Liebe Dartsfreunde, die Weltmeisterschaft im Ally Pally ist vorbei, Gerwyn Price hat sich die Trophäe geschnappt - und völlig verdient die Führung in der Weltrangliste übernommen. "The Iceman" hat im Finale vor allem in den ersten sechs Sätzen gezeigt, warum er besser als Gary Anderson ist. Der Schotte kam einfach nicht hinterher und schien das Match innerlich früh abgehakt zu haben. So passte es ins Bild, dass sich Anderson auch, als Price elf Matchdarts vergab, nicht steigern konnte.

Für Price ist der WM-Titel der Höhepunkt einer außergewöhnlichen Karriere: Im Jahr 2014 erspielte sich der ehemalige Rugby-Profi Price seine erste Tourkarte. Nun hat er die Weltspitze erklommen und sich für eine grandiose Saison belohnt. Dass er sich in nur sieben Jahren so entwickelt hat, ist wirklich beeindruckend.

Die WM der besonderen Momente

Mit dem einseitigen Finale endete am Sonntag eine sehr spezielle Weltmeisterschaft. Ohne Fans fehlte ein ganzes Stück dessen, was wir an diesem Sport lieben. Doch die Spieler auf der Bühne haben alles dafür getan, dass wir die fehlenden Kostüme, Gesänge und Gänsehaut-Augenblicke vergessen. Denn die sportliche Qualität war sehr gut, viele Partien wurden auf Weltklasse-Niveau gespielt.

Zu der trotz Geisterstimmung bunten Weltmeisterschaft trugen auch die Spieler aus aller Welt bei, die sich über die regionalen Qualifikationsturniere durchsetzten: Der Brasilianer Diogo Portela, der durch das Coronavirus mehrere Familienmitglieder verlor und nach seinem ersten Sieg bei einer WM auf der Bühne hemmungslos weinte. Oder US-Amerikaner Danny Baggish, der am Tag vor seinem Sensationssieg über Doppel-Weltmeister Adrian Lewis vom schweren Schlaganfall seines Bruders erfuhr. Sie alle haben Geschichten geliefert, die ich nicht vergessen werde.

Ich bin daher froh, dass so viele Spieler aus aller Welt an der WM teilnehmen können - denn auch sportlich bringen sie reichlich Potenzial mit. Gerade in der E-Dart-Szene in Asien oder Nordamerika gibt es viele unbekannte Talente.

Die Qualifying School als Türöffner

Nach der nun folgenden Tourpause wird es im Februar ernst: Bei der europäischen Qualifying School im hessischen Niedernhausen spiele ich um eine Tourkarte für die PDC-Events. Mehrere Hundert Spieler sind dabei, unter anderem auch unser WM-Fahrer Nico Kurz, - und die Legende Raymond van Barneveld, der sein Comeback auf der Tour geben will. Ein Match gegen "Barney" wäre der Hammer!

Der Erlanger Ricardo Pietreczko ist seit fünf Jahren Dartsprofi. 2017 gewann er Bronze beim WDF Darts World Cup in Japan. Während der WM schreibt der 26-Jährige exklusiv für diese Zeitung.