Das Projekt sollte groß werden, nicht umsonst hatten die Heitec Volleys aus Eltmann nach dem Bundesliga-Aufstieg entschieden, ihre unterfränkische Heimat zu verlassen. In Bamberg hatten sie VIP-Räume, wollten einen neuen Markt erschließen und Tausende Zuschauer in die große Brose-Arena locken, so wie es die Bundesliga-Basketballer von Brose Bamberg seit Jahren vormachen.

Doch das zur Saison 2019/20 so ambitioniert gestartete Projekt war schon nach Wochen krachend gescheitert, irgendwo auf der A70 ist die Identität verloren gegangen. Weil ähnlich wenig Tickets abgesetzt wurden wie Punkte auf dem Konto standen, verlor der Hauptsponsor nach kurzer Zeit den Glauben an eine Besserung. Kurz vor Weihnachten 2019 und nach nur wenigen Spielen reichte die Eltmann Volleys GmbH ihren Insolvenzantrag ein.

Ein Dreivierteljahr später wagt der Verein einen Neustart in der 3. Liga Ost. Und vieles soll anders sein: bodenständiger, kleiner - aber ambitioniert.

Rolf Werner hilft mit

"Als Aufsteiger hätten wir mehr Bescheidenheit vorleben sollen", sagt Rolf Werner rückblickend. Der 64-Jährige ist einer von mehreren Vorständen des Stammvereins VC Eltmann und trieb die Professionalisierung sowie die Gründung der Spielbetriebs GmbH voran. Das Aus der Heitec Volleys war eine schwere, persönliche Niederlage. Er galt vielen als der Hauptschuldige der Misere. Noch während der laufenden Saison zog er sich aus dem operativen Geschäft zurück.

"Meine Motivation war, das Projekt mit anzuschieben, um dann einen Sportlichen Leiter zu finden bzw. aufzubauen, der meine Aufgaben übernimmt. Das ist uns leider nicht gelungen", sagt Werner: "Es hat sich dann eine Eigendynamik entwickelt, die wir nicht auf dem Schirm hatten. Über die einzelnen Gründe kann ich nichts sagen, da es sich um ein schwebendes Insolvenzverfahren handelt. Als die wirtschaftliche Situation aber immer schlechter wurde, blieb ja gar nichts mehr anderes übrig, als dass ich mich aus dem aktiven Geschäft zurückziehe."

Den Posten als Vorstand des VC hatte er aber weiter inne, und weil sich auch die Mitglieder dafür ausgesprochen hätten, arbeitet er nun am Wiederaufbau maßgeblich mit. "Ich zähle mich zu den Kämpfern. Nach 40 Jahren hätte ich auch komplett aufhören können, aber ich möchte Verantwortung übernehmen. Und die Mitglieder wollten, dass es mit dem VC weitergeht. Den Neustart sind wir besonders Peter schuldig", sagt Werner. Nach dem sportlichen Niedergang traf vor wenigen Wochen der Tod von Peter Knieling den Verein im Mark. Knieling war seit Jahrzehnten die prägende Figur im Verein: Vorsitzender, Mädchen für alles und Mr. Volleyball. "Was Peter alles gemacht hat, kann ein Einzelner gar nicht leisten", sagt Werner.

Als klar war, dass es weitergehen sollte, schlossen sich zwölf Personen rund um den alten VC-Vorstand zusammen, gründeten Arbeitsgruppen und planten, wie der neue VC aussehen soll. "Der Verein hat gebraucht, die vergangenen Monate wegzustecken. Wir sind dankbar, dass sich neue Menschen engagieren. Es geht jetzt nicht darum, sportliche Ziele zu formulieren, sondern den Verein zukunftsfähig aufzustellen und beispielsweise die Nachwuchsarbeit neu zu strukturieren", sagt Werner.

Mit den Fehltritten der jüngsten Vergangenheit geht die 12er-Gruppe offen um, wie aus einem Statement auf der Homepage hervorgeht: "Heitec Volleys, hier lagen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Was jeder verstanden und gelebt hat, war nicht immer deckungsgleich. Was folgte, waren Überforderung, Selbstinteresse, die Angst, etwas zu verlieren, falsches Verständnis, was für den Verein richtig und wichtig ist, sowie fehlendes Vertrauen in die Vereinsmitglieder."

Heimspiel in der 3. Liga Ost

Von großen Zielen träumt in Eltmann zwar schon länger keiner mehr, trotzdem stellen die Unterfranken eine schlagkräftige Truppe, wenn am Samstag um 19.30 Uhr in der Georg-Schäfer-Halle die Saison in der 3. Liga Ost gegen den VSV Jena beginnt.

Zehn von zwölf Spielern haben bereits in der 2. Liga gespielt. Tobias Werner und Marko Knauer standen vergangene Saison noch im Erstliga-Kader und zählen nun ebenso zum neuen Team wie der erfahrene Kapitän Sebastian Richter, Libero Max Kolbe, Branko Damjanovic, Bruno Simunic, Eigengewächs Hansi Nürnberger oder Johannes Engel. Letzterer fehlt aber länger nach einem Achillessehnenriss. Dazu kommt mit Felix Reschke ein neuer und junger Cheftrainer, der erstmals in der Hauptverantwortung steht, vergangene Saison aber bereits als Co-Trainer und Scout für die Heitec Volleys aktiv war.

