Sicherheitshalber fragt Frank Wolschendorf beim Hallentechniker noch einmal nach, ob die Rauchmelder ausgeschaltet sind. Doch das Wölkchen, das aus dem Luftröhrchen strömt, ist viel zu klein, um Alarm auszulösen. Eine große Rolle spielt es dennoch in der Bamberger Brose-Arena. Von den Luftmessungen, die der Mikrobiologe zusammen mit seinem Kollegen Marcus Grohmann in der Spielstätte des Basketball-Bundesligisten einen Tag lang vornimmt, wird maßgeblich abhängen, vor wie vielen Zuschauern der neunfache deutsche Meister in Zeiten von Corona künftig wieder auf Korbjagd gehen kann.

"Wir untersuchen die Luft in der Halle nach ihrem Partikelgehalt und deren Strömungsweg an unterschiedlichen Standorten zweimal. Einmal bei ausgeschalteter Lüftung und dann noch einmal bei laufender Lüftung", sagt Projektleiter Grohmann. Gerade sitzt er auf Platz 3 in Reihe 11 der Nordtribüne. Insgesamt rund 50 Messpunkte auf allen vier Tribünenseiten haben sich die beiden Forscher des Hygiene-Technologie-Zentrums (HTK) der Sozialstiftung Bamberg ausgesucht. Im Auftrag von Brose Bamberg und der Betreibergesellschaft der Brose-Arena erstellt das auf Hygienefragen spezialisierte Institut ein Lüftungsgutachten. Ein solches schreibt das Hygienekonzept der Basketball-Bundesliga den Vereinen zwingend vor.

Mit einem Partikelgenerator und-messgerät bestimmen die beiden Forscher die Zusammensetzung der Luft in der Halle und verfolgen deren Ausbreitung. Ein Luftröhrchen, das eine kleine Wolke Rauch verströmt, simuliert die Luft beim Ausatmen, in deren Feinstpartikeln sich bei infizierten Personen Coronaviren befinden können. Bei ausgeschalteter Lüftung wabert sie je nach Standort nach links, rechts, oben oder unten. Am Rand des Spielfelds ist das Wölkchen 40 Sekunden zu erkennen, bevor sie sich auflöst. Anders bei angeschalteter Klimaanlage: Sie sorgt dafür, dass die Wolke schon nach fünf Sekunden zersetzt ist. "Die Lüftung arbeitet sehr gut", sagt Wolschendorf und erklärt: "Sie saugt mehr Luft ab als sie Frischluft reinbläst. Dadurch entsteht ein Unterdruck, der eine Sogwirkung zur Folge hat. Dadurch ist ein schneller Luftaustausch möglich."

In rund zwei Wochen werden die Ergebnisse der Lüftungsmessung vorliegen. Ausgewertet werden sie am Institut für Medizintechnik an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden. Dessen Leiter, Professor Clemens Bulitta, ist auch Wissenschaftlicher Leiter des HTK in Bamberg. "Er wird von uns eine Menge Daten bekommen", sagt Grohmann. Anhand der örtlichen Gegebenheiten kann sich der Bamberger Forscher grundsätzlich schon vorstellen, dass Basketballspiele in der Arena wieder vor Zuschauern stattfinden können. Auf eine Zahl will er sich aber nicht festlegen, denn: "Das ist ja immer auch abhängig vom gerade vorherrschenden Infektionsgesehen."

Hallenöffnung an Bedingungen geknüpft

Erst am Dienstag haben sich die Staatskanzleichefs der Bundesländer auf eine einheitliche Obergrenze von 20 Prozent der Zuschauerkapazität in den Hallen geeinigt, diese aber an Bedingungen geknüpft. Denn liegt die Sieben-Tages-Inzidenz pro 100 000 Einwohner am Austragungsort größer gleich 35 und ist das Infektionsgeschehen nicht klar eingrenzbar, erfolgt keine Freigabe für Spiele vor Fans.

In der Stadt Bamberg beträgt dieser Wert derzeit 6,4, im Landkreis 7,5. "Das erlaubt es uns zumindest, Zuschauer unter Einhaltung des Mindestabstands in die Halle zu lassen", sagt Philipp Göß, der als Spiel- und Eventmanager von Brose Bamberg für die Organisation der Heimspiele zuständig ist. Nach den jüngsten Lockerungen durch die Politik hofft der fränkische Bundesligist, zum ersten Heimspiel am 14. Oktober gegen einen Qualifikanten der Champions League rund 1500 Zuschauer einlassen zu können.

Die Zahl soll dann - sollte es das Infektionsgeschehen zulassen und sich das von Verein und HTK gemeinsam erstellte Hygienekonzept bewähren - sukzessive gesteigert werden. "Wenn wir zum Jahreswechsel 3000 Fans in die Halle lassen könnten, würden wir uns freuen", sagt Göß.

Kurzinfo: Das HTK

Die Firma: Das Hygiene-Technologie-Kompetenzzentrum (HTK) ist eine GmbH unter dem Dach der Sozialstiftung Bamberg und Teil des Medical Valley Centers der Metropolregion Nürnberg. Das Geschäftsfeld: Das HTK besteht aus einem interdisziplinären Expertenteam zu allen Fragestellungen, die Hygiene und Infektionsprävention betreffen. Es initiiert und koordiniert Projekte der Hygiene und Infektionsprävention, entwickelt Forschungs- und Produktionskooperationen, erstellt Gutachten, ist beratend tätig und führt Schulungen durch. Mitarbeiterzahl: 4 im Gründungsjahr 2018, mittlerweile auf 14 gewachsen, Tendenz steigend: "Wir sind ein Gewinner der Corona-Krise", gibt Geschäftsführerin Susan Lindner unumwunden zu. Firmensitz: ehemalige Schellerer-Klinik am Heinrichsdamm in Bamberg