Pizzakartons im Hain, leere Flaschen am Michelsberg, übervolle Eimer am Kanal - dass die Müll-Problematik die Bamberger bewegt, muss auch Jonas Glüsenkamp feststellen. Denn der Zweite Bürgermeister wurde in seiner noch jungen Amtszeit auf kein anderes Thema häufiger angesprochen.

Nachdem seine Grünen-Fraktion bereits im November ein "Maßnahmenpaket gegen Müll" beantragt hatte, will Glüsenkamp ämterübergreifend weiter nach Lösungen suchen. An der Spitze des Mobilitätssenats hat er nun zu einer Art Denkfabrik aufgerufen, wie man dem Problem in Bamberg am besten begegnen könne. Die bisherigen Vorschläge reichen vom Appell an die gute Kinderstube über verschiedenste Mehrweg-Ansätze bis hin zu "drakonischen Strafen".

Klaus Stieringer (SPD) hält neben Bußgeldern aber auch die Kölner Aktion "Grüne Füße" für nachahmenswert, die den Weg zum nächsten Abfallbehälter weist. Andreas Eichenseher (Grünes Bamberg) will dem Problem unter anderem spielerisch über ein "Kronkorken-Voting" begegnen.

Wir geben einen Überblick über einige konkrete Maßnahmen und abstrakte Ideen, die der Müllflut in Bamberg Einhalt gebieten sollen.

Kontrollen und Strafen

"Wo die gute Elternstube versagt, hilft nur der Griff ans Portemonnaie", sagt Klaus Stieringer (SPD). Er forderte im Mobilitätssenat "drakonische Strafen" für Müllsünder. Anna Niedermaier (CSU) hat in diesem Zusammenhang auch die "kleinen Giftbomben" im Blick: die zu Tausenden auf den Gehsteigen liegenden Zigarettenkippen. Hier könne aus ihrer Sicht ein Bußgeld erzieherisch wirken - wie in Wiesbaden, wo pro Kippe 50 Euro fällig werden

Dass es im Michaelsberger Garten immer wieder Müll- und Flaschenberge gibt, hat uns ein Leser mitgeteilt. Seit denn neuesten Stehbier-Einschränkungen in der Innenstadt habe dort die Flaschenflut noch zugenommen. "Da helfen keine Appelle. Ordnungsamt oder Zivilpolizei müssten abends regelmäßig kontrollieren", fordert der Anwohner.

Claus Reinhardt aus dem städtischen Baureferat hatte sich auf unsere Anfrage jedoch skeptisch dazu geäußert, dass das Problem mit Kontrolleuren gelöst werden könnte: "Wer was wegschmeißen will, tut das erst, wenn grad keiner da ist." Er appelliert weiterhin an die Vernunft der Bamberger und Gäste. Mehr Müllbehälter

"Wir haben zu wenige und zu kleine Müllbehälter", beklagt unter anderem Martin Pöhner (FDP). Dass Menschen auch die Parks zu ihren Wohnzimmern machen, sei Teil der heutigen Lebenswirklichkeit. An diese Entwicklung müsse die Infrastruktur angepasst werden. Pöhner fordert in dieser Sache "auch die Stadtränder stärker in den Blick zu nehmen".

Seitens des Umweltamtes ist es "unbestritten, dass gestiegene Touristenströme, die gewachsene Zahl an Studierenden und (vor Corona) die Zunahme kommerzieller Veranstaltungen, aber auch das veränderte Konsumverhalten dazu beitragen, dass die Abfallmengen, die über öffentliche Mülleimer gesammelt werden müssen, zunehmen". Der Entsorgungs- und Baubetrieb (EBB) begegne dem mit der Aufstellung weiterer, deutlich größerer und ansprechender Abfallsammelbehälter sowie einem verdichteten Leerungszyklus.

Allerdings solle durch noch mehr Behälter keineswegs eine andere Entwicklung vorangetrieben werden: Immer mehr öffentliche Mülleimer quellen über, weil dort illegal Hausmüll entsorgt wird.

