Seit Juli dieses Jahres führt Philipp Galewski die Geschäfte der Bamberger Basketball GmbH. Mit dem 33-Jährigen sprachen wir über Summen aus der Vergangenheit, der Gegenwart in Zeiten der Corona-Pandemie und der Zukunft. Der Ansbacher war seit Mitte 2014 beim Ligakonkurrenten Bayreuth über drei Jahre Geschäftsführer. Nach einem kurzen Abstecher zur Firma Cybex war er als Referent von Michael Stoschek beim Automobilzulieferunternehmen Brose tätig.

Der Etat

In den Bamberger Euroleague-Zeiten wurden bei Brose Bamberg hohe Spielergehälter bezahlt. Allein die Ausgaben für Gehälter bei der Bamberger Basketball GmbH sind laut den Jahresabschlüssen von 7,5 Millionen Euro in der Saison 2013/14 bis auf 15,5 Millionen (2017/18) gestiegen. 2018/19 lagen sie immer noch bei 12,3 Millionen Euro. "Von solchen Summen kann man träumen, allerdings wurde auch laufend mehr Geld ausgegeben, als zur Verfügung stand", sagt Galewski. "Diese Zeiten sind jetzt aber vorbei. Wir blicken nun nicht mehr in den Rückspiegel, sondern durch die Windschutzscheibe nach vorne", sagt der vom Automobilzulieferer wieder zurück in die Basketball-Welt gewechselte Geschäftsführer. Was bleibe, sei der Name Brose Bamberg, der in Europa nach wie vor einen guten Namen habe. "Das ist aber Fluch und Segen gleichermaßen", sagt Galewski in Hinblick auf Gehaltsvorstellungen von Spielern.

Mit der Höhe des GmbH-Gesamtetats für die Saison 2020/21 geht der Klub transparent um. Der - wie Trainer Johan Roijakkers unlängst in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung gesagt hat - ist in den vergangenen Jahren um sechs auf neun Millionen Euro geschrumpft - und dürfte der vierthöchste in der Bundesliga sein. Wie viel davon für den Elf-Mann-Kader des Profiteams und den Trainerstab vorgesehen ist, verrät Galewski nicht: "In der Bundesliga wird damit auch überall anders umgegangen. Der eine spricht vom Netto- der andere vom Brutto-Etat, der eine rechnet die Agentenprovision mit rein, der andere nicht. Beim einen kommen dann noch Autos und Wohnungen dazu, so dass es keine Vergleichbarkeit gibt. Man kann aber sagen, wenn wir vom Gesamtetat unter den Top 4 sind, dann werden wir vom Spieleretat in einer ähnlichen Dimension liegen."

Galewski bestätigt, dass die bei Bamberg unter Vertrag stehenden Coburger Doppellizenzspieler Elias Baggette, Mateo Seric und Moritz Plescher sowie der an den ProB-Klub verliehene Leon Bulic noch in Bamberg auf der Gehaltsliste stehen. Dafür sei nun der Kostenfaktor Farmteam mit Baunach weggefallen.

Trainer und Spieler, die in den vergangenen Jahren aus länger laufenden Verträgen entlassen und weiterbezahlt werden mussten oder deren Kontrakte mit Abfindungszahlungen aufgelöst wurden, belasten laut Galewski den Saisonetat nicht mehr: "Nur die Vertragsauflösung mit Sportdirektor Leo De Rycke fiel noch ins laufende Geschäftsjahr. Sprich, der von Michael Stoschek viel zitierte Resetknopf wurde wirklich gedrückt. Die immer wieder gerne so bezeichneten Altlasten gibt es nicht mehr." Der Kader