"Es ist eine sehr erfahrene Mannschaft, die sich auf dem Papier bestimmt stark liest. In diesem Jahr ist aber sehr viel passiert. Das Aus der Heitec Volleys, der Tod von Peter, dazu die Corona-Krise. Es ist vieles kompliziert. Wir konnten erst seit Ende August trainieren und hatten viel zu wenig Vorbereitung. Das geht anderen Vereinen sicher ähnlich. In dieser Saison ist eben nichts normal."

Nur 84 Zuschauer zugelassen

Diese Einschätzung wird sich schon am Samstag bestätigen, denn nach jetzigem Stand sind für das erste Heimspiel lediglich 84 Zuschauer zugelassen. Zwar wären bis zu 200 Personen möglich, aber nur mit personalisierten Tickets im Vorfeld. So gibt es lediglich eine Abendkasse, die eine Stunde vor dem Spiel öffnet.

"Wir probieren es mit dieser Lösung und ziehen unsere Schlüsse. Es weiß ja niemand, ob es bei diesen 84 Zuschauern bleibt, ob es mehr oder weniger werden. Wir alle müssen uns mit der Situation arrangieren. Auf Heimspiele, wie wir sie aus der Vergangenheit kennen, müssen wir uns sicher noch gedulden", sagt Werner. Das Entscheidende ist aber: Der Volleyball in Eltmann hat wieder eine Zukunft.

SG Neudrossenfeld/Hollfeld: Trainer, bitte melde dich!

Carsten Böhm hat alles versucht, aber ein Trainer mit B-Lizenz war für die Volleyballerinnen der SG Neudrossenfeld/Hollfeld nicht aufzutreiben. "Ich weiß nicht mehr, wen ich noch fragen soll. Wir haben sogar Inserate auf der Verbands-Homepage geschaltet. Es kamen null Bewerbungen. Wie es aussieht, gehen wir ohne Trainer in die Saison", sagt der Abteilungsleiter. Dabei hatte sogar die Aussicht gewunken, ein Regionalliga-Team zu trainieren. Nach dem Abbruch der Bayernliga-Saison hatten sich die Young Volleys als Tabellenführer für einen Start in dieser Liga qualifiziert. Aber: Der bisherige Trainer Hannes Willmer hatte aus beruflichen Gründen seinen Abschied verkündet, vier Leistungsträgerinnen ebenfalls. "Unsere ländliche Region ist ein Nachteil, in Ballungsgebieten ist das Angebot an Trainern viel größer. Dazu sind wir ein kleiner Verein, uns fehlt außerdem der Männer-Volleyball, der potenzielle Trainer anziehen würde", so Böhm. Bei all der Ungewissheit haben die Volleys von der Regionalliga Abstand genommen und bleiben Bayernligist. Das Problem: Auch dort ist ein Trainer mit B-Lizenz vorgeschrieben. "Wir können nur eine Trainerin mit C-Lizenz melden und müssen eine Strafe zahlen. Dafür dürfen wir aber an den Start gehen", so Böhm. Bis zum ersten Spiel am 10. Oktober trainiert sich das Team in Eigenregie. Vielleicht geschieht ja noch ein kleines Wunder - und irgendwo taucht ein Trainer auf.

VG Bamberg: Regionalliga ist Geschichte

Das Kapitel Regionalliga ist für die VG Bamberg vorerst beendet: Seit der Saison 2013/2014 haben die Volleyballarinas durchgängig in der vierthöchsten Liga in Deutschland gespielt. Vor Beginn dieser Saison entschlossen sich die Verantwortlichen allerdings, das Team nicht mehr in der Regionalliga zu melden. "Wir hatten einige Abgänge und es hat sich angedeutet, dass es schwer werden wird, eine konkurrenzfähige Mannschaft zu stellen", sagt Fritz Müller, der Vorsitzende der VG. Die erste Mannschaft spielt nun eine Liga tiefer in der Bayernliga, die zweite Mannschaft startet in der Bezirksliga und Team III ganz unten in der Kreisliga. Die Gründe für den selbstgewählten Rückzug: In der langen Corona-Pause hat sich das Gesicht der ersten Mannschaft grundlegend verändert, die Abgänge konnten nicht adäquat aufgefangen werden. "Dazu sind uns in der Corona-Zeit einige Sponsoren weggebrochen, auch bei der zweiten Mannschaft. Auf diese Gelder sind wir aber sehr stark angewiesen. Der Rückzug aus der Regionalliga hat in dieser Situation Sinn gemacht", sagt Müller. Veränderungen gibt es bei den Volleyballarinas auch auf der Trainerposition: Max Kolbe steht nicht mehr zur Verfügung, er wirkt als Libero aktiv am Neuaufbau des VC Eltmann in der 3. Liga mit. Sein Nachfolger hat ebenfalls eine Eltmanner Vergangenheit: Heriberto Quero (45) wird das Team künftig betreuen.