Wer am Freitagmorgen um halb neun einen Corona-Test machen möchte, muss nicht lange warten. Die Warteschlange besteht meist nur aus zwei bis drei Leuten und wird zügig abgearbeitet, bevor wieder die nächsten ankommen. Jeder zieht hier eine Nummer, ich habe die 22. Eine Krankenschwester fragt, ob ich Symptome wie Husten oder Fieber habe. Das ist nicht der Fall, sonst würde man mich an meinen Hausarzt oder an eine der sechs Schwerpunktpraxen in Stadt und Landkreis verweisen.

So aber kann ich mein Krankenversicherungskärtchen zücken und eine Kontakt-Telefonnummer hinterlassen. Dann muss ich kurz den Mund öffnen und die Schwester nimmt mit einem langen Wattestäbchen einen Abstrich aus meinem Rachen. Ich bekomme einen Code, mit dem ich mein Ergebnis bereits am Wochenende online beim prüfenden Labor in Heidelberg abfragen könnte. Fällt der Test positiv aus, rufe mich das Gesundheitsamt aber umgehend an. In jedem Fall bekomme ich das Ergebnis auch ein paar Tage später mit der Post.

In Scheßlitz werden schon seit 6. März Menschen auf Corona getestet, es handelte sich damals um eine der ersten solchen Einrichtungen in Bayern. Als offizielles Zentrum nach dem "bayerischen Testkonzept" hat es dann Mitte Juli seinen Betrieb aufgenommen. Bis Mittwoch wurden seither in dem Flachbau, der früher einen Netto-, später einen Black- und dann einen Tedi-Markt beherbergte, 1431 Abstriche genommen. Da durchschnittlich 90 weitere pro Tag hinzukommen, dürften es mittlerweile mehr als 1500 sein. Erst sechs freiwillige Tests mit positivem Ergebnis gab es seither, alle wurden in den vergangenen beiden Wochen bei Reiserückkehrern aus Nicht-Risikogebieten festgestellt.

Dort wähnte sich auch ein Bamberger, der mit in der Schlange steht. Doch drei Tage, nachdem er mit seiner Familie aus dem Korsika-Urlaub zurückgekehrt ist, wurde auch die französische Insel vom Robert-Koch-Institut zum Risikogebiet erklärt. "Da habe ich mich sicherheitshalber testen lassen, das geht hier ja echt schnell." Auch seine Befürchtung, dass er hier dicht gedrängt mit potenziell Erkrankten warten muss, hat sich nicht erfüllt. Der Mann lässt sich ebenso stellvertretend für seine Familie testen wie ein Italien-Rückkehrer, der sagt: "Wenn ich's habe, dann haben es Frau und Kinder wohl auch."

Es ist ein eingespieltes Team aus drei gelernten Krankenschwestern, die montags, mittwochs und freitags von 8 bis 10 Uhr die Wunschtestungen durchführen, daneben werden auch Ärzte und medizinische Fachangestellte im Scheßlitzer Testzentrum eingesetzt. An Dienstagen und Donnerstagen finden derzeit Reihentestungen von Schulen statt, die Lehrer von 15 Landkreis-Schulen wurden bereits getestet, 14 weitere folgen in den nächsten Wochen.

"Das klappt hier alles ganz gut", sagt Stefanie Thyson. Sie gehörte von Anfang an zur Stammbesetzung, die hier die Tests vornimmt. Ganz neu ist, dass die Getesteten nun auch ein Kärtchen bekommen, mit dem sie ihren Befund etwa 24 Stunden nach Probeneingang digital und mit einer anonymisierten Nummer beim Labor abfragen können. Die Abrechnung der Tests läuft über die kassenärztliche Vereinigung, die Kosten trägt am Ende der Freistaat.

"Der Test ist schnell und einfach, die große Herausforderung besteht aber in der damit verbundenen Logistik", betont Udo Kunzmann, Geschäftsführer der gemeinnützigen Krankenhausgesellschaft des Landkreises Bamberg, die das Testzentrum betreibt. Nach einer größeren Nachfrage zum Ende der Urlaubszeit werde die Nachfrage nun langsam ein wenig geringer. Die im gleichen Gebäude installierte Schwerpunkt-Praxis der Kassenärztlichen Vereinigung ist derweil noch "auf Standby", sie wird gegebenenfalls bei einem späteren Bedarf genutzt.

Seit Montag, 18. August, ist auch in der Bamberger Südflur eine Anlaufstelle für freiwillige Covid-19-Abstriche in Betrieb. "1469 Personen wurden getestet, davon 582 Mitarbeiter aus den Bamberger Schulen", sagt Lothar Schnabel, Geschäftsführer des Bereichs Medizin beim MVZ am Bruderwald (Sozialstiftung Bamberg). Alle Tests waren freiwillige Tests, insgesamt gab es hier vier positive Befunde. "Es ist nicht auszuschließen, dass auch Reiserückkehrer einen freiwilligen Test machen ließen, jedoch keine offiziell als Rückkehrer gemeldeten."

In der Bamberger Teststelle arbeiten zwei Festangestellte und zahlreiche Ärzte freiwillig mit. Dort werden jeweils montags, dienstags und donnerstags von 16 bis 18 Uhr freiwillige Testungen vorgenommen, maximal 120 am Tag. "Ich empfehle daher, nach Möglichkeit nicht gerade ganz am Schluss der Öffnungszeiten zu kommen", sagt Schnabel. Ab 13 Uhr sind auch Reihentestungen vorab angemeldeter Gruppen (mindestens jeweils zehn Personen) möglich. "Ein positives Ergebnis bekommt man binnen zwei Tagen mitgeteilt, ein negatives kommt auf dem Postweg in drei bis vier Werktagen an."

Ich wusste schon am Sonntagmittag über die Online-Abfrage beim Labor, dass ich corona-negativ bin - und kann nun entsprechend entspannt auf den offiziellen Befund warten.

Corona-Tests in Stadt und Landkreis Bamberg

Abstrichstelle Scheßlitz Sie befindet sich gegenüber der Juraklinik, Parkplätze sind in ausreichender Zahl vorhanden. Die Öffnungszeiten für freiwillige Tests sind Montag, Mittwoch, Freitag von 8 bis 10 Uhr. Abstrichstelle Bamberg Am Sendelbach 15 werden Montag, Dienstag und Donnerstag von 16 bis 18 Uhr Wunschabstriche gemacht. Die Anfahrt erfolgt über "In der Südflur" und ist mit gelben Pfeilen ausgewiesen.

Wunsch-Abstriche In den beiden Abstrichstellen werden ausschließlich "Wunsch-Abstriche" durchgeführt. Der Patient stellt sich mit seiner Gesundheitskarte während der Öffnungszeiten selbst vor.

Schwerpunktpraxen Für symptomatische Patienten stehen die sechs Schwerpunkt-Praxen zur Verfügung:

Praxis Dr. Perona, Bamberg, Tel. 0951/29 95 230;

Praxis Dres. Rudel/Selder, Bamberg, Tel 0951/4 60 44;

Praxis Dr. Sadri, Hallstadt, Tel. 0951/70 03 91 80;

Praxis Dres. Armann/Fugmann/Jakubass, Memmelsdorf,Tel. 0951/96 43 410;

Praxis KiPraHi (nur für Kinder!), Hirschaid, Tel. 09543/84 030; Wolfram Wagner, Stegaurach, Tel. 0951-29195.

Erkrankte setzen sich mit ihrem Hausarzt bzw. mit der jeweiligen Schwerpunkt-Praxis telefonisch für eine Terminvereinbarung in Verbindung.