"Trainer Johan Roijakkers hat das Glück, dass er mit einer relativ neu aufgestellten Organisation starten kann", sagt Galewski und geht auf das Dilemma bei Vertragslaufzeiten ein. "Wie man's macht, ist's falsch." Schließlich gebe es das Risiko, dass ein verpflichteter Spieler dann doch nicht die erhofften Leistungen bringt, aber einen Mehrjahresvertrag besitzt. "Auf der anderen Seite wird dann bei Spielern, die überperformen, von Fans gesagt: Warum habt ihr dem denn keinen Zwei-Jahres-Vertrag gegeben?" Die Strategie des Klubs sei nun, um den deutschen Kern mit Christian Sengfelder, Kenny Ogbe, Dominic Lockhart und Bennet Hundt, die alle noch viel Potenzial für weitere Leistungssteigerungen haben, erstmal mit zwei Jahren zu planen. "Das wird ja schon als langfristig bezeichnet. Bei den ausländischen Spielern sprechen wir nur über Jahresverträge. Hier ist es eine rein wirtschaftliche Betrachtung. Was können wir uns derzeit leisten? Wenn es nicht passt, muss man sich wieder trennen. Die sicherere Variante ist wohl, wenn man kürzere Verträge abschließt und dann idealerweise verlängern kann, wenn es der richtige Spieler ist."

Bei einem Blick in die Bundesliga fällt auf, dass etwa Klubs wie Ludwigsburg ein Saisonvorschauheft im September obsolet erscheinen lassen. Beim Vizemeister trennte sich Trainer John Patrick schon in der Vorbereitung wieder von fünf Spielern. "Ludwigsburg agiert viel mit Try-out-Verträgen, wie wir es auch mit Elias Lasisi gemacht haben. Doch darauf lässt sich nicht jeder ein", sagt der Brose-Bamberg-Geschäftsführer.

Es sei aber schwierig in diesen unsicheren Zeiten, Klauseln in Arbeitsverträgen zu verankern, die Gehaltsreduzierungen beinhalten. "Es gibt Modelle, dass man Prämien an die zugelassenen Zuschauer in der Halle koppelt, doch wir konnten das nicht machen, weil es im Juli, August so nicht zur Debatte stand. Das hätte auch mit den Spielern zu diesem Zeitpunkt nicht funktioniert, da in Frankreich und Spanien ganz normal verpflichtet wurde. Ob das langfristig eine Option ist, muss man sehen."

Die Zuschauersituation

Der Etat für Spieler und den gesamten Klub hängt bei einem Profiverein auch von der Zuschauersituation ab. "Wenn es keine Spiele oder nur Geisterspiele gibt, bringt es auch nichts, wenn der Kader ein paar Prozent günstiger ist, das überlebt kein Klub. Wir haben in dieser Saison nur mit etwa 35 Prozent Zuschauerauslastung kalkuliert. Damit kommen wir über die Runden", sagt Galewski und betont, dass ein Profiverein nicht unbedingt auf Gewinne getrimmt sei und man kaum große Rücklagen bilde.

Umso krasser sei die aktuelle Situation für die Hallensportarten. "Wenn wir nun über mehrere Monate ohne Zuschauer auskommen müssten, dann müssten wir uns in der Liga unterhalten, wie es überhaupt weitergehen kann. Und dann muss man auch mit den Spielern zu Lösungen kommen", stellt sich der Brose-Geschäftsführer das Worst-Case-Szenario vor.

Helfen wird den Profi-Sportklubs in diesem Zusammenhang der mit 200 Millionen Euro gefüllte Fördertopf der Bundesregierung. Bis zu 800 000 Euro könne ein Verein für entgangene Zuschauereinnahmen seit April dafür beantragen, Bamberg kommt aber nicht auf diese Summe. "Der Antrag ist gestellt. Jetzt schauen wir mal", sagt Galewski. "Je länger wir ohne Zuschauer spielen, desto notwendiger brauchen wir auch dieses Geld, um die Ausfälle zu kompensieren." Dem Geschäftsführer wäre es viel lieber, 30 bis 40 Prozent der Zuschauer in die Brose-Arena zu lassen, als Hilfen zu beantragen.

Mit Geisterspielen müsse man allerdings vorerst leben. "Wir haben das Geschäftsjahr 2019/20 halbwegs im Rahmen unserer Planung abgeschlossen. Nun müssen wir schauen, diese Saison wieder auf eine Null oder zumindest mit einem blauen Auge davon zu kommen", sieht Galewski die größte Herausforderung.

