Jetzt kann nur noch das Wetter den verspäteten Saisonstart der bayerischen Tennis-Medenrunde stoppen. Den traditionellen Auftakt zum 1. Mai hatte die Corona-Pandemie zunichte gemacht, die Politik gab nach ersten Lockerungen Ende Mai Grünes Licht für den Start am 8. Juni. Um den Vereinen genügend Zeit zu geben, die behördlichen Hygieneverordnungen umzusetzen, entschied der Bayerische Tennis-Verband (BTV), die ersten Punktspiele erst an diesem Wochenende auszutragen.

Mit sechswöchiger Verspätung geht es nun in die "Übergangssaison 2020", wie der BTV die Spielzeit tituliert. Denn der Verband hat den Auf- und Abstieg für diese Saison ausgesetzt. Der Grund: Aufgrund der Planungsunsicherheit während der Lockdown-Phase und den behördlichen Auflagen für den Spielbetrieb hat fast die Hälfte der ursprünglich 12 410 in Bayern gemeldeten Mannschaften zurückgezogen. Auch die beiden klassenhöchsten Teams in Oberfranken, die Bayernliga- Herren und -Damen des TC Bamberg, verzichten auf die Saison 2020. "Es macht keinen Sinn eine Saison zu spielen, wenn es nur um die goldene Ananas geht. Dazu ist der finanzielle Aufwand in der Bayernliga einfach zu groß", sagt der TC-Vorsitzender Axel Tschache.

Doch nicht nur die beiden Aushängeschilder des Vereins nehmen in diesem Sommer nicht am Punktspielbetrieb teil. Von 32 Teams haben 20 abgemeldet, darunter sämtliche Damenmannschaften.

Nicht ganz so groß ist die Abmeldequote bei einem weiteren großen oberfränkischen Klub. Der TC Weiß-Rot Coburg hat neun Senioren- und zehn Juniorenmannschaften im Spielbetrieb. "Das sind 25 bis 30 Prozent weniger als geplant", sagt Vorsitzender Günter Gebauer. Bei der SpVgg Jahn Forchheim haben acht der ursprünglich 13 gemeldeten Teams zurückgezogen.

Umkleiden und Duschen gesperrt

Obwohl nun doch Doppel gespielt werden darf - laut bayerischem Innenministerium wird es als kontaktloser Sport geführt, weil der Mindestabstand während der Ballwechsel nur in seltenen Fällen unterschritten wird - haben die behördlichen Vorgaben vielen Spielern den Spaß an der Medenrunde vermiest. Vor Probleme stellen die Klubs vor allem die gesperrten Umkleidekabinen und Duschen sowie die Anfahrtsbeschränkungen zu den Auswärtsspielen.

Das "Rahmenhygienekonzept Sport" des bayerischen Gesundheitsministeriums schreibt vor, dass in einem Fahrzeug nur Mitglieder von zwei Hausständen sitzen dürfen. In der Regel müssen sich demnach die sechs Spieler, die eine Mannschaft bilden, mindestens mit drei Autos auf den Weg zu einer Auswärtspartie machen. "Wir haben eine Herren-70-Mannschaft in der Landesliga, die bis nach Aschaffenburg fahren müsste und dann verschwitzt wieder nach Hause. Das wollten sich die Spieler nicht antun", erklärt der Coburger Klubchef Gebauer.

Plötzlich acht statt fünf Spiele

Johannes Widmann von der SpVgg Jahn Forchheim hätte mit seinen Bezirksligateam bis nach Ansbach fahren müssen, da viele Spielgruppen aufgrund der Mannschaftszurückziehungen zusammengelegt wurden. "Anstatt fünf hätten wir acht Spiele mit teils weiten Fahrten bestreiten müssen", sagt der Mannschaftsführer der Herren-30 des Jahn. Und er hat noch ein weiteres Problem. Da der BTV seinen Vereinen eine kostenfreie Spielverlegung bis Ende September erlaubt, hätte er seine Teamkameraden auf Ausweichtermine einstellen müssen. "Ich hätte wohl vor jedem Wochenende herumtelefonieren müssen, wer denn nun Zeit hat", sagt Widmann.

Der Coburger Vereinsvorsitzende Gebauer ist davon überzeugt, dass die Klubs von der Möglichkeit, Spiele zu verlegen, Gebrauch machen: "Noch sind Umkleidekabinen und Duschen gesperrt. Aber bei weiteren Lockerungen der Coronamaßnahmen ist das in einigen Wochen vielleicht schon nicht mehr der Fall. Daher werden wohl viele Teams ihre Spiele lieber zum Saisonende hin austragen wollen."

