Kreativität ist eine Diva. Niemand weiß, wann sie kommt, wann sie geht, oder in welche Richtung sie führt. Das wird beim zweiten Hackathon von Bamberg Startups deutlich. Eigentlich machen die Coaches bei der Aufgabenverteilung nur einen Witz: Wer es schafft, auf dem Farbdisplay eines Hightech-Akkubohrers ein Youtube-Video abzuspielen, bekommt einen Sonderpreis.

"Callenge accepted", sagen sich die Computer-Asse Martin und Thomas Müller, Florian Gramß und Alfred Seufert - und hacken sich in die Software. Als am Morgen nach der Tüftlernacht zum Erstaunen der Trainer wirklich ein Video über den Bildschirm flackert, haben die Vier den Sonderpreis sicher. "Das zeigt, wohin so ein Hackathon führen kann", erklärt Coach Andrej Dering von Bosch lachend und lädt die jungen Männer zum Grillabend ein.

Dazwischen liegen fast 24 Stunden Entwicklung in einer trotz Klimaanlage aufgeheizten Besprechungshalle in einem Uni-Gebäude auf der Erba-Insel.
Hackathon: In einer Art Spiel stellen sich die Teilnehmer - die meisten sind Studenten, auch ein paar Studentinnen sind darunter - den Aufgaben, dem Zeitdruck, der Müdigkeit und der Konkurrenz. Nach Raketentreibstoff benannte Energiedrinks stehen bereit. Außerdem jede Menge Spielzeug für Erfinder: Computerplatinen, Sensoren und Technikbaukästen.


Fünf Tüftler

"Meeting Room" heißt die Challenge, der sich Christopher Jakob, Christian Gökl, Philipp Rumpf, Dennis Wagner und Laurence Lutz stellen: "Als Mitarbeiter nehme ich an Besprechungen in Sitzungszimmern teil", lautet die Beschreibung. Das Problem: Der Belegungsplan ist nie aktuell, niemand weiß, wann der Raum wirklich gebraucht wird - oder wo gerade ein passendes Zimmer frei ist. Die fünf Tüftler, bestehend aus zwei Programmierern, einem IT-Manager, einem Marketing-Studenten und einem Usability-Spezialisten legen los. Ihr Programm soll nicht nur Räume schnell buchbar machen und Umbuchungen erlauben, sondern auch erfassen, ob der Beamer funktioniert, und, und, und.

Geräusch-Sensoren nehmen wahr, ob das Zimmer wirklich belegt ist, oder umsonst reserviert wurde. Immer wieder schlagen die Tüftler beim Justieren der Technik mit Gegenständen auf einen Tisch, um die Geräusche zu simulieren. An Schlaf ist nicht zu denken, zumal ein anderes Team Vibrationen auf einer Maschine mit Hilfe eines umfunktionierten Mixers misst.
"Ich habe versucht, mich mal eine halbe Stunde hinzulegen, aber das war zwecklos", erzählt Laurence Lutz hinterher - mit müden aber auch glücklichen Augen, denn für die Erfindung werden er und seine Teamkollegen mit dem ersten Preis belohnt.


Jury begeistert

Die dreiköpfige Jury, bestehend aus Richard Lemke, Geschäftsführer von Favendo, dessen Kollege und Organisator Alexander Knigge sowie Chris Dippold vom Verein Startups sind von der Umsetzung und von der Präsentation begeistert.

Kontaktadressen werden ausgetauscht. Ein Gruppenfoto. Dann ist Fachsimpeln angesagt. "Allein vom Netzwerk her war das hier schon ein großer Erfolg", sagt Coach Andrej Dering. "Der Hackathon ist eine super Gelegenheit, um Leute aus der Gründerszene kennenzulernen", meint auch Coach Max Grimmer vom "Accelerator-Programm" der Mediengruppe Oberfranken (MGO), das die Ideenfindung in der Gründerszene beschleunigen soll und sich beim Hackathon ebenfalls mit einbringt.
Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) ist angetan: "Das Netzwerken ist ein Aspekt, den wir auch im Digitalen Gründerzentrum verfolgen wollen."

Veranstaltungen wie diese seien vorbildlich, um den Wirtschaftsstandort Bamberg weiterzubringen. "Es geht darum, die Ideen, die es gibt, mit den Unternehmen zu vernetzen, die auf neue Ideen warten."
Kein Wunder, dass bei der Siegerehrung auch Personaler in den Reihen sitzen.