Die Hoffnung der Vereinsverantwortlichen in wohl allen Hallensportarten beruht nun darauf, wieder vor Zuschauern spielen zu dürfen. "Dafür haben wir ja einen signifikanten Betrag für ein Hygiene-Konzept ausgegeben, über das alle Experten gesagt haben, die Brose-Arena könnten wir ohne Probleme und unter Einhaltung der Hygienestandards mit 40 bis 50 Prozent der Fans füllen."

Umso größer ist nun bei Galewski der Ärger, den großen Aufwand vorerst vergeblich betrieben zu haben. 20 Prozent würden für die Bamberger Arena rund 1250 Zuschauer bedeuten. "Und das in einer 6000-Mann-Halle. Beim Testspiel gegen Ostende waren knapp 600 Leute drin, da gab es überhaupt keine Probleme. Deshalb verstehe ich es nicht, warum man die Halle mit Belüftung und Hygienekonzept nicht mit 20 Prozent auslasten kann, wenn man in die Kirche gehen und mit Risikogruppen singen darf", redet sich Galewski in Rage, "während wir in der Halle für wohlgeordnete Bedingungen sorgen können, an die sich jeder Zuschauer bedingungslos hält." Die politische Dimension kann der Geschäftsführer allerdings nachvollziehen. "Wenn schon alles runtergefahren wird, dann können wir auch keine Zuschauer fordern."

Dabei ist die Begeisterung in Bamberg weiter hoch. Über 3000 Fans haben Dauerkarten bestellt. "Dabei haben wir den Verkauf aufgrund der Situation nicht groß gefördert. Sonst wären es 300 bis 500 mehr gewesen", sagt Galewski. Geld von den Fans hat der Verein noch keines eingezogen. Die Dauerkartenbesteller besitzen derzeit nur ein Vorkaufsrecht für Tickets. "Daran sieht man, dass wir wirtschaftlich bisher stabil aufgestellt und aktuell nicht auf die Dauerkarteneinnahmen zur Liquiditätssicherung angewiesen sind. Auf die Sponsoren allerdings schon, weshalb die bei Heimspielen mit Zuschauern aus dem Kartenkontingent zuerst bedient werden würden", sagt Galewski. Der Corona-Ligastart

Am vergangenen Wochenende schlug Frankfurts Geschäftsführer Gunnar Wöbke eine Verschiebung des Bundesligastarts um vier Wochen vor. "Was soll das bringen?", fragt dessen Bamberger Kollege. "Im Nachhinein betrachtet hätten wir vielleicht vier Wochen früher anfangen sollen, dann hätten wir zusammen neben den Pokalspielen schon drei, vier Partien absolviert."

Die Aufgabe sei jetzt, dass überhaupt kontinuierlich weitergespielt werden könne, wie es irgendwie gehe. Dazu müsse man noch besser mit den Gesundheitsämtern zusammenarbeiten, damit nicht durch falsch-positive Tests Teams tagelang in Quarantäne geschickt werden müssen, wie in Bonn.

"Klar geht die Gesundheit der Spieler vor, und wir versuchen alles, um in unserem Team einen positiven Corona-Fall zu vermeiden. Wenn doch, sind wir vorbereitet und haben unsere Ablaufpläne. Idealerweise finden wir einen positiven Fall, bevor er andere ansteckt."

Derzeit werden die Spieler zwei- bis dreimal pro Woche getestet. Galewski betont, dass dafür weder der Steuerzahler aufkomme noch man im Labor bevorzugt behandelt werde. "Wir sind derzeit von einem Einzel-PCR-Test auf eine Pool-Testung gewechselt. Wenn wir irgendwann auf einen Antigentest umsteigen können, wird's vielleicht nochmal schneller und günstiger." Diese Schnelltests stünden bei Verzögerungen im Labor für den Notfall zur Verfügung. Wenn der Testrhythmus bis zum Saisonende beibehalten werden muss, kommt man bei Brose Bamberg insgesamt auf etwa 2000 Tests.