Eine brutale Messerattacke auf ihren Freund am Heiligen Abend hat einer 33-jährigen Frau aus Bamberg eine vierjährige Haftstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung eingebracht. Das Opfer der häuslichen Gewalt überlebte den Stich mit einem zwölf Zentimeter langen Küchenmesser in die Brust nur, weil die Frau in letzter Minute den Rettungsdienst anrief. Der Beziehung tat der Anschlag aber keinen Abbruch.

Wie immer sind beide kurz vor Mitternacht betrunken. Mit vier Litern Weißwein und einigen Schnäpsen hat sie es auf 2,5 Promille gebracht.

Frau (33) aus Bamberg rammt Lebensgefährten im Vollrausch Messer in die Brust

Er trinkt lieber Bier. Wie immer kommt es zum Streit. Wie immer auch mit "handfesten" Argumenten. "Wenn ich etwas trinke, werde ich depressiv oder wütend," so die Angeklagte.

Dabei geht es doch nur darum, wer an den Feiertagen eingeladen wird - und wer nicht. Es kommt zu Schubsereien und Schlägen auf beiden Seiten. Dann rammt sie ihm einen Eisennagel in den Oberschenkel. Er beendet die "Diskussion" mit einer Ohrfeige. "Ich weiß nur noch, dass ich geflogen bin und am Boden lag."

Das Pech für ihn: Inzwischen ist man in der Küche. Sie greift zu einem der herumliegenden Messer. Dann aber greift sie nicht sofort an, weshalb der Vorsitzende Richter Michael Herbst auch keine Affekttat annimmt.

Beziehungsstreit in Oberfranken endet mit Messer-Attacke

Sie wartet ab, das Messer in der Hand. "Dann haben Sie ihm die Klinge komplett reingerammt," sagt der Vorsitzende Richter Michael Herbst. "Als ehemaliger Familienrichter weiß ich, dass die Weihnachtszeit immer schwierig ist. Aber nicht jeder greift gleich zum Messer."

In Richtung Herz geht der Stoß. Dann zieht sie die Klinge heraus. Mit einer klaffenden Wunde in der Brust geht er zu Boden. Der Stich hat einen der Lungenflügel durchbohrt. Es besteht akute Lebensgefahr. Erst da rief sie den Rettungsdienst. "Ich habe meinen Freund mit einem Messer verletzt." Diese Reaktion, das Ablassen vom wehrlosen Opfer und die Vorarbeit ihres Verteidigers Andreas Dräger werden sie später davor bewahren, wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht zu landen.

Denn dass sie ihren Lebensgefährten hatte töten wollen, daran hatte Richter Herbst keine Zweifel. "Deshalb können wir auch nicht von den vier Jahren Freiheitsstrafe weg." Schließlich war es nicht das erste Mal, dass die Angeklagte ihrem Freund eine Klinge unter die Nase gehalten hatte. Damals hatte er sich noch wehren können. Nun aber kam der Stich für ihn völlig überraschend.

Notoperation rettete dem Opfer das Leben

Dank einer Notoperation im Klinikum Bamberg und tagelanger Überwachung auf der Intensivstation überlebte der Lebensgefährte knapp die Attacke. Wie ernst die Lage war, zeigt sich zwei Monate später, als es zu medizinischen Komplikationen kommt. Heute hat er sich erholt. Nur Atemnot behindert ihn.

Seit den Weihnachtsfeiertagen ist sie im Bezirksklinikum Taufkirchen untergebracht. In der geschlossenen Abteilung wird sie weitere zwei Jahre bleiben. Das hatte der psychiatrische Sachverständige Prof. Hans-Peter Volz aus dem Bezirksklinikum Schloss Werneck gefordert. Er befürwortete eine Therapie, um vom Alkohol und den Drogen loszukommen. Zudem gibt es bei der 33-Jährigen psychische Probleme wie Depressionen, ein Borderline-Syndrom und Suizidgedanken, die wohl alle auf einen sexuellen Missbrauch als 13-Jährige zurückzuführen sind.

"Sie haben toxische Mengen an Alkohol und Drogen zu sich genommen. Das hat ihre Beziehung vergiftet," so Staatsanwalt André Libischer. Er plädierte auf vier Jahre Freiheitsstrafe, dem schloss sich das Schöffengericht an, und die Angeklagte akzeptiert es sofort. Kurios an der Geschichte ist nur, dass die Angeklagte und ihr Partner ihre Beziehung trotz der Bluttat offenbar fortführen wollen.

Kurz nach der Urteilsverkündung kam man sich im Gerichtssaal schon wieder näher. "Ich liebe ihn noch immer über alles." Bei ihm ist es kaum anders.