Mehr Mehrweg

Müll, der erst gar nicht entsteht, muss auch nicht entsorgt werden. Dass aber coronabedingt auch der Einsatz von Mehrweg-Geschirr eingebrochen ist, musste auch Andreas Eichenseher (Grünes Bamberg) feststellen. Insgesamt sieht er aber viele Möglichkeiten, zusätzliche Mehrweg-Lösungen zu finden - bis hin zum wiederverwendbaren Pizzakarton.

Das Umweltamt erklärt, "dass seitens der Händler primär konkrete Leitfäden und Empfehlungen für den hygienisch einwandfreien Umgang mit Mehrwegbehältern hilfreich wären". Auf eine Anregung aus der Bürgerkonferenz hin soll sich auch die Initiative "Einmal ohne, bitte" in Bamberg etablieren. Diese kennzeichnet mittlerweile fast 400 Geschäfte, in denen mit Mehrwegbehältern eingekauft werden kann.

Die Verwaltung will Ressourcen, Erfahrungswerte und Bekanntheit der bereits bestehenden Initiative nutzen und kein eigenes Anreizsystem zu etablieren. Aufgrund der Corona-Situation konnten bislang aber erst zwei Bamberger Geschäfte für "Einmal ohne, bitte" gewonnen werden.

Plastikfreies Bamberg

Im September 2019 hat der Stadtrat die Initiative Bamberg "Bamberg plastikfrei" beschlossen. Die soll auch dazu beitragen, die Kunststoffmüllmenge auf hiesigen Plätzen und Wiesen sowie Mikroplastik weltweit zu reduzieren. Bamberger Parküberwacher packen ihre Knöllchen inzwischen nicht mehr in Plastikhüllen, Anwohnerausweise werden nicht mehr laminiert, Schulen installieren zusätzliche Trinkwasserbrunnen. Auf einer Bürgerkonferenz zum Thema wurden im Januar unter anderem sogenannte "Taschenbäume" vorgeschlagen. Entsprechende, von der Lebenshilfe angefertigte Taschenbäume sollen in der Stadt etabliert werden und dazu beitragen, "Plastiktüten zu vermeiden und Ressourcen wiederzuverwenden".

Im Rahmen der Maßnahme "Plastikfreier Markt" ist laut Umweltamt von einigen Marktleuten zwischenzeitlich das Modell einer Mehrwegtasche realisiert worden. Auch die Kundschaft bringe selbst Stoffbeutel oder Boxen zum Einkaufen mit, die die Händler dann mit der Ware befüllen. Allerdings stieg in Zeiten der Corona-Pandemie die Nachfrage nach Papier- und Plastiktüten wieder deutlich an.

Bewusstsein schaffen

An Versuchen, die Bürger zu einer besseren Müllmoral zu erziehen, herrscht weder in Bamberg, noch in anderen Städten ein Mangel. Mit Blick auf die "Vermüllung" anderer Städte wurde im Umweltsenat schon im November festgestellt, "dass vielfach die gleichen Mittel angewendet werden, sei es mit Aufkleber- und Plakataktionen, Beschilderungen, Aktionstagen, Öffentlichkeitsarbeit, Unterstützung bei Müllsammelaktionen, Bußgeldkatalogen und Ordnungsdiensten". In Bamberg habe das Umweltamt bereits seit Ende der 80er Jahre verschiedenste Maßnahmen durchgeführt, unter anderem jährliche Umwelttage oder Aktionen zur Abfallvermeidung mit Schulklassen. Im Zuge der aktuellen Diskussion gibt es Ansätze, wie man weiter Bewusstsein schaffen könnte, von der Müll-App bis zum "Müllmonster".

Von einem "Erziehungsproblem" spricht hingegen Franz-Wilhelm Heller (CSU): "Die Leute sind nicht erzogen und die öffentliche Hand muss kostspielig den Müll entfernen." Andreas Triffo (BBB) möchte Bürger ermutigen, Müllsünder auf ihr Fehlverhalten anzusprechen.