Drei Tage nach dem Scheitern im Viertelfinale des Finalturniers in München hat Brose Bamberg die erste, weitreichende Personalentscheidung getroffen. Roel Moors ist nicht mehr länger Cheftrainer des Basketball-Bundesligisten. Der neunfache deutsche Meister stellte den 41-jährigen Belgier mit sofortiger Wirkung von seinem noch bis zum 30. Juni 2021 laufenden Vertrag frei. Gemeinsam mit Moors wird auch dessen Assistent Thomas Crab den Klub verlassen. Dies teilte der Verein am Dienstag mit.

"Im Vordergrund der Arbeit des Trainerteams steht immer die Weiterentwicklung der Mannschaft. Leider verlief diese in der abgelaufenen Saison nicht so, wie wir sie uns erhofft haben. Dementsprechend waren auch die Ergebnisse nicht befriedigend. Mit Blick auf die anstehenden sportlichen Aufgaben halten wir es für wichtig, umgehend zu handeln und für klare Verhältnisse zu sorgen. Aus diesem Grund wurde einstimmig zwischen Aufsichtsrat, Geschäftsführung und Sportdirektor beschlossen, dass wir die Kontrakte mit Chef- und Assistenztrainer beenden", sagte Sportdirektor Leo De Rycke in einer Vereinsmitteilung.

Moors war vor Beginn der nun beendeten Saison zusammen mit De Rycke vom belgischen Erstligisten Telenet Giants Antwerpen zu den Oberfranken gekommen. In Bamberg hatte er die Nachfolge von Federico Perego angetreten. Wie der Italiener scheiterte aber auch Moors bereits im Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft.

Bei Brose Bamberg hat die Suche nach einem Nachfolger von Moors bereits begonnen. Der Verein geht davon aus, dass in den nächsten zwei Wochen ein neuer Headcoach präsentiert werden kann. Es wäre der sechste innerhalb der vergangenen zweieinhalb Jahre.

Als potenzieller Coach ist seit einigen Wochen Denis Wucherer im Gespräch. Der Ex-Nationalspieler steht allerdings in Diensten des Bundesligarivalen s.Oliver Würzburg und hat seinen Vertrag erst im März um zwei Jahre verlängert. Die Unterfranken haben jedoch angekündigt, ihren Etat aufgrund der Corona-Krise stark reduzieren zu müssen. Dies könnte Wucherer zu einem Abschied bewegen. Gegenüber dem Internet-Portal fnweb.de stellte der Würzburger Geschäftsführer Steffen Liebler kürzlich aber klar: "Denis Wucherer ist ein sehr wichtiger Faktor für die neue Saison. Er wird unsere große Konstante sein."

Kommentar: Brose Bamberg setzt ein Zeichen

Das Ausscheiden von Meister Bayern München schon im Viertelfinale des Quarantäne-Turniers war peinlich. Das Scheitern des Ex-Meisters aus Bamberg in der gleichen K.-o.-Runde war es nicht. Es war vielmehr die logische Konsequenz dessen, was sich bereits vor der corona-bedingten Saisonunterbrechung angekündigt hatte. Das Vorrunden-Aus in der Champions League, das Zittern um die Play-off-Teilnahme als Tabellensiebter kurz vor Beginn der Saisonunterbrechung im März waren Anzeichen dafür, dass auch die Spielzeit 2019/20 für den einstigen Serienmeister eine nicht zufriedenstellende werden würde.

Und beim Finalturnier wurde noch einmal offenkundig, das Brose Bamberg von der nationalen Spitze weiter weg ist denn je. Das wurde dem Trainer letztlich zum Verhängnis. Roel Moors hat es im gesamten Saisonverlauf nicht geschafft, die Mannschaft weiterzuentwickeln, geschweige denn ihr eine Siegermentalität einzuimpfen. Vielleicht war der ruhige Belgier auch gar nicht der Typ dazu, das zu schaffen.

Mit der Trennung von Moors hat Brose Bamberg ein Zeichen gesetzt. Der Verein ist weiterhin getrieben vom Streben nach sportlichem Erfolg und aller Konsolidierungsbestrebungen zum Trotz bereit, Geld in die Hand zu nehmen, um das Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Denn Moors und sein Assistent Thomas Crab müssen erst einmal weiterbezahlt werden.

Konsequenterweise hätte sich der Verein aber auch vom dritten Belgier im Bunde trennen müssen. Denn Sportdirektor Leo De Rycke war zusammen mit Moors maßgeblich verantwortlich für die Zusammenstellung eines Kaders, der den Ansprüchen nie gerecht wurde.