Totgesagte leben länger - alle, die den Bamberger Brose-Basketballern nach der Pleite in München am Sonntag ein schnelles Aus im Play-off-Halbfinale vorhergesagt hatten, wurden am Mittwochabend in Freak City eines Besseren belehrt. Der deutsche Meister zeigte ein ganz anderes Gesicht, bezwang die Bayern mit 78:65 (32:35), glich so die Serie aus und sicherte sich nach Spiel 3 am Samstag (18 Uhr) in München zumindest ein zweites Heimspiel am kommenden Dienstag (19 Uhr) in der Frankenhölle.


Nikolic gibt das Startsignal

Trainer Luca Banchi setzte nach dem Desaster in München auf eine kleine Formation: Die Center Luka Mitrovic und Dejan Musli mussten wegen der Ausländerbeschränkung zuschauen, dafür erhielt Ali Nikolic seine Chance, stand in der Startformation und erzielte gleich die ersten acht Bamberger Punkte - darunter zwei Dreier zum 8:4. Dann brachten die Hausherren, die von den Fans lautstark unterstützt wurden, aber den Ball nicht mehr im Korb unter, wirkten phasenweise übermotiviert. Jared Cunningham und Devin Booker sicherten den Bayern mit einem 8:0-Lauf die Führung und verteidigten diese bis zum Viertelende (16:19).
In der Anfangsphase der zweiten zehn Minuten gerieten die Unparteiischen massiv in die Schusslinie und wehrten sich gleich mit einem Technischen Foul gegen den Bamberger Coach. Die Fans waren stinksauer und skandierten "aufhören". Durch die ausbleibenden Foulpfiffe geriet der Gastgeber aus dem Rhythmus, die Bayern zogen bis auf 31:18 weg. Doch Augustine Rubit läutete mit seinem Tip-in nach 15 Minuten die Aufholjagd ein. Jetzt funktionierte auch die Verteidigung besser, und die Halle stand Kopf, als Maodo Lo und der unermüdliche Daniel Hackett mit ihren Dreiern bis zur Pause trotz der deutlich schlechteren Wurfquote (35:48 Prozent) auf 34:35 verkürzten.
Würden sich die bislang so souveränen Münchner doch eine Blöße geben? Zunächst sah es nicht danach aus, denn der starke Danilo Barthel und Nihad Djedovic trafen für die Gäste zwei Dreier, doch dann fand Dorell Wright nach acht Fehlwürfen in der ersten Halbzeit sein Händchen: Mit elf Punkten in kürzester Zeit brachte er seine Farben auf 49:50 heran. Jetzt wurde der Hauptrundenerste doch nervös, vergab vier von fünf Freiwürfen - und Lo sorgte per Dreier für die 53:51-Führung. Es knisterte vor Spannung: Mit einem 59:59 ging's in den Schlussabschnitt, den Hackett und Wright gleich mit zwei Dreiern eröffneten - die Frankenhölle brannte.


Wright und Lo Sieggaranten

Und Lo goss mit seinem vierten Dreier zum 68:61 weiteres Öl ins Feuer, Wright sorgte aus der Distanz für die erste zweistellige Führung. Doch es waren noch gut vier Minuten zu spielen. Luca Banchi ermahnte seine Jungs immer wieder trotz allen Einsatzes kühlen Kopf zu bewahren. 50 Sekunden vor dem Ende stand dann nach dem nächsten Wright-Dreier fest, dass es auf jeden Fall nächsten Dienstag ein Wiedersehen in der Frankenhölle geben wird.


Die Statistik

Brose Bamberg -
FC Bayern München 78:65

(16:19, 18:16, 27:24, 19:6)
Bamberg Wright (22 Punkte/5 Dreier), Lo (14/4), Hackett (11/2), Nikolic (10/2), Rubit (8), Zisis (7), Radosevic (4), Olinde (2), Hickman
München Cunningham (16/1), Barthel (15/1), Booker (12), Djedovic (9/1), Zirbes (4), Hobbs (3), Jovic (3), Gavel (2), King (1), Redding, Ogunsipe
SR Lottermoser, Kovacevic, Straube
Zuschauer 6150
Gesamtwurfquote Bamberg 41 Prozent (23 Treffer/56 Versuche), München 44 (24/54)
Dreierquote Bamberg 45 Prozent (13/29), München 20 (3/15)
Freiwurfquote Bamberg 83 Prozent (19/23), München 52 (14/27)
Rebounds Bamberg 39 (29 defensiv/10 offensiv), München 30 (25/5)
Ballgewinne/-verluste Bamberg 5/12, München 5/9
Assists Bbg. 15 / München 17
Fouls Bbg. 23 / München 24