Als "Wundertüte", bei der man bekanntlich nie weiß, was herauskommt, bezeichnete Rolf Beyer das Brose-Team vor dem Halbfinal-Auftakt in München. Gleichzeitig freute sich der Geschäftsführer, dass die Mannschaft von Luca Banchi im Viertelfinale gegen Bonn erstmals in dieser Saison über drei Spiele in Folge konstant gute Leistungen abrufen konnte. Doch der blamable Auftritt beim Titelanwärter und die 72:95-Packung zeigten überdeutlich, dass die Mannschaft, die diese Bezeichnung eigentlich gar nicht verdient hatte, auswärts immer noch alles andere als stabil ist.
Deshalb steht der deutsche Meister am heutigen Mittwoch (20 Uhr/Sport1 live) in Spiel 2 der "best-of-five"-Serie mit dem Rücken zur Wand: Verlieren Daniel Hackett & Co., dürfte die Partie das letzte Heimspiel in dieser Saison gewesen sein.
Es kann für das Brose-Team mit der Roten Wand im Rücken nur besser werden: Vielleicht so gut wie 2013 und 2015, als die Bamberger trotz der Auftaktniederlagen die Halbfinalserie mit 3:2 gewannen. Damals besaß der spätere Meister aber den Heimvorteil - und es stand eine eingeschworene Mannschaft auf dem Parkett, die mit großer Charakterstärke und hoher individueller Qualität in der Lage war, jeden Gegner niederzuringen.


"Werden alles für Ausgleich tun"

"Wir müssen sterben: in der Verteidigung, in der Offensive, in jeder einzelnen Spielsituation. Es darf nicht sein, dass wir uns wie in München nochmals in dieser Serie präsentieren. Wir werden alles dafür tun, um auszugleichen", betont Banchi, dass seine Jungs mit Leidenschaft um den Ausgleich in der Serie und damit zumindest ein zweites Heimspiel am nächsten Dienstag in Bamberg kämpfen werden.
Während bei den Bambergern nach Spiel 1 Ernüchterung im Kampf um die Titelverteidigung einkehrte, schweben die Münchner, die im Viertelfinale gegen den Tabellenachten aus Frankfurt über fünf Spiele hart kämpfen mussten, bis der Einzug in die Runde der letzten vier feststand, auf Wolke 7. "Ich habe immer gesagt, wir müssen von Anfang an führen, dann läuft es. Dass wir es können, haben wir oft genug bewiesen", freute sich Klub-Präsident Uli Hoeneß und betonte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass der Sieg nach der Pokalpleite der Fußballer "eine gute Ablenkung" gewesen sei.
Aufbauend auf einer aggressiven Verteidigung zauberten die Münchner am Sonntag in der Offensive und demütigten die Bamberger. Das Dunking mit einer vorausgegangen 360-Grad-Drehung des überragenden Jared Cunningham war dabei aus Bayernsicht der Höhepunkt einer eindrucksvollen Vorstellung. Und dabei fehlten den Münchnern mit Vladimir Lucic (Schulterverletzung) und dem in Spiel 5 der Viertelfinalserie überragenden Stefan Jovic (muskuläre Probleme) zwei wichtige Akteure. Doch Cunningham, Nihad Djedovic, Reggie Redding und Devin Booker zeigten, dass es auch ohne die beiden Leistungsträger geht.
"Ich gehe davon aus, dass die Bamberger im nächsten Spiel ein ganz anderes Gesicht zeigen werden", drückte Bayern-Coach Dejan Radonjic bereits nach Spiel 1 auf die Euphoriebremse, wohl wissend, dass seine Jungs in dieser Saison trotz klarer Führungen am Ende auch schon einige Male das Parkett als Verlierer verlassen hatten.


Bayern will Wachablösung

Die Münchner haben ihre Lehren aus den phasenweise schwachen Auftritten im Viertelfinale gegen Frankfurt gezogen. "Sie haben etwas, das wir wollen", hatte Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic schon vor Beginn der Halbfinalserie den Anspruch auf den Titel angemeldet.
Es bleibt abzuwarten, wie das Brose-Team das Debakel vom Sonntag aufgearbeitet hat und mit welchem Gesicht es sich heute in dieser vorentscheidenden Schlacht präsentiert.