Die dritte Bundesliga-Niederlage in Folge der Bamberger Brose-Basketballer gegen Oldenburg (78:85) wurde am Sonntag von den Aussagen Johan Roijakkers zu seinem Spieler Kenneth Ogbe überdeckt. Der Bamberger Trainer ließ den 26-jährigen Nationalspieler aufgrund schlechter Leistungen in den Spielen und fehlender Einstellung im Training ("keine Lust, keine Körperspannung") das komplette Spiel auf der Bank.

Große Resonanz

Die Aussagen des Coaches schlugen in den sozialen Medien und den einschlägigen Basketball-Portalen hohe Wellen. Sogar für die Deutsche Presse-Agentur war die öffentliche Spielerkritik eine Meldung wert. "Einen Spieler, der so unglaublich schlecht ist, kann ich nicht gebrauchen", hatte der 40-jährige Trainer gesagt. Der Zahlenfreak Roijakkers verwies auf die relativierten Plus-Minus-Werte Ogbes, nach denen der vor der Saison von Berlin nach Bamberg gewechselte Flügelspieler die viertschlechtesten aller 197 in der Liga eingesetzten Akteure besitze. "Nur drei Spieler sind schlechter", sprach der Niederländer sehr offen Tacheles und hofft wohl, mit diesem Denkzettel seinen Spieler zu motivieren, nachdem Gespräche und zusätzliches Videostudium keine Besserung gebracht hätten. "Dann wird man als Trainer ein bisschen müde und muss mal was anderes probieren", sagte Roijakkers am Sonntag.

Nur eine kleine Rotation

Auf der anderen Seite klagte der Trainer zuletzt, dass es seinem Kader - auch durch den Verletzungsausfall von Point Guard Tyler Larson - an Quantität mangele und seine Spieler durch die vielen Partien sehr müde seien. Für Ogbe durfte am Sonntag Joanic Grüttner Bacoul, der sonst wenig Zeit auf dem Feld verbringt, 11:20 Minuten in der Arena ran. Die hochbelasteten Chase Fieler oder Michele Vitali mussten aber erneut viele Minuten gehen, was sich in deren zuletzt schwachen Trefferquoten niederschlägt. Kaum Gelegenheit, ihr Können zu zeigen, erhalten die Coburger Doppellizenzspieler Moritz Plescher und Mateo Seric.

Auf Nachfrage erhielt diese Zeitung weder mit dem Coach noch mit dem Spieler oder Geschäftsführer Philipp Galewski, der sich über Ogbe vor seinem ersten Länderspieleinsatz im November noch lobend geäußert hatte, eine Gesprächsgelegenheit. "Wenn Kenny seine Leistung und das von ihm Geforderte bringt, dann wird er auch wieder spielen. Das steht außer Frage", hieß es am Dienstag von Brose-Mediendirektor Thorsten Vogt. Ob der athletische, 1,98 Meter große Ogbe am Dreikönigstag in Ulm wieder sein Können zeigen darf, bleibt somit abzuwarten.

Ulm beendete Negativserie

Am Mittwochabend (19 Uhr, live bei Magentasport) sind die Bamberger in Ulm zu Gast, wollen dort ihre Negativserie beenden und sich mit einem Sieg von Platz 10 wieder Richtung Play-off-Ränge bewegen. Dort stehen die Ulmer mit 12:6 Punkten auf dem siebten Platz. Das Team von Trainer Jaka Lakovic gewann am Samstag in eigener Halle dank eines Dreiers des Ex-Bambergers Patrick Heckmann 18 Sekunden vor dem Ende mit 73:72 gegen Bonn. Lakovic stand zuvor nach Niederlagen in Berlin (83:93), gegen Oldenburg (86:89) und in Crailsheim (84:86) unter Druck, zumal sein Team im Eurocup nach der Vorrunde mit vier Siegen in zehn Spielen ausgeschieden war.

Viertes Duell in dieser Saison

Bamberg traf in dieser Saison bereits dreimal auf die Ulmer. Nach zwei Testpartien (eine Niederlage und ein Erfolg) gab es im ersten Pflichtspiel im Pokal einen 74:65-Sieg in Weißenfels. Dennoch zogen die Schwaben ins Pokal-Top-Four-Turnier ein, da die Oberfranken ihr letztes Gruppenspiel gegen Ludwigsburg verloren.

Ulmer Team tief besetzt

Seitdem ist viel passiert. Die Ulmer sortierten zuletzt den Amerikaner Trey Landers aus und bürgerten nach Dylan Osetkowski (im Sommer) vor kurzem den lange verletzten Österreicher Thomas Klepeisz ein, wodurch derzeit eine Ausländerposition offen ist. Verzichten muss Lakovic derzeit auf seinen verletzten "Energizer" John Petrucelli. Neben Topscorer Osetkowski (16,4 Punkte pro Spiel) punkten für die Ulmer der Ex-Bamberger Andreas Obst (13,4) und Troy Caupain (12,4) im Schnitt noch zweistellig. Doch die ausgeglichen stark besetzten "Spatzen" haben viele offensive Waffen, die es für die Gäste zu beachten gibt. Dreh- und Angelpunkt ist aber Osetkowski. "Ihm muss ein besonderes Augenmerk zukommen", weiß Roijakkers. Sein Gegenüber sagt: "Wir brauchen nicht nur Dylan, sondern alle, um Bamberg zu schlagen."