Wo die Körbe in der Brose Arena hängen, weiß Lucca Staiger ganz genau. Im fünften Finalspiel um die deutsche Basketball-Meisterschaft der vergangenen Saison hätte der Scharfschütze - damals noch im Dress von Bayern München - die Brose Baskets "fast noch gekillt", wie es der Bamberger Geschäftsführer Rolf Beyer seinerzeit formulierte. Vier Dreier versenkte Staiger damals bei der knappen 84:88-Niederlage der Münchner, zwei davon in der dramatischen Schlussphase - und nach jedem erfolgreichen Distanzwurf ging seine Hand wie zum Gruß an die rechte Stirn. "Das war ein kleiner Insidergag zwischen Robin Benzing und mir", erklärt Staiger.

Den Grund verraten wollte er nicht, aber es könnte eine Art Abschiedsgruß gewesen sein. Denn wie Benzing, der in der nächsten Saison für CAI Saragossa in Spanien auf Korbjagd gehen wird, verließ Staiger im Sommer die Münchner. Künftig trägt er bekanntlich das Trikot der Brose Baskets.

In Bamberg wünscht sich der 27-jährige Schwabe wieder regelmäßige Einsätze. Bei den Bayern stand er in 31 Bundesliga-Spielen im Schnitt zwar 13:26 Minuten auf dem Feld. Bei den übrigen 17 Partien saß er allerdings über die kompletten 40 Minuten auf der Bank. "Ich will einfach nur Basketball spielen. Ob auf der Position zwei, vier oder fünf, ist mir dabei egal", sagt Staiger. Seine Hoffnung, dass der Bamberger Coach Andrea Trinchieri mehr Vertrauen in ihn setzt als Svetislav Pesic bei den Bayern, ist jedenfalls groß: "Ich halte viel von Trinchieri. Er ist ein Taktiker und weiß, wo er seine Spieler hinstellen muss. Das könnte mir zugute kommen."


Unter besonderer Beobachtung

Dass auf seine Treffsicherheit aus der Distanz Verlass ist, wissen die Bamberger Fans spätestens seit dem Endspiel-Krimi am 21. Juni. Während der Finalserie stand Staiger unter besonderer Beobachtung, denn schon zu diesem Zeitpunkt hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass er sich den Brose Baskets anschließen würde würde. Am Tag nach dem Gewinn der Meisterschaft plauderte Aufsichtsratschef Michael Stoschek die Personalie aus, doch erst am 8. Juli bestätigten die Bamberger den Wechsel offiziell. "Ich wäre auch nach Bamberg gewechselt, wenn ich mit München deutscher Meister geworden wäre", stellt Staiger klar - und schiebt schmunzelnd hinterher: Wenn sie mich dann hier noch genommen hätten."

Die Brose Baskets haben ihn genommen, und sie haben große Erwartungen in ihn: "Lucca ist für mich ein junger Veteran, der sich bereits eine Menge Respekt im deutschen Basketball erarbeitet hat. Obwohl er gerade einmal 27 Jahre alt ist, bringt er viel Erfahrung mit. Er wird unsere Offensive deutlich verbessern, und sein Beitrag zur Verteidigung wird viele Zuschauer verblüffen", meint Sportdirektor Daniele Baiesi.

Staiger steht seinem neuen Team bereits seit dem Trainingsstart in der vergangenen Woche zur Verfügung, da er auf die Nationalmannschaft - und damit auf eine mögliche EM-Teilnahme - verzichtet hat. "Seit über elf Jahren habe ich jeden Sommer für die Nationalmannschaft gespielt. Das habe ich jetzt gemerkt, nicht so sehr körperlich, eher mental. Natürlich war es das schlechteste Timing mit der EM im eigenen Land und mit Dirk und Dennis im Team. Aber es war die richtige Entscheidung, eine Pause einzulegen", erklärt Staiger. Von einem endgültigen Rückzug aus der DBB-Auswahl will er aber nichts wissen: "Wenn der Bundestrainer mich im Team haben möchte, bin ich gerne wieder dabei."


Beim dritten "großen B"

Zunächst gilt seine volle Konzentration aber den Brose Baskets. Nach den Stationen Berlin und Bayern spielt der 94-fache Nationalspieler nun für das dritte der sogenannten "großen B's". Im Vergleich zu den beiden Großstadtklubs, das hat der Neuzugang schon gemerkt, laufe in Bamberg alles "etwas familiärer ab". Allerdings weiß er auch: "Zum Meister zu kommen, ist nicht einfach. Den Titel zu verteidigen, das wird schwer genug."