Mit gestärktem Selbstvertrauen nach dem Sieg am Mittwoch in Ulm fuhren die Bamberger Bundesliga-Basketballer am Donnerstag die 650 Kilometer ins Oldenburger Münsterland in die Kreisstadt Vechta. Dort steigt am Freitagabend (19 Uhr, live bei Magentasport) im Rasta-Dome das 14. Duell der Bamberger mit Vechta.

Vechta zuletzt ein Angstgegner

Die Bilanz mit den West-Niedersachsen liest sich für Bamberg mit 7:6 Siegen positiv. Doch die Brose-Fans erinnern sich mit Schaudern an die vergangenen beiden Jahre, in denen der Aufsteiger unter Trainer Pedro Calles unter anderem im Januar 2019 mit dem 85:67-Sieg in Bamberg Auslöser für die Entlassung von Coach Ainars Bagatskis war und wenige Monate später in den Play-offs mit einer Rumpftruppe das Brose-Team mit 3:1 aus dem Rennen warf.

Auch in der vergangenen Saison behielt Vechta zweimal in der Punkterunde die Oberhand. Der einzig verbliebene Bamberger, Christian Sengfelder, wird sich ungern an die 85:86-Niederlage erinnern, als er in den Schlusssekunden den überragenden Trevis Simpson beim Dunking foulte und das Match verloren ging. Beim BBL-Finalturnier im Juni 2020 hatte Bamberg immerhin mit 100:82 die Nase vorn.

Neues Team und neuer Trainer in Vechta

Wie in Bamberg steht aber auch in Vechta in dieser Spielzeit eine nahezu komplett neue Mannschaft mit neuem Trainer in der Halle. Der im Vorjahr in Bonn geschasste Thomas Päch, einer von nur vier deutschen Trainer in der Liga, steht mit seiner Mannschaft gewaltig unter Druck. Nach dem Auftaktsieg im Pokal gegen Gießen folgten nur noch Niederlagen. Zwei im Pokal und elf in der Liga. Als einziger Verein ohne Sieg in der Tabelle soll am Freitag unbedingt ein Erfolg her, sonst droht der "geilste Club der Welt", wie sich Vechta nennt, den Anschluss zu verlieren.

Für den Bamberger Aufbauspieler Bennet Hundt ist wie für das Team die Vergangenheit kein Thema. "Klar habe ich die letzten Jahre verfolgt und weiß, dass Bamberg gegen Vechta nicht gut ausgesehen hat. Wir fahren dort hin, um Vechta zu schlagen. Wir sind nach dem Sieg in Ulm hochmotiviert und wollen nachlegen."

Duell der Hundt-Brüder

Der 22-jährige Neu-Bamberger freut sich auf das Spiel in Vechta besonders. Denn dort kommt es zum ersten Duell mit seinem Bruder Jannes. Der knapp zwei Jahre ältere und sechs Zentimeter (1,84 m) größere Neu-Vechtaner absolviert nach seinem Wechsel vom Zweitligisten Quakenbrück seine erste Saison im Oberhaus.

Bennet hofft, dass beide mal zusammen auf dem Feld stehen. "Wir kennen uns in- und auswendig, da wir im Sommer zusammen trainieren", sagt der Bamberger. Beim BBL-Finalturnier war Jannes bereits im Bennet-Team Göttingen als Trainingsgast dabei, zu einem Einsatz bei der BG kam es für den Älteren aber nicht.

"In diesen 40 Minuten ist Bennet ein ganz normaler Gegenspieler. Jeder freut sich, wenn der andere gut spielt. Doch den Sieg wollen wir in Vechta behalten", will Jannes die Familienbande auf dem Feld ausblenden und geht davon aus, dass "wir uns gegenseitig decken werden". Frotzeleien im Vorfeld habe es bisher nicht gegeben. "Die wird es aber spätestens beim nächsten Familientreffen vom Sieger geben", glaubt der Jüngere. An Weihnachten war das Duell noch kein Thema. Da trafen sich die Brüder mit den sportaffinen Eltern in Bamberg. Bennet kam aus der Türkei, Jannes vom Spiel in Weißenfels. Zumindest einen halben Tag gab's ein friedvolles Familientreffen.

"Vielleicht haben wir einen kleinen Vorteil, dass die Bamberger nach dem Spiel in Ulm etwas müde sind", hofft der Rasta-Spieler vor der Partie. Dem entgegnet der Brose-Spielmacher: "Wir sind eine junge und fitte Truppe. Nach einem Regenerationstraining am Donnerstag sind wir bereit und erwarten, dass Vechta wie immer mit viel Feuer und Aggressivität spielt." Von Vorteil sei dabei, dass keine Rasta-Fans in der Halle sind.

Combo-Guard aus Nigeria

Seinen sechsten Ausländerposten hat Vechta erst kurz vor Weihnachten mit dem nigerianischen Nationalspieler Ikenna Iroegbu besetzt. Der 25 Jahre alte Aufbauspieler überzeugt neben dem Ex-Berliner Stefan Peno in seinen bisher drei Spielen mit im Schnitt elf Punkten und drei Assists. Als Scorer sind auf den kleinen Positionen der Belgier Jean Salumu (11,5), Kapitän Josh Young (10,4) und unter dem Brett der Ex-Alba-Center Dennis Clifford (12,3) zu beachten. Verzichten muss Coach Päch seit Ende Dezember auf den erneut verletzten Power Forward Philipp Herkenhoff.

Jannes Hundt sieht seine Rolle in seinen bisher im Schnitt achteinhalb Minuten langen Einsätzen als Energizer von der Bank kommend: "Harte Defense spielen und den gegnerischen Point Guard nerven." Diesmal gibt es eine ganz spezielle Aufgabe für ihn.