Nach drei Perioden in Göttingen sind Johan Roijakkers, Trainer von Brose Bamberg, und der 34-jährige US-Amerikaner Alex Ruoff zum vierten Mal vereint. Eine Verpflichtung, die für Diskussionen im Fanlager sorgt, schließlich ist Ruoff nicht auf der Position beheimatet, auf der akut Bedarf herrscht (Point Guard). Ist Alex Ruoff die richtige Nachverpflichtung für Brose Bamberg? Zwei Redakteure - zwei Meinungen.

Pro-Kommentar von Maximilian Glas: Keine Zeit für Experimente

Ohne gelernten Aufbauspieler in ihrer Startformation sind die Los Angeles Lakers 2020 in den Play-offs zum NBA-Titel gestürmt. LeBron James verkörperte den "Point Forward" - ein Flügelspieler, der aufgrund seiner Spielmacherqualitäten auch die Rolle des Aufbauspielers übernehmen kann. Zugegeben, die Überleitung vom besten Spieler der Welt zu Bambergs Nachverpflichtung Nummer 3, Alex Ruoff, ist abenteuerlich - aber nicht unmöglich. Ein lilafarbenes Trikot, Alter Mitte 30 und mittlerweile mehr Haare im Gesicht als auf dem Kopf einen die beiden beispielsweise - aber um sachlich zu bleiben, beides sind unheimlich spielintelligente und vielseitige Akteure, die ihre Teamkollegen auf dem Parkett besser machen.

Und ihre Trainer besser aussehen lassen. Das hat Ruoff in seinen drei Perioden unter Coach Johan Roijakkers bewiesen. Einen Innovationspreis verdient sich der Niederländer mit der Verpflichtung des fünften Ex-Göttingers freilich nicht. Aber der 40-Jährige wird genau wissen, dass er sich nach den beiden Transfer-Flops Gerry Blakes und Norense Odiase kein weiteres missglücktes Experiment erlauben darf, wenn er als Bamberger Trainer ein Play-off-Spiel in der Brose-Arena erleben will. Und deshalb setzt Roijakkers in der zumindest auf nationaler Ebene komplizierten Situation mit der Verpflichtung eines ihm bestens bekannten 34-jährigen Point Forwards statt eines (fiktiven) europaunerfahrenen 22-jährigen Point Guards auf genau das richtige Pferd.

Contra-Kommentar von Peter Seidel: Ruoff ist kein Point Guard

Seit dem verletzungsbedingten Fehlen von Tyler Larson beklagt sich Brose-Trainer Johan Roijakkers darüber, dass ihm ein dominanter Aufbauspieler fehlt. Verpflichtet hat er nun einen, der alles anderes ist als ein Point Guard. Alex Ruoff mag zwar den Ball nach vorne dribbeln können, das Spiel leiten ist seine Sache aber nicht. Schon in seinen starken Göttinger Zeiten war der 34 Jahre alte Routinier dann am effizientesten, wenn er gute Aufbauspieler wie Michael Stockton und Khalid El-Amin neben sich hatte und von ihnen im richtigen Moment den Ball bekam. Spieler mit solchen Fähigkeiten könnte Roijakkers weit mehr gebrauchen als Ruoff, der nicht für die dringend nötige Entlastung auf der Point-Guard-Position sorgen wird. Durch seine Verpflichtung haben die Bamberger außerdem ein Überangebot auf den Positionen 2 und 3. Ruoff wird Dominic Lockhart und Kenneth Ogbe Minuten wegnehmen. Zwei jungen deutschen Spielern, die in Bamberg den nächsten Karriereschritt machen wollen und bislang auf bestem Weg waren, das zu schaffen.

Den Bambergern fehlt weiter ein Aufbauspieler, der das Team anführt. Roijakkers pokert nun und setzt darauf, dass Larson in wenigen Wochen zurückkommt und diese Aufgabe übernimmt. Doch schon vor seiner Verletzung wechselten sich beim US-Amerikaner - wie zuvor in seiner Oldenburger Zeit - Licht und Schatten ab. Daher werden sich die Brose-Probleme auf der Point-Guard-Position durch die gesamte Saison ziehen.