Drei Beutel mit Mineralwasserflaschen schleppt Helmut Götz durch die Pödeldorfer Straße. "Seit heut früh hab ich kein Wasser mehr und keiner sagt einem, was los ist, keiner von der Stadt, kein Hausmeister, keiner. Und ohne Wasser geht nichts", schimpft der Anwohner. Wie Götz geht es an diesem Morgen einigen Bambergern. Zunächst bricht gegen halb zwei in der Weißenburgstraße eine 150-Millimeter-Leitung, an der sieben Hausanschlüsse hängen. Zweieinhalb Stunden später wird ein Schaden an einer deutlich stärkeren Wasserleitung in der Pödeldorfer Straße gemeldet. Wie sich später herausstellt, handelt es sich in diesem Fall um einen Längsriss, ein fünf Meter langes Teilstück muss freigelegt und ausgetauscht werden. "Die beiden Rohrbrüche sind rein zufällig nahezu parallel passiert", sagt Stadtwerke-Pressesprecher Jan Giersberg.
In der Pödeldorfer Straße bildet sich derweil eine kleine Schlange am Hydranten, der von den Stadtwerken für die Anwohner geöffnet wurde. Alexandra Möhrlein und Heike Müller, die in einer nahe gelegenen Metzgerei arbeiten, füllen mehrere Eimer. "Das ist eine Notlösung, aber ohne Wasser können wir gar nichts machen", sagt Müller. "Hoffentlich geht's morgen wieder", fügt Möhrlein hinzu.
Als Ursache für die Rohrbrüche gibt Giersberg in beiden Fällen "Materialermüdung" an, was ihn insbesondere in der Weißenburgstraße wundert, wo die Leitung aus dem Jahr 1972 stammt. Dass das Wasserrohr in der Pödeldorfer Straße noch mal 19 Jahre älter ist, weiß eine Anwohnerin, die sich gerade ihren Kanister am Hydranten füllt. "Ich war früh plötzlich ohne Wasser, kein Tee, keine Toilettenspülung, keine Dusche - ich bin dann halt ins Schwimmbad gegangen", sagt sie und trägt ihren Kanister heim.
"Wenn das Wasser ausfällt, ist das grundsätzlich für die Bewohner unangenehm. In solchen Fällen sieht man immer, wie selbstverständlich die Wasserversorgung für uns geworden ist", sagt Stadtwerke-Sprecher Giersberg. Im Programm "Wasser 2025" gehe es im nächsten Schritt auch um die Erneuerung des Leitungsnetzes im Stadtgebiet.
Gegen 15 Uhr verkündet Giersberg zunächst für die Weißenburgstraße: "Es ist wieder Druck auf der Leitung." Vor Ort kann Monteur Karl-Heinz Bauer auf das frisch geflickte Wasserrohr zeigen, jedoch auch auf nasse Stellen unter dem Asphalt. An beiden Schadensorten hat das Wasser die Straße unterspült, in der Pödeldorfer Straße auch den Radweg. Entsprechend werden jeweils Komplettsperrungen für den Straßenverkehr erforderlich, in der Weißenburgstraße zwischen Zollner- und Eckbertstraße, in der Pödeldorfer Straße im Bereich zwischen Adalbert-Stifter-Straße und Eichendorffstraße.
Wie der städtische Pressesprecher Steffen Schützwohl mitteilt, wird in letzterem Fall "die Sperrung voraussichtlich für mindestens eine Woche aufrechterhalten", bevor die Straße wieder für den Verkehr freigegeben wird. In der Weißenburgstraße werde versucht, noch vor dem Wochenende die Vollsperrung in eine Einbahnstraße mit Fahrtrichtung Pödeldorfer Straße - Weißenburgstraße - Zollnerstraße umzuwandeln. Dass derzeit auch die Zollnerstraße zwischen Berliner Ring bis Weißenburgstraße gesperrt ist, macht es für die Verkehrsteilnehmer freilich nicht leichter. Dis Buslinien 902 und 920 fahren derzeit eine Umleitung über den Berliner Ring, die Haltestelle "Adam-Kraft-Straße" wird derzeit nicht angefahren.
Über einen feuchten Keller klagt am Donnerstagmittag ein Bewohner der Weißenburgstraße. "In solchen Fällen lohnt es sich, uns einzuschalten und zu informieren. Wenn wir dafür verantwortlich sind, dürfte das unsere Versicherung übernehmen", sagt Jan Giersberg von den Stadtwerken.
"Die Kollegen arbeiten heute so lange, bis alle wieder Wasser haben", hat er auch für die Pödeldorfer Straße versprochen. "Wir können dort auch nicht einfach lustig drauflos graben, weil dort eine weitere Wasserleitung und eine Gasleitung liegen." Am Abend fließt dann auch am zweiten Schadensort wieder Wasser durch die Leitung. So kann am Freitag wieder jeder wie gewohnt duschen und Kaffee kochen. Nur die Auto- und Fahrradfahrer müssen noch eine Weile Umwege nehmen.