Er hätte die Krönung sein können im imposanten Kaisersaal. Doch meist wurde er in ein Eck geschoben. Üblicherweise ins linke, vom Betrachter aus gesehen. Zuletzt war das riesige schwarze Teil nur noch eins: im Weg. Also musste er weg, der sperrige Konzertflügel. Er bleibt aber in Ebrach und hat gewissermaßen sogar einen Aufstieg erlebt: Nun thront er droben in der Realschule, wo Studienrätin toris Kunert ihn schon jetzt in den höchsten Tönen lobt.


Vor jedem Auftritt: stimmen

Der Seiler Flügel, Model 240, schwarz poliert, hat am 31. Mai 1995 im Kaisersaal Einzug gehalten. Für stattliche 42 680 Deutsche Mark sollte er bei den weithin bekannten Konzerten noch mehr Glanz in Ebrachs Gute Stube zaubern. So zumindest der Traum von Unternehmer Helmut Janson, der dafür die finanzielle Basis schuf. Doch anstatt bei Konzerten durch Auftritte geadelt zu werden, blieb das der Gemeinde "vermachte" Instrument zumeist stumm, und im Eck. Ein Schattendasein. Und wenn der Flügel tatsächlich einige wenige Male ins Rampenlicht durfte, dann musste Ebrach erst einmal zahlen: fürs erforderliche Stimmen durch eine Fachfirma. Die Zahl der Auftritte blieb in den vergangenen zwei Jahrzehnten sehr überschaubar.

Mit der nun laufenden Sanierung des Kaisersaals war das Instrument nicht nur überflüssig, sondern mutierte sogar zum schwer-gewichtigen Störfaktor. Was tun? Warum nicht verkaufen. Schließlich, so ergaben die Recherchen der Gemeinde, würde die Neuanschaffung eines vergleichbaren Instrumentes zwischenzeitlich 59 900 Euro kosten. Die Expertise zum Gebrauchtmodell erbrachte einen geschätzten Richtwert von über 16 000 Euro mit einer Spanne zwischen 18 000 und 19 000 Euro. Ein willkommener Aufwind für die klamme Gemeindekasse. Doch der Flügel blieb bleiern stehen: Es fand sich kein interessierter Käufer. Die Zeit drängte.

Es drohten bereits Teile auf den Flügel zu fliegen. Da fragte der Gemeindechef bei ihm bekannten Einrichtungen nach, bei der Kreismusikschule. Ob man ihr das sperrige Instrument wohl als Dauerleihgabe andienen könne. Man kann. In der Realschule Hirschaid gäbe es entsprechend dimensionierte Räumlichkeiten.


Begeisterung

Realschule? Eine Realschule hat Ebrach selbst, sann der findige Bürgermeister und machte hier seine Aufwartung. Das Resultat: Begeisterung pur.

Doch so einfach abholen lassen geht mit einem ebenso teuren wie voluminösen Trumm nicht.

  A musste eine Fachfirma ran und B ein Vertrag den Transfer auf juristisch tragfähige Füße stellen, wenngleich der Flügel für den Transport die Seinigen einbüßte. Dem Marktgemeinderat war die Erleichterung anzumerken, dass ihr Bürgermeister auch für ein so schweres Problem leichtfüßig eine Lösung gefunden hat.

Wohl kaum andere Musikschüler dürften auf einem so fürstlichen Instrument unterrichtet werden wie nun in Ebrach.

Wer weiß, vielleicht reift hier ja einmal ein Konzertpianist heran.