Nachdem die Amateurvereine in Bayern, an der Spitze die Fußballklubs, vehment - auch unter Androhung rechtlicher Schritte - auf eine Saisonstart mit Zuschauern gedrängt haben, machen nun auch die Profivereine der Hallensportarten Druck auf die Politik.

Während ab dem Wochenende 19. September auf Amateurebene 200 Zuschauer drinnen und 400 im Freien zugelassen sind, wartet der Profisport wenige Wochen vor dem Saisonauftakt weiter auf Entscheidungen der Politik. Vor allem in der Handball-Bundesliga drängt die Zeit bis zum Saisonauftakt am 1. Oktober.

Besonders die beiden fränkischen Vertreter, HC Erlangen und HSC 2000 Coburg, stehen noch vor einer Reihe bürokratischer Hürden. Am Donnerstagabend standen sich die beiden fränkischen Rivalen in einem Testspiel in der Coburger HUK-Arena gegenüber - Erlangen behielt mit 31:30 die Oberhand. Geplant war, dass beide Teams am Freitag und Samstag an gleicher Stelle jeweils gegen den sächsischen Bundesligisten SC DHfK Leipzig testen. Doch beide Spiele wurden gestrichen, denn eine Genehmigung für Vorbereitungsspiele gegen nicht-bayerische Mannschaften auf bayerischem Boden liegt den Vereinen noch immer nicht vor.

HSC Coburg

Das Hygienekonzept der Handball-Bundesliga musste zur Billigung der bayerischen Landesregierung vorgelegt werden - und die Prüfung läuft noch. "Für uns ist das eine unbefriedigende Situation, unsere Vorbereitung wird dadurch massiv beeinflusst. Wir sind quasi nur am Fahren", sagt HSC-Geschäftsführer Jan Gorr. Die Coburger absolvieren in den kommenden zwei Wochen Testpartien in Dresden, Hannover und Eisenach. Und ob der Coburger Heimauftakt in der Bundesliga am 6. Oktober gegen Leipzig vor Publikum stattfinden kann, ist noch völlig offen. An fehlender Akribie und Fleiß von Jan Gorr, der erst vor wenigen Wochen von der Trainerbank ins Büro wechselte, liegt das nicht. Der Geschäftsführer hat den örtlichen Behörden jüngst nach einer Hallenbegehung ein 96-seitiges Konzept für die Coburger Heimspielstätte übergeben. "Für unser Team hinter den Kulissen ist das aktuell eine sehr anspruchsvolle Zeit", so Gorr, der beim Thema Zuschauer in den nächsten Tagen auf eine bundeseinheitliche Lösung für Profivereine hofft.

HC Erlangen

Im Durchschnitt begrüßt der HC Erlangen bei seinen Heimspielen in der Nürnberger Arena 5000 Zuschauer. Die maximale Kapazität liegt bei 8500. Bis zu 4000 sollen es laut Hygienekonzept des Handball-Bundesligisten trotz Corona-Krise sein. "Wir haben unser Konzept bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und der Gesundheitsbehörde vorgelegt", sagt Geschäftsführer René Selke. Die zuständige Stelle in Nürnberg habe es wohlwollend zur Kenntnis genommen. Sofern die Regierung der Forderung aus dem offenen Brief nachgibt, dürfte es also zur Anwendung kommen. Damit der Verein nicht bei jeder Zu- und Abnahme der regionalen Infektionszahlen reagieren muss, umfassen die Pläne des HCE einen Korridor von 2000 bis 4000 Heimfans. Für den Fall, dass nach wie vor kein größeres Publikum erlaubt wird, habe der HC eine Rückkehr in die Erlanger Karl-Heinz-Hiersemann-Halle erwogen.

Brose Bamberg

Damit die Heimspiele für die Bamberger Brose-Basketballer kein Draufzahlgeschäft werden, benötigen sie nach Angaben von Mediendirektor Thorsten Vogt mindestens 2000 zahlende Zuschauer pro Partie. Ob der neunfache deutsche Meister so viele Besucher in die Halle lassen darf, wird vom Hygienekonzept abhängen, das der Verein derzeit erstellt. Es basiert auf dem Hygienekonzept der Basketball-Bundesliga, das diese für ihre Vereine ausgearbeitet hat.

In der kommenden Woche führt ein von Brose Bamberg beauftragtes Institut Aerosoltests in der Brose-Arena durch. "Anhand der Ergebnisse werden die Fachleute eine Empfehlung abgeben, wie viele Zuschauer zugelassen werden sollten", sagt Vogt. Die so ermittelte Besucherzahl fließt in das Hygienekonzept ein, das Brose Bamberg dem örtlichen Gesundheitsamt Ende September zur Genehmigung vorlegen will. Ihr erstes Heimspiel bestreiten die Bamberger am 14. Oktober in der Champions League. Die Bundesliga startet am 7. November.

BBC Coburg

Beim Basketball-Drittligisten BBC Coburg erklärt Martin Vogel, Leiter Kommunikation: "Wir sind uns unserer Verantwortung voll bewusst: Die Verhinderung von Superspreader-Veranstaltungen und höchste Hygienestandards sind für uns oberstes Gebot. Aber wir müssen die Chance erhalten, wirtschaftlich vernünftig und mit der gebotenen Vorsicht arbeiten zu dürfen, ohne pauschal an die Kette gelegt zu werden."

Bayreuth Tigers

Der Eishockey-Zweitligist Bayreuth Tigers hat bereits ein Konzept bei der Stadt eingereicht. "Die Genehmigung haben wir bekommen, allerdings unter dem Vorbehalt eines Okays der Landesregierung", sagt Jannik Meinberg, Assistent der Tigers-Geschäftsführung, ohne ins Detail gehen zu wollen. Die DEL2 startet am 6. November. Aufgrund seiner halboffenen und somit gut durchgelüfteten Halle dürfte der Zweitligist aber nicht vor größere Probleme gestellt werden. Das Eisstadion fasst 4560 Zuschauer. Der Besucherschnitt in der vergangenen Saison betrug 1700.

Hammelburg Volleys

Volleyball-Zweitligist Hammelburg wird in der Saaletalhalle normalerweise von 600 Zuschauern unterstützt. Die Vereine warten noch auf die Prüfung des Hygienekonzepts der Volleyball-Bundesliga (VBL) durch die Landesregierung. "Erst danach stellt sich die Frage, wie viele Zuschauer das Gesundheitsamt Bad Kissingen zulässt", sagt Pressesprecher Olly Wendt. "Bisher hat man uns 200 Fans avisiert."