Praktisch veranlagt ist Gerhard Förch nun nicht gerade. Der promovierte Theologe bringt keinen Nagel in die Wand. Und einen grünen Daumen hat er auch nicht. Um den Garten an seiner Parterrewohnung in der Hauptsmoorstraße kümmert sich ausschließlich seine Haushälterin. Aber Freude hat der frühere Dompfarrer und Domkapitular an allem, was da so blüht und gedeiht - und langsam reift, wie einst sein Wunsch, Priester zu werden.

Das ist nun einige Jahrzehnte her: Vor 50 Jahren, am 28. Juni 1970, wurde Gerhard Förch von Erzbischof Josef Schneider mit neun weiteren jungen Männern zum Priester geweiht. Und zwar nicht - wie sonst üblich - im Bamberger Dom, sondern in der Pfarrkirche St. Kunigund. Der Dom war damals Baustelle. Ein Sinnbild für ein Priesterleben, das es zu bewältigen und zu gestalten galt.

"Ich würde mich heute wieder für diesen Beruf entscheiden, ich bin nach wie vor bereit, dem Herrn und den Menschen zu dienen und das Wort Gottes zu verkünden", sagt Gerhard Förch gegenüber unserer Zeitung. Und: "Es ist ein Geschenk, dass ich nie an meiner Berufung gezweifelt habe." Das ermöglicht dem 76-Jährigen auch weiterhin, trotz offiziellem Ruhestand aktiv zu bleiben im kirchlichen Leben der Stadt. Für ihn bedeutet das Kürzel "i.R." eben "in Reichweite". Das heißt, dass Gerhard Förch im Seelsorgebereich Bamberger Osten aushilft, wo Not am Priester ist. Dass er regelmäßig Gottesdienste feiert in St. Kunigund, St. Anna, St. Heinrich oder in der Heilig-Grab-Kirche. Gelegentlich übernimmt er auch Taufen und Hochzeiten. Erfüllt seine Aufgaben als Vorsitzender des Klerusvereins. Und wird in allem seinem Ruf gerecht, ein ausgleichender und Frieden stiftender Zeitgenosse zu sein.

Konflikte lösen im Gespräch

Diesen Ruf hat sich Gerhard Förch besonders in seinen Funktionen in der Bistumsleitung und als Regionaldekan erworben. "Ich löse Konflikte im Gespräch", lautet seine Devise. So schnell bringt ihn ohnehin nichts aus der Ruhe, auch wenn es eine gewisse Toleranzgrenze gibt. Dieses Naturell erleichterte die Aufgabenfülle, die sich dem gebürtigen Fürther in seinem Leben stellt. Er studierte in Innsbruck, wo er das Internationale Priesterseminar der Jesuiten mit seinen Bewohnern aus allen Kontinenten als große Bereicherung erlebte. Nach Kaplansjahren in Ansbach wurde Förch Diözesanjugendseelsorger: "Aus diesen Jahren ist mir die Antenne für junge Menschen geblieben", erklärt er.

Zehn Jahre war er dann Pfarrer in Bamberg St. Kunigund, danach Pfarrer in Ansbach, bis er 1998 an die Spitze der Dompfarrei gerufen wurde. Mit 70 Jahren begann für ihn der "Unruhestand".

Heute ist Gerhard Förch nur noch selten auf dem Domberg. Er bleibt erdverhaftet bei allem Suchen nach spirituellem Rüstzeug, interessiert an den Entwicklungen in Theologie, Kirche, Politik und Gesellschaft. Und sportlich! Schon bevor Erzbischof Ludwig Schick dem Joggen in Bamberg neuen Auftrieb gab, lief Gerhard Förch seine täglichen Kilometer in flottem Tempo. Auch jetzt hält er sich mit "Laufen bis zum Schwitzen", mit Nordic-Walking und Krafttraining fit.

Coronabedingt wird Gerhard Förch sein Goldenes Priesterjubiläum eher still verbringen. Am Sonntag, 28. Juni, feiert er um 10.30 Uhr in St. Kunigund den Dankgottesdienst. Doch im nächsten Jahr, am 27. Juni 2021, soll in größerem Rahmen die Feier nachgeholt werden. Der Jubilar bittet schon jetzt darum, von persönlichen Geschenken an ihn abzusehen. Er möchte vielmehr eine Zuwendung für das Kinderhospiz und den Zirkus Giovanni des Don Bosco-Jugendwerks.