Viele Gläubige aus Mistendorf, Zeegendorf, Tiefenhöchstadt, Hochstall, Kälberberg und anderen Gemeinden aus der näheren Umgebung zogen bisher jedes Jahr am Fest Mariä Geburt von der Pfarrkirche in Mistendorf singend und betend zur Kapelle auf den Steinknock. Begleitet von den Kirchenfahnen, verschiedenen Heiligenfiguren, der Kirchenmusik und zahlreichen Vereinsabordnungen wird das Allerheiligste in der Monstranz vom Priester zur Marienkapelle auf den Steinknock getragen.

Zur großen Freude der Gläubigen übernahm 2009 Erzbischof Ludwig Schick diese Aufgabe. Über 30 Jahre lang kamen sogar Gläubige aus Hof zur Prozession nach Mistendorf.

Die Sakramentsprozession findet im Gedenken an die Einweihung der Kapelle am 8. September 1895 statt. Der Steinknock und die Prozession sind eng verbunden mit dem Leben und Wirken von Pfarrer Otto Wohlleber, dem 2017 verstorbenen letzten Mistendorfer Pfarrer.

Hostie 1659 gefunden

Die Wallfahrt hat ihren Ursprung im Auffinden einer Hostie 1659 auf einer Anhöhe südöstlich von Mistendorf. Auf Drängen der Seherin Maria Drechsler aus Zeegendorf fanden die Pfarrer Christoph Reinhard aus Mistendorf und Heinrich Hagedorn aus Geisfeld eine große Hostie in einem Eichenstock auf dem Steinknock. An dem Fundort wurde eine kleine Holzkapelle errichtet und schnell begannen Wallfahrten dorthin. Die jetzige Kapelle, eine neugotische Steinquaderkapelle, entstand 1894/95, unter anderem dank einer großzügigen Spende von Philipp und Margareta Schmitt aus Bamberg. Die Pläne stammten von Gustav Haeberle.

Baumstück im Altar

Das Baumstück, in dem man die Hostie gefunden hatte, wurde aus der alten Kapelle übernommen und in den neuen Altar integriert. Bis heute kommen Gläubige, um ihre Anliegen vor zu bringen und für erwiesene Hilfe zu danken. Zahlreiche Votiv- und Opfergaben sind hinterlegt worden. Eines der bedeutendsten Kunstwerke im Inneren der Kapelle ist das sogenannte Steinknockbild. Es wurde 1909 vom Nürnberger Maler Heinrich Dubois geschaffen und zeigt einerseits die Verherrlichung der Eucharistie und andererseits den Weg der Prozession zum Gnadenort.

Durch die Forschungen von Josef Zeis und Stephan Hübschmann ist die Geschichte des Hostienfundes, die der Kapellen und der Wallfahrten anschaulich dargestellt worden. Bereits 1930 hatte der Staffelsteiner Kaplan und Heimatforscher Martin Förtsch die Vernehmungsprotokolle zu den Erscheinungen von Maria Drechsler im Staatsarchiv Bamberg entdeckt.

Eine enge Verbundenheit mit dem Steinknock hat auch der Mistendorfer Pfarrgemeinderatsvorsitzende und Kirchenpfleger von Zeegendorf Adam Schmitt. Sein Großvater hatte eine Herz-Jesu-Statue für die Kapelle gestiftet, als Dank dafür, dass er die Schrecken des Ersten Weltkrieges überlebt hat. Er ist schon als kleiner Bub immer bei den Prozessionen mit dabei gewesen. Seit 1998 ist er der Vorbeter bei der Sakramentsprozession.

Die Kapelle ist an den Wochenenden und an den Feiertagen für das persönliche Gebet geöffnet. Der Steinknock ist nach wie vor ein stiller Ort der Andacht, weit weg von allem weltlichen Trubel. Adam Schmitt würde sich wünschen, dass die Prozession auf den Steinknock weiter gepflegt wird und "nicht wieder in eine Art Dornröschenschlaf fällt" und auch die nachfolgende Generation das "kulturelle und religiöse Erbe wertschätzt".