am alten Standort möglich sei. "Wir wollen so schnell wie möglich das Beste für das Gymnasium machen", sagte Kalb.

In den betroffenen Gemeinden löst das Ergebnis der Studie Ernüchterung aus. "Wir sind enttäuscht, wenn die Zahlen so sind. Denn für uns wäre es eine erfreuliche Aufwertung des Schulstandorts gewesen", sagt Klaus Homann (CSU), Erster Bürgermeister in Hirschaid. Sogar eine Fläche neben der Realschule hatte der Gemeindechef bereits ins Auge gefasst. Homann spricht von einem zweiten Rückschlag, nachdem Hirschaid von der Staatsregierung vor kurzem als Mittelzentrum abgelehnt worden war.

Dass die Chancen, Hallstadt Standort eines Gymnasiums zu werden, gering sind, löst in Hallstadt keine Freude aus. Dennoch hält es Gemeindechef Thomas Söder (CSU) für richtig, die Untersuchung in Auftrag gegeben zu haben: Man könne nicht blind in eine Diskussion hineingehen.


Gute Infrastruktur im Osten

Bestätigt sehen sich die Kräfte, die die Verlagerung kritisiert hatten. Verbandsrat Wolfgang Grader (GAL) spricht davon, dass nun bewiesen sei, was alle gefühlt hätten. "Jetzt wird hoffentlich auch der Landrat zur Einsicht kommen."

In Bamberg sind sich CSU und die SPD einig: Stadtrat Heinz Kuntke (SPD) hebt die gute Anbindung des DG-Standorts in der Feldkirchenstraße hervor. "Die Infrastruktur im Bamberger Osten sei hervorragend. Ich kann die Verlagerungsidee nicht nachvollziehen."

Auch Helmut Müller, Fraktionschef der städtischen CSU, spricht Klartext. "Dass wir es überprüft haben, war ein Zeichen guten Willens gegenüber den Landkreisfreunden. Aber es war von Anfang an klar, dass es eine Schnapsidee ist."


Kommentar des Autors:


Das DG ist kein Supermarkt

Das DG ist kein Supermarkt

Wenn die 30 000 Euro des Gutachtens dazu geführt haben, für Klarheit zu sorgen und der wachsenden Verunsicherung am Dientzenhofer-Gymnasium entgegenzuwirken, dann war es gut investiertes Geld.

Dennoch machen sich die handelnden Personen zu einfach, die Verlagerungsfantasien nach dem Motto zu rechtfertigen, man dürfe sich keine Denkverbote auferlegen.

Eine Schule mit einem eingeführten fünfzigjährigen Standort ist das denkbar schlechteste Objekt für Profilierungsversuche von Politikern. Eine Schule verlagert man auch nicht wie einen Supermarkt.