Der Umbau des Kaders beim Basketball-Bundesligisten Brose Bamberg wird immer konkreter. Nachdem der einstige Serienmeister am Dienstagabend (wie kurz berichtet) mit dem italienischen Nationalspieler Michele Vitali und dem US-Amerikaner Chase Fieler die Neuzugänge 6 und 7 präsentiert hat, wurde beim virtuellen Fantalk am gleichen Abend deutlich, dass aus dem Kader der Vorsaison nur Christian Sengfelder noch eine feste Rolle spielen soll.

Von Bryce Taylor (33) wolle man sich noch trennen, sagte der Geschäftsführer der Bamberger Basketball GmbH, Philipp Galewski. "Wir planen nicht mehr mit ihm."

Weidmann fällt durch den Rost

Auch der 21-jährige Nelson Weidemann spielt im Konzept des neuen Cheftrainers Johan Roijakkers keine Rolle mehr. "Ich will nur mit vier Deutschen spielen. Das sind Christian Sengfelder, Bennet Hundt, Dominic Lockhart und Kenneth Ogbe", machte der 39-jährige Niederländer in der Fragerunde mit den etwa 60 eingeloggten Fans deutlich. "Nelson hat noch einen Vertrag. Er darf bleiben, ich kann ihm aber keine Spielzeit versprechen. Wir haben Kontakt mit seinem Agenten aufgenommen. Zusammen suchen wir nach einer Lösung für ihn."

Seric nicht in Stammrotation

Das bedeutet auch für Mateo Seric (21) und Moritz Plescher (19) - beide haben einen laufenden Vertrag -, dass sie kein fester Bestandteil der Rotation sind. "Wenn Mateo zeigt, dass er uns hilft, bekommt er seine Chance", sagte Roijakkers dazu. Die beiden jungen Deutschen werden somit die Kaderpositionen 11 und 12 einnehmen und wohl nur wenige Minuten auf dem Feld bekommen.

Roijakkers Personalplanungen sehen neben der Besetzung der Centerposition mit zwei weiteren Ausländern noch die Verpflichtung von "ein, zwei Spielern" vor, die den Kader vor allem für Trainingszwecke komplettieren sollen.

U20-Nationalspieler Elias Baggette, der bisher im mittlerweile aufgelösten Brose-Farmteam Baunach die Fäden gezogen hat, wird beim BBC Coburg in der 3. Liga ProB spielen. "Elias ist ein Riesentalent, doch geht er noch in die Schule und kann nicht mit uns am Vormittag trainieren. Deshalb wird sein Fokus Coburg werden", sagte Roijakkers zur Rolle des Aufbauspielers.

Co-Trainer Günther soll gehen

Im bisherigen Trainerstab kommt es noch zu einer weiteren Veränderung. Der langjährige Assistenztrainer Dominik Günther, der noch bis 2021 unter Vertrag steht, "spielt keine Rolle mehr", so Galewski. "Wir wollen eine Trennung hinbekommen." Dagegen plant man, entgegen einiger Gerüchte, weiter mit Stefan Weissenböck. Der Individualtrainer weilt derzeit in Urlaub in seiner Heimat Österreich. "Es ist ein Luxus, Stefan in der Organisation zu haben. Ihn leisten wir uns", spielte Galewski auf die Höhe des Weissenböck'schen Gehaltes an. "Er soll weiter talentierte Spieler ausbilden. Wir müssen nur seinen Vertrag anpassen. Hier sind wir in guten Gesprächen", meinte der Brose-Geschäftsführer.

Insgesamt haben die - vermutlich kostspieligen - Auflösungen der Verträge von zahlreichen Spielern und der Trainer Roel Moors, Thomas Crab und Sandro Bencardino den Etat der vergangenen Saison belastet, gab Galewski an. Lediglich die Kosten der Trennung von Sportdirektor Leo De Rycke, dessen Aufgaben der Trainerstab zusammen mit Galewski übernehmen werden, würde noch in die kommende Spielzeit fallen. "Insgesamt haben wir die vergangene Saison finanziell gut abgeschlossen", sagte der neue Geschäftsführer, der sich derzeit mit den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie beschäftigt. Die Dauerkartensituation mit etwa 3000 verkauften Saisontickets stimme ihn zuversichtlich. Die Kündigungsrate sei - wie in den Vorjahren - im üblichen Rahmen. "Die Situation ändert sich ständig, Eine Entscheidung, wie viele Zuschauer zum Saisonstart in die Halle dürfen, wird erst im September fallen. Dann müssen wir eine faire Lösung finden."

Amerikaner und Italiener

Gespannt dürfen die Fans in der kommenden Spielzeit auf die am Dienstag verkündeten Neuzugänge sein. Mit dem Amerikaner Chase Fieler (28) hat Brose einen 2,03 Meter großen Power Forward unter Vertrag genommen. Fieler spielte zuletzt für Promitheas Patras in der griechischen Liga. Für den Klub trat Fieler auch im Eurocup an und erzielte in 13 Spielen im Schnitt 8,5 Punkte bei starken Wurfquoten aus dem Zweier- (59,5 Prozent) und Dreierbereich (49 Prozent). Im entscheidenden Spiel der Top-16-Runde gegen Oldenburg, trug der auch als guter Passgeber mit hohem Basketball-IQ überzeugende Fieler beim 97:72-Sieg 15 Punkte zum Aus der Niedersachsen bei.

Als exzellenter Dreierschütze ist der italienische Nationalspieler Michele Vitali (28) bekannt. Er kommt vom Champions-League-Teilnehmer Dinamo Sassari. Beim Klub aus Sardinien überzeugte der 1,96 Meter große Shooting Guard, den Roijakkers auf der Position 3 einplant, mit einer Trefferquote aus der Distanz von knapp 51 Prozent.

Roijakkers freute sich über seine Verstärkungen mit großen Erfahrungen in europäischen Ligen. Beide haben einen Vertrag mit einer Laufzeit von einem Jahr unterschrieben.