Am 17. Verhandlungstag hat die Große Strafkammer das Urteil im Bamberger Rotlicht-Prozess verkündet. Der 55-jährige Winfried E. (Namen geändert) gilt für die Kammer als Drahtzieher hinter diversen Straftaten im Bamberger Rotlicht-Milieu. Zwischen Juni 2016 und Januar 2017 hatte es Brandanschläge auf ein konkurrierendes Bordell im Laubanger und auf Autos gegeben. Gegen E. wurde dafür eine Gesamtstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten verhängt.
Peter U., der sein Nachfolger werden sollte und durch seine Aussage die übrigen Angeklagten schwer belastet hat, wurde zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren zehn Monaten verurteilt. Sein Beitrag zur Aufklärung wirkte sich für U. erheblich strafmildernd aus. Denn neben dem aktuellen Verfahren stand noch ein größerer Drogenprozess im Raum, in dem sich U. nicht mehr verantworten musste. Bis zuletzt stand in dem Prozess Aussage gegen Aussage. U. gab an, dass ihn E. mit den Anschlägen beauftragt habe. E. bestritt, davon vor der Ausführung auch nur gewusst zu haben.
"Es gibt für das Gericht keine Zweifel: E. hatte nach wie vor das Sagen, U. war einverstanden", sagte hingegen Vorsitzender Richter Manfred Schmidt. "Was uns Herr U. erzählt hat, ist glaubhaft bezüglich der Brandstiftung und auch bezüglich der Rolle, die E. dabei spielte." Neben U.s Aussagen gab es für die Kammer eine ganze Reihe von Anhaltspunkte dafür, dass E. die Fäden im Hintergrund zog. Diese reichten vom mitgeschnittenen Telefonat, bei dem U. eingeflüstert wurde, was er zu sagen hat, bis hin zur Bestrafungsaktion für Stefan D. Der war mit einer Prostituierten ausgegangen und wurde dafür von U. verprügelt. Der Bestrafte durfte sich aber noch nicht einmal das Blut abwaschen, bevor E. die Verletzungen gesehen hatte.
Für die übrigen Täter wurden Freiheitsstrafen von eineinhalb bis fünf Jahren neun Monaten verhängt, in zwei Fällen bezog das Gericht größere Vorstrafen mit ein. "Die Angeklagten haben gehaust wie die Vandalen. Sie hatten Spaß daran, Sachen zu zerstören", erklärte Schmidt und verwies auf die Überwachungsvideos aus dem Bordell.
Dass die meisten Angeklagten von der beabsichtigten Brandlegung nichts gewusst hätten, hielt das Gericht nicht für glaubhaft. Die Männer seien an jenem Abend zu sechst in einem Skoda Fabia gefahren. Sebastian O. lag quer auf den Beinen der hinten Sitzenden und hielt den Molotow-Cocktail offen in Händen. "Es wäre völlig lebensfremd, wenn die Tatbeteiligten da nicht gewusst hätten, dass auch eine Brandstiftung geplant ist", sagte der Vorsitzende Richter.
Es habe schon früher Buttersäureanschläge gegeben. "Aber was ab 2016 stattgefunden hat, hatte für Bamberg eine neue Qualität", hatte Schmidt zu Beginn seiner Urteilsbegründung erklärt. Das frühere Rotlicht-Etablissement im Laubanger ist seit dem Brandanschlag nicht mehr in Betrieb.

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