Verschiebungen hin oder her - von diesem Wochenende an fliegt der gelbe Filzball wieder in Punktspielen übers Netz. Und die gastgebenden Vereine haben dabei einiges zu beachten. Jeder, der das Klubgelände betritt, muss seine Kontaktdaten hinterlassen - egal, ob Aktiver oder ein Elternteil, das seinen Nachwuchs zu einem Jugendspiel bringen will. Handdesinfektionsmittel müssen bereitgestellt, die Toiletten regelmäßig desinfiziert und die Mülleimer täglich geleert werden.

Stühle statt Bänke

An den Plätzen müssen Sitzbänke durch mehrere Stühle ersetzt werden, damit die Spieler den Mindestabstand einhalten können. "Der Mehraufwand ist enorm. Ich bin derzeit fast täglich auf unserer Anlage, um zu überprüfen, dass alles passt", sagt Gebauer. Sein Bamberger Amtskollege Tschache meint: "Die Hygieneregeln einzuhalten ist nicht so schwierig. Aber letztlich hängt alles vom Verhalten der Spieler und allen anderen, die sich auf der Anlage aufhalten, ab. Jeder überflüssige Kontakt ist das Tröpfchen, der das Fass zum Überlaufen bringen könnte." Auch aus diesem Grund hat sich der TC Bamberg dazu entschlossen, nicht mehr als zwei Punktspiele gleichzeitig auf seiner weitläufigen 15-Plätze-Anlage auszutragen.

Gemeinsames Grillen verboten

Die im Tennis übliche Bewirtung der Gastmannschaft ist im Hain möglich, da auf dem TCB-Vereinsgelände - ebenso wie beim TC Weiß-Rot Coburg - eine öffentliche Gaststätte beheimatet ist. Bei der SpVgg Jahn Forchheim muss es dagegen entfallen. "Wir haben das bislang in unserem Clubraum über ein Catering gelöst oder gegrillt, aber das ist gegenwärtig im größeren privaten Rahmen ja noch untersagt", erklärt Widmann und fügt hinzu: "Diese Geselligkeit nach den Spielen macht unseren Sport ja auch aus. Aber in diesem Jahr bleibt der Spaß auf der Strecke. Daher bin ich froh, dass wir mit unseren Herren-30 für diese Saison nicht gemeldet haben."

Trotz aller Widrigkeiten hat der BTV von Beginn der Corona-Pandemie an versucht, einen Regelspielbetrieb in diesem Sommer zu gewährleisten. "Mit der Übergangssaison haben wir alle gegensätzlichen Interessenslagen berücksichtigt und die Mitgliedsvereine in den Entscheidungsprozess eingebunden. Sie konnten einerseits den Bedenken ihrer Mitglieder Rechnung tragen und andererseits den wettkampfwilligen Athleten den geliebten Mannschaftswettspielbetrieb ermöglichen", sagt BTV-Präsident Helmut Schmidbauer. Dass nun knapp die Hälfte der Teams nicht an den Start gehe, sei zwar bedauerlich, so Schmidbauer, aber kein Beinbruch: "Wir respektieren diese Entscheidung und hoffen, dass wir im nächsten Jahr wieder einen Wettspielbetrieb unter normalen Bedingungen durchführen können."

Anreize für Teilnahme

Es hat auch finanzielle Gründe, dass der Verband die Medenrunde 2020 trotz der hohen Abmeldequote durchführt. "Ohne das Mannschafts-Nenngeld würde uns eine höhere sechsstellige, bereits eingeplante Summe im Budget fehlen", sagte der BTV-Präsident der "Süddeutschen Zeitung". Um den Vereinen die Medenrunde trotz der Aussetzung von Auf- und Abstieg schmackhaft zu machen, hat er Anreize geschaffen. So wird den Erstplatzierten der Sprung in die nächsthöhere Liga ermöglicht, sollte dort ein Platz frei werden. Zudem wird die Leistungsklassenregelung angepasst. Spieler können diese wie bisher verbessern, müssen aber keine Herabstufung befürchten. "Für einige unserer Mannschaften war das ein Anreiz, an der Medenrunde teilzunehmen", meint Tschache. Er befürchtet aber, dass der Verband diese Regelung "bald einfrieren wird".